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EinzelhandelKI bringt Händlern Wettbewerbsvorteil im Weihnachtsgeschäft

Künstliche Intelligenz sorgt bei Douglas in den Tagen vor dem Fest für zusätzlichen Umsatz, auch Amazon setzt etliche digitale Tools ein. Doch viele Händler verschenken noch Potenzial.Florian Kolf 12.12.2024 - 12:38 Uhr Artikel anhören
Douglas-Filiale: KI soll Kunden tatsächlich verstärkt in die Läden locken. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Düsseldorf. Bei Douglas lenkt Künstliche Intelligenz (KI) die Kunden kurz vor Heiligabend in die Filialen. Die Technologie analysiert den Warenbestand – und weist Kunden darauf hin, wenn Produkte in einem nahegelegenen Laden verfügbar sind, die sie online gesucht haben. „Dies spielt insbesondere in den letzten Tagen vor Weihnachten eine entscheidende Rolle, in denen es zu spät für eine Onlinebestellung wäre“, erklärt Philipp Andrée, Chief Commercial Officer von Douglas.

Was Douglas bereits selbstverständlich einsetzt, ist für viele Händler noch Neuland. Dabei entscheidet das Weihnachtsgeschäft oft über den  Erfolg eines ganzen Jahres. In manchen Branchen wird im November und Dezember fast ein Viertel des Jahresumsatzes gemacht.

Viele könnten in dieser kritischen Phase durchaus mehr Umsatz machen, doch sie verzichten auf Unterstützung durch KI. Nach den aktuellsten verfügbaren Daten aus dem April vergangenen Jahres aus einer Studie des Handelsverbands HDE hatten gerade mal gut 20 Prozent der deutschen Einzelhändler KI eingesetzt.

Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des HDE, geht davon aus, dass sich seitdem zwar einiges getan hat, gerade bei den größeren Einzelhändlern. Doch er sagt auch: „Insgesamt wird bei kleineren oder mittleren Unternehmen, wenn sie auf sich allein gestellt sind, auch weiterhin eher eine Minderheit zu den KI-Anwendern gehören.“

Dabei können die stark davon profitieren: „KI ist für uns ein riesiger Hebel“, bestätigt Michael Grundwürmer, der zusammen mit Alexander Gocht den Fahrradteilehändler Alphatrail führt. „Händler, die nicht auf KI setzen, verpassen eine enorme Chance, sich im wettbewerbsintensiven E-Commerce-Markt durchzusetzen.“

Amazon macht Marktlücken mit KI sichtbar

In der Regel sind es reine Onlinehändler wie Alphatrail, die die Möglichkeiten der KI früh entdeckt haben. Amazon hat nun auch eine Reihe von Tools entwickelt, die es den Händlern auf seinem Marketplace zur Verfügung stellt.

So können Händler mit dem „Product Opportunity Explorer“ Marktnischen entdecken: Die KI gibt dem Händler auf der Basis von Such- und Rezensionsdaten Empfehlungen für neue Produkte, die zu ihrem Sortiment passen. „Man könnte dort zum Beispiel erfahren, wenn Kundinnen und Kunden Powerbanks neuerdings lieber in Rosa und weniger in Schwarz kaufen“, erklärt Markus Schöberl, der bei Amazon für den Marktplatz verantwortlich ist.

Pakete von Amazon: mithilfe von KI Marktnischen entdecken. Foto: dpa

Seit Neuestem hat Amazon auch KI-Tools, die für die Händler Produktbeschreibungen, Bilder und Videos erstellen. Damit können sie beispielsweise Produktfotos eine Weihnachtsoptik verpassen.

Kurz vor der Einführung steht auch ein KI-Assistent mit dem Namen „Amelia“, der in den USA schon im Einsatz ist. Er berät Händler virtuell bei allen Problemen vom Lagerbestand über den Support bis hin zur Auswertung von Verkaufszahlen.

Das Feedback der Händler auf die neu eingeführten Tools sei positiv, berichtet Schöberl. In einer Umfrage unter 5500 Marktplatzhändlern in Europa hätten 77 Prozent von ihnen die KI-Tools zum Erstellen von Produktseiten als nützlich bezeichnet.

