Beschädigtes Stromkabel: Finnische Behörde inspiziert verdächtigen Tanker
Vilnius. Nach der Beschädigung des Stromkabels Estlink 2 in der Ostsee nimmt eine weitere finnische Behörde den verdächtigen Öltanker „Eagle S“ genauer unter die Lupe. Nachdem die Kriminalpolizei des nordischen Landes bereits seit längerem unter anderem an Bord ermittelt, wollte die Verkehrs- und Kommunikationsbehörde Traficom noch am Donnerstag eine detaillierte Inspektion auf dem Schiff einleiten.
Bei der sogenannten Hafenstaatkontrolle wird die Einhaltung internationaler Vorschriften und Standards etwa für Sicherheit und Arbeitsbedingungen überprüft.
Es handle sich um einen Routinevorgang, der mehrere Tage dauern könne, teilte Traficom mit. Im Anschluss werde man über die Ergebnisse der Inspektion informieren. Im Zweifel könne das Schiff so lange festgehalten werden, bis etwaige Mängel behoben worden sind.
Keine Auswirkungen auf Anschluss an EU-Stromnetz
Der Ausfall des Kabels hat nach Angaben der litauischen Regierung keinen Einfluss auf die geplante Synchronisation des Stromnetzes der baltischen Staaten mit Westeuropa.
Auch mögliche weitere Beschädigungen von anderen Stromleitungen in der Ostsee stellten keine Bedrohung für die im Februar vorgesehene infrastrukturelle Abkopplung vom russischen Stromnetz und Anbindung an Westeuropa dar, sagte Energieminister Zygimantas Vaiciunas im litauischen Radio. Die Störungen könnten aber „indirekte Auswirkungen“ haben, da sie die Reservekapazitäten vor Herausforderungen stellen würden.
Doch sind sie aus historischen Gründen noch Teil eines gemeinsamen, synchron geschalteten Stromnetzes mit Russland und Belarus - des noch aus Sowjetzeiten stammenden sogenannten BRELL-Ringsystems. Damit hängen die Baltenstaaten quasi mit am Netz der beiden Nachbarländer im Osten – dies gilt in Tallinn, Riga und Vilnius als Sicherheitsrisiko.
Schäden am Schiff und Schleifspur am Meeresgrund
Estlink 2 zwischen Estland und Finnland war am ersten Weihnachtsfeiertag unterbrochen worden, nachdem es in den vergangenen Monaten zuvor mehrfach zu Ausfällen und Störungen von Stromkabeln, Gaspipelines und Telekommunikationsverbindungen gekommen war. Die finnischen Behörden vermuten Sabotage. Die Reparatur der 170 Kilometer langen Verbindungsleitung könnte nach ersten Schätzungen der Netzbetreiber mehrere Monate dauern.
Die finnische Kriminalpolizei ermittelt wegen möglicher schwerer Sabotage. Die Ermittler hegen den Verdacht, dass die Besatzung der „Eagle S“ die Schäden vorsätzlich verursacht hat, indem der Schiffsanker am Meeresgrund hinter dem Tanker hergezogen wurde. Im Zuge der Ermittlungen wurde eine kilometerlange Schleifspur am Meeresboden entdeckt. Unterwasseraufnahmen zeigten zudem Beschädigungen des Schiffsrumpfs, die nach Polizeiangaben durch die Ankerkette entstanden sind.