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TelekommunikationTelekom will Funklöcher künftig per Satellit schließen

Immer erreichbar, zumindest per SMS: Geht es nach der Telekom, könnten Satelliten die Lücken im Mobilfunknetz schließen. Einen erfolgreichen Test gab es schon.Nadine Schimroszik, Christof Kerkmann, Philipp Alvares de Souza Soares 27.11.2024 - 14:17 Uhr Artikel anhören
Anlagen der Gesellschaft Skylo: Sie betreibt ein Netz an geostationären Satelliten, die in knapp 36.000 Kilometer Höhe kreisen. Foto: Skylo

Berlin, Bonn, San Francisco. Verbindungsprobleme abseits der Städte: Obwohl die Mobilfunkanbieter in den Ausbau ihrer Netze investieren, reißt der Empfang vor allem in dünn besiedelten Gegenden regelmäßig ab. Geht es nach der Telekom, können Nutzer dort voraussichtlich bald zumindest per SMS kommunizieren: Der Konzern prüft, ob die Lücken in der Abdeckung durch Satelliten geschlossen werden könnten.

Ein solches Szenario hat die Telekom nach eigenen Angaben erfolgreich in einer Machbarkeitsstudie in Griechenland getestet. Dazu habe man das Mobilfunknetz der Tochterfirma Cosmote in die Infrastruktur des Satellitenanbieters Skylo integriert – erstmalig in Europa, wie das Unternehmen am Mittwoch stolz verkündete.

Claudia Nemat, die das Technologieressort bei der Deutschen Telekom leitet, sagte: „Das sorgt dafür, dass nahtloses Roaming möglich ist.“ So könnte die Telekom das Netz von Skylo nutzen.

Möglich wird das durch eine Weiterentwicklung des Mobilfunkstandards 5G. Dieser ist seit der Version 17 für die Zwei-Wege-Kommunikation über nicht-terrestrische Netze (NTN) gerüstet, also für die Verbindung von Smartphone und Satellit. Nach der Einführung eines solchen Systems braucht es keine zusätzliche Ausrüstung mehr, nur einen unverstellten Blick in den Himmel – in Gebäuden funktioniert es nicht.

Das Prinzip funktioniert dank des Standards bei allen Anbietern gleich: Im Smartphone ist ein Modem verbaut, das eine Verbindung zu einem Satelliten aufbaut. Dieser empfängt die Daten und leitet sie zu einer Empfangsstation auf der Erde weiter – von dort werden sie ins Netz gespeist und beispielsweise an den Rettungsdienst gesendet.

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Das US-Start-up Skylo betreibt ein Netz von geostationären Satelliten, die in knapp 36.000 Kilometer Höhe kreisen. Da ihre Geschwindigkeit mit der Erdrotation identisch ist, erscheinen sie vom Boden aus ortsfest – daher der Name. Bisher kann das Netz Sensorendaten und Nachrichten verarbeiten, auf der Website heißt es aber, bald seien auch Anrufe möglich.

Bei dem Test wurde das terrestrische Mobilfunknetz der griechischen Mobilfunktochter in das nicht-terrestrische Netz von Skylo integriert. Foto: Skylo

Die geostationären Systeme unterscheiden sich von den wesentlich leistungsfähigeren Low-Earth-Orbit-(LEO)-Satelliten, auf die etwa das von Elon Musk gegründete Unternehmen Starlink setzt. Diese umkreisen die Erde in geringer Höhe (ca. 160 bis 1000 Kilometer) und eignen sich besonders für die Bereitstellung von Internetdiensten mit geringer Latenz. Mit Latenz wird die Verzögerung bei der Netzwerkkommunikation oder Datenübertragung bezeichnet.

Da die Satelliten die Erde schnell umrunden, ist für eine flächendeckende Abdeckung jedoch ein großes Netzwerk erforderlich. Starlink verfügt etwa über mehr als 7000 Satelliten.

In den USA setzen Mobilfunkbetreiber wie die Telekom-Tochter T-Mobile deshalb vor allem auf die LEO-Technologie. Sie macht neben SMS auch Telefonanrufe oder langsame Internetverbindungen möglich. Spätestens im kommenden Jahr wollen Starlink und der Konkurrent AST Space Mobile entsprechende Angebote auf den Markt bringen.

Neue Chancen für Skylo

Während die Telekom mit dem neuen System Funklöcher schließen könnte, darf Skylo auf einen Massenmarkt hoffen: Die Integration in Smartphones dürfte es zu einem geringen Aufpreis geben. Die Machbarkeitsstudie sei „ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu kommerziellen NTN-Diensten für Kunden in Europa“, heißt es in der Mitteilung. An Skylo ist neben dem japanischen Investor Softbank und dem US-Chipkonzern Intel seit der jüngsten Finanzierungsrunde im Februar auch der Finanzierungsarm des deutschen Autokonzerns BMW beteiligt.

Trotz des jüngsten erfolgreichen Tests werden Kunden in Deutschland noch Geduld brauchen. Einen Zeitplan oder konkrete Pläne für eine Markteinführung gibt es bisher nicht. „So weit sind wir noch nicht“, sagte Nemat. Abdu Mudesir, Technikchef der Deutschen Telekom, erklärte zudem, dass der Bedarf vergleichsweise gering sei. Im Netz der Telekom sei für 98 Prozent der Kunden bereits der schnelle und leistungsfähige Mobilfunkstandard 5G verfügbar.

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Unklar ist auch noch, welche Geräte Telekom-Kunden benötigen werden, um nicht-terrestrische Netze nutzen zu können. Beim Test in Griechenland kamen Smartphones zum Einsatz, die mit dem X80-5G-Modem von Qualcomm ausgestattet waren. Früheren Angaben zufolge sollen erste kommerzielle Modelle mit dem Chip in diesem Halbjahr auf den Markt kommen. Mudesir sagte, man wolle sich nicht auf einen Anbieter festlegen.

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Einen Schritt weiter ist die Deutsche Telekom bei der Einführung der Open-Ran-Technik. Bis 2027 sollen mehr als 3000 Antennenstandorte diese unterstützen – vor rund einem Jahr hat der Konzern erste Standorte darauf umgestellt.

Open Ran sieht vor, dass Netzbetreiber die Komponenten verschiedener Lieferanten kombinieren, statt hochintegrierte Systeme aus Hard- und Software von einem einzelnen Hersteller zu installieren, wie es derzeit üblich ist. Dadurch können die Anbieter die Abhängigkeit von einzelnen Ausrüstern verringern, darunter der umstrittene chinesische Konzern Huawei.

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