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Morning BriefingFed-Schock stärkt Zweifel am Börsen-Boom

Teresa Stiens 20.12.2024 - 06:41 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Die Menschen des Jahres und die Trends der Zukunft / Der Zweifel am Börsenaufschwung hält an

20.12.2024
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Im Weihnachtsgedicht „Knecht Ruprecht“ von Theodor Storm lauten zwei bekannte Verse über die Weihnachtszeit: „Alt und Jung sollen nun von der Jagd des Lebens einmal ruhn.“ Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leserinnen und Leser, aber ich kann diesen Versen dieses Jahr ganz besonders viel abgewinnen. So viel ist passiert in den letzten Wochen und Monaten, dass der Gedanke guttut, einmal durchatmen zu können. Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes formuliert das ähnlich – allerdings in Prosa und ohne Versmaß. Er schreibt:

„Jetzt ist aber auch mal gut – mit diesem Gefühl verabschieden sich viele in den Weihnachtsurlaub, und das nicht ganz zu Unrecht. Was für ein Jahr!“

Er zählt die Regierungskrise auf, den rüden Wahlkampf, die lahmende Wirtschaft, das unsichere geopolitische Umfeld und den Krieg in der Ukraine. Doch in Pessimismus und Lethargie zu verfallen, ist nicht der Stil des Handelsblatts. Deshalb hat der Chefredakteur die wichtigsten Trends identifiziert, auf die unsere Redaktion im nächsten Jahr besonders schauen wird. Darunter sind Herausforderungen wie die Oligarchie der Tech-Milliardäre, aber auch Mutmacher wie Krebsimpfungen, innovative grüne Energien oder deutsche Raumfahrthoffnungen.

Das sind die Menschen des Jahres. Foto: HB Montage

Wer hat das Jahr 2024 geprägt? Wer waren die Aufsteiger, Angreifer, Visionäre und Hoffnungsträger? Wer gewinnt an Einfluss, wer verliert, und welche Persönlichkeiten werden voraussichtlich auch 2025 mitgestalten? Fragen, die sich eine prominente Jury aus Politikern, Unternehmern und Investorinnen für das Handelsblatt gestellt hat. Das Ergebnis ist eine Liste prägender Persönlichkeiten, die Sie in der heutigen Ausgabe nachlesen können. Manche von ihnen sind streitbar, wie Tesla-Chef Elon Musk, andere sind seit Jahren prägende Gesichter wie der Unternehmer Reinhold Würth, wieder andere sind Newcomerinnen wie die Gründerin Lilian Schwich. Sie alle haben gemeinsam, dass sie 2024 geprägt haben und auch im nächsten Jahr eine zentrale Rolle spielen dürften.

Der gestrige Donnerstag begann mit einem mittelgroßen Schock an den Finanzmärkten. Nachdem die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwochabend angedeutet hatte, dass sie im kommenden Jahr nur zwei statt vier Zinssenkungen beschließen könnte, zeigten sich die Börsianer in einem kleinen Krisenmodus. Die Aktienmärkte sackten weltweit ab, auch Anleihen und Kryptowährungen standen unter Druck. Zwar beruhigte sich die Lage gestern im frühen Handel in New York etwas – die Zweifel am Börsenaufschwung aber bleiben.

Was das für die einzelnen Anlageklassen bedeutet, haben meine Kolleginnen und Kollegen aus Frankfurt zusammengetragen. Der Abwärtstrend der US-Aktien etwa könnte bis ins neue Jahr anhalten, glaubt der unabhängige Analyst Ed Yardeni. Wenn Sie die aktuellen Veränderungen verstehen möchten, empfehle ich Ihnen die große Analyse der Handelsblatt-Finanzexperten.

Michael Theurer. Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto

Auch der neue Bundesbank-Vorstand Michael Theurer hat keine guten Aussichten im Gepäck. Die Bankenbranche müsse sich 2025 „auf mehr Kreditausfälle und härtere Zeiten einstellen“. Die Banken hätten aber 2023 „hervorragend und im laufenden Jahr immer noch sehr gut verdient“. Das gebe ihnen Spielraum, um für schlechtere Zeiten im Kreditgeschäft vorzusorgen. „Darauf achten wir bei unseren Bankprüfungen genau“, kündigt Theurer an.

