Würth: Schwaches Geschäft drückt Gewinn um über 500 Millionen Euro
Stuttgart. Die Würth-Gruppe hat einen massiven Gewinneinbruch erlitten. Das vorläufige Betriebsergebnis brach um über eine halbe Milliarde Euro auf nunmehr 900 Millionen Euro ein, wie das Künzelsauer Familienunternehmen mitteilte. Damit verschärft sich der Gewinnrückgang. Das Betriebsergebnis hatte sich im ersten Halbjahr bereits um knapp ein Viertel auf 525 Millionen Euro verringert.
Unternehmenschef Robert Friedmann begründet die rückläufige Rendite mit dem Umsatzrückgang und gestiegenen Kosten, aber auch mit der Tatsache, dass Würth – wie im Vorjahr – 800 Millionen Euro investiert habe. „Wir hielten 2024 an unserer antizyklischen Strategie fest und investierten, wo andere zurückgefahren sind“, so Friedmann. Das Unternehmen investiert vor allem weiter in die IT, um die Digitalisierung voranzutreiben.
Im Fokus stünden Warenverfügbarkeit und Lieferfähigkeit für die über vier Millionen Kunden weltweit. Die Vertriebsaktivitäten über alle drei Kanäle hinweg wie Außendienst, Niederlassungen und E-Business will Friedmann ausbauen. Ein Fünftel des Umsatzes erzielt Würth inzwischen online.
Würth: Umsatz in Deutschland geht zurück
Vor allem das schwache Deutschlandgeschäft bringt die Würth-Gruppe jetzt vom Wachstumskurs ab. Auf dem von schwacher Konjunktur und Industrieproduktion geprägten Heimatmarkt gingen die Erlöse von Würth um 4,1 Prozent auf acht Milliarden Euro zurück. Das Auslandsgeschäft vor allem in Süd- und Osteuropa sowie Südamerika konnte das trotz eines leichten Wachstums nicht mehr kompensieren. Mit 20,2 Milliarden Euro fiel der Gesamtumsatz 0,9 Prozent niedriger aus als im Jahr zuvor. Damit blieb der Konzern noch im Rahmen seiner im vergangenen Juli genannten Prognose.
Würth sieht sich als Weltmarktführer in der Entwicklung, der Herstellung und dem Vertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial. Darüber hinaus sind Handels- und Produktionsunternehmen, die sogenannten Allied Companies, in angrenzenden Geschäftsfeldern aktiv, wie etwa im Elektrogroßhandel sowie in den Bereichen Elektronik und Finanzdienstleistungen. Das Familienunternehmen beliefert mit seinen Produkten Handwerk und Industrie und gilt deshalb als verlässlicher Frühindikator für die Konjunktur.
Würth-Chef Friedmann bezeichnete es als erfreulich, dass das Unternehmen trotz der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen beim Umsatz noch über der 20-Milliarden-Euro-Marke bleiben konnte. Getragen wurde das Geschäft laut Friedmann vor allem von den handwerksnahen Bereichen, die wohl eine stabile Umsatzentwicklung zeigten.
Der Konzern zählt aktuell weltweit 88.393 Beschäftigte, davon rund die Hälfte im Vertrieb. Durch Akquisitionen sind rund 1900 Angestellte hinzugekommen.
Sorgen um das Unternehmen muss sich das Management nicht machen: Im Juni 2024 bestätigte S&P Global Ratings erneut die Bewertung mit „A/outlook stable“ und bescheinigte der Würth-Gruppe damit eine solide Finanzierung und eine sehr hohe Kreditwürdigkeit. Das Eigenkapital hat sich 2024 noch einmal um 400 Millionen auf 9,2 Milliarden Euro erhöht. Die Eigenkapitalquote liegt bei rund 50 Prozent.