Und das eben auch zur Einkaufssaison am Jahresende. „Die Weihnachtszeit ist die umsatzstärkste im Jahr“, sagt Jan Bechler, Gründer und Geschäftsführer der Agentur Front Row, die Marken und Unternehmen wie Tesa, Bosch und Unilever auf Online-Marktplätzen unterstützt. „Da sollte man alle Daten ständig im Blick haben und möglichst in Echtzeit nachjustieren.“ Die Geschwindigkeit, die KI einem dabei ermöglicht, sei eine große Hilfestellung.

Alphatrail erstellt Werbebilder ausschließlich mit KI

„In der Fußgängerzone lauern Händler ja auch beim Wettbewerber und passen dann vielleicht ab und an noch mal die Preise an, stellen Regale um und so weiter“, sagt Bechler. Die KI helfe Onlinehändlern dabei, dies permanent zu machen.

Alphatrail hat nicht gewartet, bis Amazon auf seiner Verkaufsplattform eine Lösung für Anbieter angeboten hat. „KI ist bei Alphatrail ein tägliches Werkzeug für alle Mitarbeiter und zentraler Bestandteil unserer Prozesse“, erklärt Mitgründer Grundwürmer.

Die Technologie helfe in der wichtigen Weihnachtszeit ganz besonders bei der Steuerung der Werbung. „Wir können damit auf stündlicher Basis die Werbeausspielungen an die Nachfrage anpassen, das senkt die Kosten und steigert den Umsatz“, berichtet der Alphatrail-Chef.

Zur „Black Week“ und zum Weihnachtsgeschäft hat der Händler Werbekampagnen für den Verkauf über Amazon gestartet. Die Bilder für die Banner, beispielsweise ein Bär auf einem Mountainbike, hat er ausschließlich mit KI erstellt.

Mit KI erstelltes Werbebanner von Alphatrail: 70 Prozent geringere Kosten für Designer. Foto: Alphatrail

Die Entlastung ist groß: „Durch KI sparen wir beispielsweise bei der Erstellung von Grafiken bis zu 70 Prozent der sonst anfallenden Kosten, da externe Designer seltener benötigt werden“, sagt Grundwürmer. Auch reduzierte sich die Zeit zur Erstellung von Produktdaten um über 80 Prozent. „Was früher Tage gedauert hat, ist nun in wenigen Stunden erledigt.“

KI hilft Douglas bei der Personalisierung der Angebote

Auch die Agentur Front Row hat für Markenhersteller eine eigene Software zur Erstellung von Produkttexten entwickelt. Es helfe vor allem Unternehmen mit großen Sortimenten, die sich bisher auf die Optimierung von Produktseiten der meistverkauften Artikel konzentrieren mussten, so Bechler.

Kunden folgten dabei dem 80:20-Prinzip. „Die 20 umsatzstärksten Prozent des Sortiments macht man per Hand“, erklärt Bechler. Den Rest erledige kostengünstig die KI.

Gerade im Weihnachtsgeschäft zeigt sich darüber hinaus, wie KI gezielt den Umsatz anregen kann. Douglas beispielsweise nutzt ein KI-basiertes Tool namens Prudsys. Das gibt Kunden maßgeschneiderte Produktempfehlungen auf Basis ihres Kauf- und Suchverhaltens.

„Auch unsere Kampagnen können wir jetzt personalisieren“, freut sich Douglas-Manager Andrée. Mithilfe der Plattform SAP Emarsys lassen sich automatisiert persönlich zugeschnittene Newsletter erstellen. KI ist auch die Basis des „Beauty Mirror“ in der Douglas-App. Dort können Kundinnen mittels Augmented Reality Make-up an ihrem Gesicht testen.

Auch Otto.de steuert mithilfe von KI die Personalisierung seiner App und der Newsletter. Außerdem bekommen die Kunden schon auf der Startseite persönlich zugeschnittene Empfehlungen für Weihnachtsgeschenke präsentiert, basierend auf dem individuellen Such- und Kaufverhalten.

Für Alphatrail-Mitgründer Grundwürmer ist der entscheidende Faktor jedoch, dass sich das Personal nun auf die wichtigen Aufgaben konzentrieren kann: „Mit KI schaffen wir Freiräume für kreative und strategische Aufgaben, indem wir repetitive und datenintensive Arbeiten automatisieren.“ Oder wie es Amazon-Manager Schöberl formuliert: „Die Tools sparen unseren Verkaufspartnern Zeit, die sie in ihre Produkte investieren können – oder in einen Winterpunsch mit dem Team.“

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Mitarbeit: Nadine Schimroszik

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