Daniel Kretinsky: Tschechischer Milliardär könnte auch bei Uniper einsteigen
Berlin. Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky könnte nach Thyssen-Krupp nun den verstaatlichten Düsseldorfer Energiekonzern Uniper ins Visier nehmen. Kretinskys Energieholding EPH sei wie andere Firmen an einem Einstieg interessiert, erfuhr das Handelsblatt aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters am Montag berichtet, Kretinsky gehöre zu den Investoren, die das Bundesfinanzministerium angesprochen habe.
EPH und Uniper lehnten eine Stellungnahme ab. Vom für den Konzern zuständigen Finanzministerium war am Montag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Der Bund hatte Ende vergangenen Jahres den Rückzug aus der Gesellschaft eingeleitet und dazu die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt. Zunächst war ein Börsengang avisiert worden, der in diesem Jahr hätte stattfinden können, sagte ein Person, die mit den Überlegungen vertraut ist. Mit der vorgezogenen Bundestagswahl sei diese aber als unrealistisch eingestuft worden, daher seien mögliche Käufer angesprochen worden. Dies sei im Januar geschehen – mit der entsprechenden Rückmeldung von den genannten Interessenten.
Daniel Kretinsky: Bund besorgt wegen möglicher Russland-Verbindungen
Im Bund besteht gerade mit Blick auf Kretinsky eine gewisse Zurückhaltung. Der Investor tritt kaum in der Öffentlichkeit auf, ist jedoch in den vergangenen Jahren zu einem der größten Player der europäischen Konzernwelt geworden. Erst im vergangenen Jahr stieg der 49-Jährige mit 20 Prozent bei der Stahlsparte von Thyssenkrupp ein. Verhandlungen über den Erwerb eines weiteren Pakets von 30 Prozent sind bislang ohne Ergebnis geblieben.
Kretinsky hält mittlerweile Anteile an Dutzenden Unternehmen in neun europäischen Ländern – von Energiekonzernen über Medienbetriebe und Handelsketten bis hin zur britischen Royal Mail und zum Fußballclub West Ham United. In Deutschland ist er unter anderem noch am Großhändler Metro und am Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 beteiligt und im Braunkohlegeschäft in Ostdeutschland aktiv.
Sorge bereitet einigen im Bund, dass Kretinsky entgegen seinen Beteuerungen mit Russland verbandelt sein könnte. Er selbst weist das zurück, allerdings hat er sich mit hochrangigen Vertretern der russischen Industrie vor einigen Jahren getroffen.
Erst vor wenigen Tagen hatte Reuters gemeldet, dass der Bund, dem fast alle Uniper-Anteile gehören, einen Komplettverkauf durchspielt. Der Bund habe für das Paket von 99,12 Prozent unter anderem den kanadischen Vermögensverwalter Brookfield im Blick, sagten Insider. Zudem seien der norwegische Energiekonzern Equinor und Taqa aus Abu Dhabi angesprochen worden.
Uniper gilt als kritische Infrastruktur
Jeder Deal dürfte wegen der Bedeutung Unipers für die Energieversorgung in Deutschland genau unter die Lupe genommen werden, sagten Insider der Agentur. Der Bereich Energie wird von der Regierung als kritische Infrastruktur betrachtet. Übernahmeversuche von Bietern außerhalb der EU können kritisch geprüft und sogar blockiert werden.
Uniper ist zentral für die Versorgung Deutschlands mit Strom und Gas. Die Gesellschaft betreibt die größten Gasspeicher, die elementar für die deutsche Industrie sind, und liefert jährlich rund 200 Terawattstunden Gas an rund 1000 Kunden, unter anderem Industrieunternehmen und Stadtwerke. Das entspricht etwa einem Viertel des gesamten Gasverbrauchs in Deutschland im vergangenen Jahr.
Darüber hinaus betreibt das Unternehmen mit 2,55 Gigawatt fast ein Viertel der sogenannten systemrelevanten Kraftwerkskapazität in Deutschland, die zur Sicherung der Energieversorgung jederzeit vorgehalten werden muss.
Der Bund hatte den größten deutschen Gaskonzern während der Energiekrise 2022 verstaatlicht. Uniper war durch den zunächst teilweisen und schließlich völligen Gaslieferstopp des russischen Gasriesen Gazprom an den Rand einer Pleite geraten. Der Staat hatte daraufhin ein Stabilisierungspaket geschnürt, von dem Uniper 13,5 Milliarden Euro in Anspruch genommen hatte. Inzwischen machen die Düsseldorfer wieder Milliardengewinne.
Die EU-Kommission hatte die Übernahme unter anderem an die Bedingung geknüpft, dass der Staat seine Beteiligung bis spätestens 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie abschmilzt. Zudem muss Uniper bis Ende 2026 eine Reihe von Vermögenswerten verkaufen, darunter das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen.
Mit Agenturmaterial
Erstpublikation: 20.01.2025, 10:05 Uhr.