Angesichts der möglichen Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank Unicredit zeigt sich der Bundesbank-Vorstand hingegen wenig besorgt. Er finde es falsch, eine solche Debatte entlang nationaler Kategorien zu führen und teilt die Sorge nicht, dass deutsche Unternehmen im Falle einer Finanzkrise benachteiligt werden könnten.

Die Deutsche Bank hat ein teures Problem in Polen. Auf 300 Millionen Euro summiert sich die Belastung der Bank aufgrund von Rechtsstreitigkeiten, in die die polnische Tochter verwickelt ist. Juristisch umstrittene Fremdwährungskredite für polnische Kunden sorgen bei einer ganzen Reihe von Instituten, darunter auch die Commerzbank, seit Jahren für Ärger. Die häufig an den Schweizer Franken gekoppelten Darlehen haben nach einer Aufwertung der Währung die Kreditnehmer massiv belastet.

Trotz der Probleme mit Deutsche Bank Polska dürfte die Geschäftsentwicklung insgesamt positiv ausfallen. Laut den von der Bank auf ihrer Website veröffentlichten Analystenschätzungen gehen die Experten für das vierte Quartal im Schnitt von einem Vorsteuergewinn von rund 1,4 Milliarden Euro aus.

Taiwan unter Druck durch Grauzone-Attacken. Foto: picture alliance / Anadolu

China bereitet sich auf einen möglichen Krieg mit Taiwan vor – nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Gesetzen. „Lawfare“ nennt sich diese Taktik. Dabei handelt es sich um ein Mischwort aus Law (Gesetz) und Warfare (Kriegsführung). Im Rahmen dieser Strategie hat Peking beispielsweise den Geltungsbereich seines Strafrechts auf Taiwan ausgedehnt. China will so etwa „Unabhängigkeitsfanatiker in Taiwan“ wegen Verbrechen des Separatismus und der Anstiftung zum Separatismus bestrafen. Zwar können chinesische Polizisten nicht in Taiwan eingreifen. Aber die neue Regel könnte Taiwaner gefährden, die in China leben oder dorthin reisen.

Wir hier in Deutschland wissen aus leidvoller Erfahrung: Nur, weil etwas Recht ist, ist es noch lange nicht rechtens. Den Chinesen sei die Formel des deutschen Rechtsphilosophen Gustav Radbruch ans Herz gelegt, der schrieb: „Wo Gerechtigkeit nicht einmal erstrebt wird, […] da ist das Gesetz nicht etwa nur ‚unrichtiges‘ Recht, vielmehr entbehrt es überhaupt der Rechtsnatur.“

Zum Abschluss möchte ich eine weitere Frage beantworten, die unser Team erreicht hat:

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie kritisches Leser-Feedback erhalten? Beantworten Sie diese Leserbriefe generell?

Grundsätzlich freue ich mich immer über Rückmeldungen zu meinen Briefings – besonders über kritische. Voraussetzung ist dabei natürlich, dass die Nachrichten konstruktiv und respektvoll formuliert sind. Dann versuche ich auch immer, die Mails persönlich zu beantworten. Oft allerdings mit einer gewissen Verzögerung. Ich lese alle Zuschriften – bis auf Beleidigungen und Diffamierungen. Die werden glücklicherweise sofort aussortiert.

An dieser Stelle noch die Ankündigung, dass ich bis zum Jahresende noch dreimal ein Gastspiel in Ihrem Posteingang geben werde: am 23., 27., und 30. Dezember. Die restlichen Tage sind wegen Weihnachten, Wochenende oder Silvester Morning-Briefing-freie Zeit.

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Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie viel nette Post bekommen.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

PS: Diese Woche haben wir Sie gefragt, welches Parteiprogramm der deutschen Wirtschaft hilft. Eine Auswahl der Leserkommentare finden Sie hier.

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