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FrankreichSo drastisch setzen Städte das neue „Anti-Airbnb-Gesetz“ um

In Frankreich regelt nun ein strenges Gesetz die Kurzzeitvermietung von Wohnungen. Das führt zu teils harten Maßnahmen von Städten wie Marseille, an deren Nutzen Kritiker zweifeln.Kuchenbecker, Tanja 21.11.2024 - 12:54 Uhr Artikel anhören
Marseille: Auch die Mittelmeermetropole hat harte Maßnahmen angekündigt, um wieder mehr Wohnraum für einheimische Bewohner zu schaffen. Foto: IMAGO/Zoonar

Paris. Frankreich schränkt die Kurzzeitvermietung von Wohnungen erheblich ein. Die Regierung hat ein entsprechendes Gesetz erlassen, es wird mit Blick auf das bekannteste Portal zur Vermittlung von Ferienwohnungen gemeinhin „Anti-Airbnb-Gesetz“ genannt.

Neben der Kürzung von Steuervorteilen lässt es den Städten vor allem mehr Spielraum beim Verbot von Saisonvermietungen. Einige Städte wie Marseille und Nizza haben schon drastische Maßnahmen angekündigt, um wieder mehr Wohnraum für einheimische Bewohner zu schaffen.

Es ist die Menge an Anbietern, die den Wohnraum knapp werden lässt – und damit auch Preise und Mieten treibt. Die offiziellen Statistiken lassen erkennen: Innerhalb von acht Jahren ist die Zahl der touristisch vermieteten Wohnräume in Frankreich von 300.000 auf 1,2 Millionen angestiegen. Wohnungen, die oft als Zweit- oder Drittwohnung angeschafft werden mit dem ausschließlichen Ziel, über Kurzzeitvermietungen Gewinne zu erzielen.

Doch was wird nun konkret umgesetzt? Und was bedeutet das für Reisende in Frankreich – und den Immobilienmarkt?

Das sieht das neue Gesetz vor

Die neue Regelung soll Kurzzeitvermietung finanziell weniger interessant machen. Wurden bisher bis zu 71 Prozent pauschal von den Einnahmen bei der Steuer für Betriebskosten abgerechnet, sollen es ab 2025 für viele nur noch 30 Prozent sein.

Für Privatleute wurde zudem die Höchstgrenze der erlaubten Einnahmen pro Jahr von 23.000 auf 15.000 Euro reduziert. Über die Summe hinaus kommt der Besitzer in die Kategorie der professionellen Anbieter, was mit höheren Abgaben und mehr Bürokratie verbunden ist. Eigentümergemeinschaften können in Zukunft darüber hinaus die Kurzzeitvermietung einfacher verbieten.

Die Städte dürfen dabei entscheiden, ob sie neue Unterkünfte für Airbnb oder ähnliche Anbieter komplett oder auch in einzelnen Vierteln verbieten. Auch gewisse Quoten sind möglich. Wer in Zukunft Wohnungen saisonal vermieten will – also kurz- oder mittelfristig –, muss bei der Stadt die Zulassung beantragen. Ob der Antrag auch für schon bestehende Unterkünfte verpflichtend wird, ist noch nicht klar.

Das planen die großen Städte

Paris kündigte an, dass in touristischen Gegenden wie Montmartre und Marais keine zusätzlichen Wohnungen mehr an Touristen vermietet werden dürfen. Paris und Bordeaux verbieten schon jetzt touristische Vermietungen für Zweitwohnsitze und erlauben sie nur für Hauptwohnsitze. Konnten vorher nur Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern die Kurzzeitvermietung derart regulieren, bietet das neue Gesetz mehr Möglichkeiten für alle.

Lyon schränkt vor allem im historischen Stadtgebiet die Zulassungen erheblich ein und sieht vor, dass die Vermieter eine identische Wohnfläche mit regulärer Vermietung anbieten müssen. Damit sind Besitzer von nur einer Wohnung aus dem Spiel.

Blick auf Paris: Bald dürfen in touristischen Gegenden wie Montmartre und Marais keine zusätzlichen Wohnungen mehr an Touristen vermietet werden. Foto: REUTERS

Benoît Payan, Bürgermeister von Marseille, versprach, die „strengste Regelung Frankreichs“ einzuführen, und kündigte ebenfalls an, dass eine touristische Immobilie nur erlaubt wird, wenn zusätzlich eine normale vermietet wird.

Vor allem große Wohnungen wollen die Städte für Familien vorbehalten und drohen mit Absagen für touristische Unterkünfte. In Marseille etwa soll auch nur noch eine Nebenwohnung pro Person erlaubt werden, vorher waren es fünf. Die Zulassungen sollen nur noch vier Jahre gültig sein. Marseille steht besonders unter Druck: Im Jahr 2023 gab es 13.000 touristische Wohnungen in der Stadt am Mittelmeer, 45 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das planen die kleinen Städte

Auch kleinere Städte, die von Touristen überlaufen sind, wollen Beschränkungen durchsetzen.

  • In Annecy etwa, an einem Alpensee gelegen, wird mehr als ein Viertel der Unterkünfte im Stadtzentrum touristisch genutzt. Mit dem neuen Gesetz können Städte nun Prozentgrenzen für touristische Unterkünfte festlegen.
  • Auch in den Skigebieten der Alpen soll die Saisonvermietung eingeschränkt werden. Orte wie Chamonix erlauben in Zukunft nur noch einen oder zwei Adressen neben dem Hauptwohnsitz pro Person und erteilen die Erlaubnis für die touristische Nutzung nur für drei Jahre, dann muss sie erneuert werden.
  • Auch am Mittelmeer in touristischen Orten wie Sète sollen mehr Quoten für überlaufene Viertel eingeführt werden. Die Stadt will in Neubauten Ferienwohnungen oder Zweitwohnsitze verbieten und überlegt, auch im Bestand weitere Zweitwohnsitze zu untersagen.

Das ist die härteste Maßnahme

Marseille hat umgehend drastische Maßnahmen ergriffen. Stadtbeamte entfernen mit der Schleifmaschine Schlüsselkästen mit Codes, die überall in den Straßen hängen. Auch Nizza greift zu dieser Maßnahme.

Nizza kündigte an, mit dem neuen Gesetz die Zahl der touristischen Unterkünfte um 50 Prozent verringern zu wollen. Denn: Die Kästen hatten Mieter unabhängig von festen Anreisezeiten gemacht – Vermieter sparten sich damit gegenüber Hotels oder Pensionen das Empfangspersonal. Für sie wird es nun also teurer und aufwendiger, ihre Wohnungen anzubieten.

So reagieren die Anbieter

Zahlreiche Vermieter in Frankreich diskutierten auf den Besitzerportalen im Internet schon über den Verkauf ihrer Wohnung. Die Frage, die sich stellt: Wer soll die Wohnungen überhaupt kaufen, wenn sie den Markt überschwemmen?

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Frankreichs Medien haben eine potenzielle Antwort darauf: Investoren, die im großen Rahmen günstig Immobilien ankaufen und dann weiterhin, aber professionell auf Plattformen wie Airbnb anbieten.  Mittelstandsfamilien, die ihr Einkommen mit einer Airbnb-Wohnung aufbessern, hätten dagegen das Nachsehen.

Und das Problem hätte sich schlichtweg verlagert, ohne die Lage auf dem Wohnungsmarkt zu verbessern.

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