D-Day: Ex-FDP-Schatzmeister Harald Christ erwägt Parteiaustritt
Düsseldorf. Erst war Harald Christ jahrzehntelang in der SPD aktiv, war dort unter anderem für Mittelstandsthemen zuständig, wurde für verschiedene Ministerämter gehandelt. Dann wechselte er aus Protest gegen den von ihm bemängelten Linksruck der Sozialdemokraten in die FDP, wo ihn Parteichef Christian Lindner 2020 zum Bundesschatzmeister machte. Dieses Amt gab der Unternehmer nach rund zwei Jahren wieder ab. Nun erwägt er, sich komplett aus der FDP zurückzuziehen.
Grund dafür: Das Vorgehen der Parteiführung in den vergangenen Wochen. In die Planungen für den offenbar systematisch vorbereiteten Koalitionsbruch sei Christ nicht eingebunden gewesen, sagte er im Podcast Handelsblatt Disrupt, weil er keine formale Rolle in der Partei habe. Und darüber sei er auch „ganz froh“.
Unternehmer Harald Christ: „Ich hätte mir gewünscht, dass man diese Regierungszeit verantwortungsvoll zu Ende bringt"
Auf die Frage aber, wie er das Vorgehen der Parteiführung bewerte, sagte Christ: „Ich bin sehr nachdenklich geworden.“ Er hätte sich gewünscht, „dass man diese Regierungszeit verantwortungsvoll zu Ende bringt“.
Zu seiner politischen Zukunft in der FDP sagt der Unternehmer, der auch die Beratungsfirma Christ & Company leitet: „Ich habe meine Entscheidungsfindung noch nicht abgeschlossen.“ Wenn sich „die Dinge aber so zugetragen haben sollten, wie berichtet wurde, dann hätte ich persönlich ein ernsthaftes Problem damit, weil das nicht das ist, was ich als politisch verantwortliches Handeln definiere“. Über einen Austritt aus der Partei will er „entscheiden, wenn es so weit ist“.
Christ fürchtet, dass das Vorgehen der FDP-Parteiführung Folgen für die Bundestagswahl hat. „Ich hoffe, dass die FDP ein starkes Ergebnis haben wird. Die Gefahr ist aber, dass die Partei in eine alte Glaubwürdigkeitsdebatte abrutscht.“
Auch die Politik der Parteiführung kritisierte Christ in dem Podcast. „Ich halte die Verengung auf Fragen wie Entlastungen oder das bedingungslose Einhalten der Schuldenbremse für nicht ausreichend, um eine breite Zustimmung bei Wählerinnen und Wählern zu erreichen. Damit grenzt man sein Potenzial ein. Und das halte ich für falsch.“
Die thematische Zuspitzung sei eine Folge der derzeit schwachen Ergebnisse, die Partei versuche, ihren Anhängern etwas zu bieten, sagt der Unternehmer. „ Aber das ist eben nicht das, für das ich antrete mit meinen politischen Überzeugungen. Ich bin immer dafür, dass man als Partei so stark werden sollte, um Regierungsverantwortung übernehmen zu können. Aber von diesem Gestaltungsanspruch hat sich ja die Partei gerade verabschiedet.“