Autoindustrie: Katar beteiligt sich an Audis Formel-1-Abenteuer
Düsseldorf. Bilanziell war 2024 für Audi ein Jahr zum Vergessen. Die Premiumtochter, einst Gewinngarant im Volkswagen-Konzern, schreibt aktuell Margen auf dem Niveau der Kernmarke VW, die vor einer gewaltigen Spar- und Abbaurunde steht. In dieser Zeit gönnen sich die Ingolstädter dennoch den Luxus, mit einem eigenen Team in die Formel 1 einzusteigen.
Das sendet ein widersprüchliches Bild. Nun aber könnte sich die Argumentationsgrundlage von Audi-Chef Gernot Döllner für das Formel-1-Abenteuer verbessern.
Am Rande des Grand Prix in Doha hat der Audi-Vorstand gemeinsam mit Team-Chef Mattia Binotto am Freitag den Einstieg des katarischen Staatsfonds QIA in das Formel-1-Team der Ingolstädter verkündet. Der QIA ist seit 2009 mit rund 17 Prozent am Volkswagen-Konzern beteiligt.
Der Staatsfonds werde eine „signifikante Minderheitsbeteiligung“ am Rennstall halten und sorge für einen beträchtlichen Kapitalzufluss, heißt es aus dem Unternehmen. Aus Branchenkreisen ist von einer Beteiligung von rund 25 Prozent die Rede. Im Team-Namen wird QIA nicht auftauchen.
Geldspritze aus Katar entlastet Audi
„Das zusätzliche Kapital wird das Wachstum des Teams beschleunigen“, sagt Audi-Chef Döllner. QIA-Chef Mohammed Al-Sowaidi sieht in der Formel 1 einen Sport mit „einem erheblichen unerschlossenen Investitionspotenzial“, wie es aus der gemeinsamen Mitteilung zum QIA-Einstieg heißt.
Die Beteiligungssumme wird nicht genannt, könnte sich aber schätzungsweise auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag belaufen. Insgesamt nämlich dürfte das Audi-Team einen ähnlichen Marktwert haben wie das ebenfalls ab der Saison 2026 startende Formel-1-Team des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Mario Andretti und des US-Herstellers General Motors. Dessen Marktwert wird auf 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Im Unternehmen ist Audis Formel-1-Einstieg mit der Übernahme des Schweizer Rennstalls Sauber allerdings umstritten. Nicht nur, weil Sauber ausgerechnet jenes Formel-1-Team ist, mit dem Audis Erzrivale BMW bei seinem Einstieg 2009 in die Formel 1 scheiterte. Sondern vor allem, weil Audi in die Sauber-Übernahme mehrere Hundert Millionen Euro investiert haben soll.
Aus finanzieller Sicht ist die Geldspritze aus Katar daher für die Ingolstädter eine willkommene Entlastung. Aktuell befindet sich die Premiumtochter von Volkswagen in einer bilanziell schwierigen Lage.
Wegen schwacher Nachfrage will Audi ein Werk in Brüssel schließen, was milliardenschwere Abschreibungen zur Folge hatte. Audi-Chef Döllner sieht sich zu weiteren Sparanstrengungen gezwungen, die unter anderem die technische Entwicklung des Autoherstellers betreffen könnten.
Ab 2026 tiefgreifende Veränderungen der Formel 1
Der Einstieg in die Formel 1 wurde allerdings noch vor der Zeit von Audi-Chef Döllner, der seit September 2023 an die Spitze des Autoherstellers steht, beschlossen. Der frühere Audi-Chef Markus Duesmann und der ehemalige Technikvorstand Oliver Hoffmann hatten die Formel-1-Pläne forciert und im August 2022 den Einstieg im Rahmen des Grand Prix im belgischen Spa bekannt gegeben.
Und während das Interesse für die Rennsportserie in Deutschland zuletzt abgekühlt ist, steigt die Begeisterung in zahlreichen Regionen der Welt. Die Formel 1 profitiert dabei unter anderem von einer Serienproduktion des Streamingdienstes Netflix, in der die Teams und Fahrer über die Saison begleitet werden. Für Audi wird unter anderem Nico Hülkenberg fahren, der aktuell noch beim US-Rennstall Haas engagiert ist.
Derzeit tüfteln Audi-Ingenieure der Audi Formula Racing GmbH an den Standorten Neuburg und Hinwil (Schweiz) an der Antriebseinheit und am Chassis des künftigen Boliden. Ab der Saison 2026 treten tiefgreifende Veränderungen beim Antrieb der Formel-1-Wagen in Kraft. So wird die derzeit noch kleiner dimensionierte elektrische Antriebseinheit der Verbrennungsmotoren vergrößert, was Audi zufolge eines der ausschlaggebenden Argumente für den Einstieg in die Rennsportserie war.