Nahost-Konflikt: Huthis erklären Ende der Schiffsattacken im Roten Meer
Düsseldorf. Für Containerfrachter, die seit den Schiffsangriffen der Huthi-Miliz im Jemen den teuren Umweg über das Kap der Guten Hoffnung wählen, könnte sich die Reise von Asien nach Europa bald wieder verkürzen. Als Folge des Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas haben die Rebellen am Wochenende angekündigt, die Attacken vorerst zu beenden.
Der Nachrichtenagentur Al Jazeera sagte Huthi-Sprecher Mohammed al-Bukhaiti am Samstag: „Wenn Israel die Aggression im Gazastreifen einstellt und wenn die USA, Großbritannien und Israel die Aggression gegen den Jemen einstellen, werden die Huthis ihre Operationen einstellen, darunter auch die Angriffe auf Marine- und Handelsschiffe.“
Für die internationale Seefahrt würde dies eine deutliche Entlastung bedeuten. Mehr als 100 Handelsschiffe wurden seit November 2023 Opfer von Raketen der Huthis, die die Miliz aus dem Jemen abfeuerte. Fast sämtliche Container-Reedereien stellten ihre Fahrt durchs Rote Meer ein. Statt für die Fahrt von Asien nach Europa den Suezkanal zu nutzen, entschieden sie sich für die fast zwei Wochen längere Fahrt rund um Afrika.
Umweg bindet 12,5 Prozent der Schiffskapazitäten
Nach Berechnungen der Investitionsbank Jefferies bindet der Umweg aktuell 12,5 Prozent der weltweiten Container-Kapazitäten. Kämen nach einem Waffenstillstand im Roten Meer die frei werdenden Transportkapazitäten wieder auf den Markt, erwarten Logistikexperten auf See einen tiefen Fall der Frachtraten.
Noch allerdings zeigen sich die Schiffsbetreiber abwartend. „Die Einigung wurde gerade erst erzielt“, sagt ein Sprecher von Hapag-Lloyd in Hamburg dem Handelsblatt. „Wir werden die jüngsten Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Sicherheitslage am Roten Meer genau analysieren. Ansonsten gilt unverändert: Wir werden die Passage durch das Rote Meer erst wieder nutzen, wenn die Sicherheitslage dies zulässt.“
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Wie brüchig das Versprechen der Huthis ist, zeigen auch die angekündigten Einschränkungen ihrer Waffenruhe. So bleiben nach ihrer Darstellung Schiffe in israelischem Besitz und unter israelischer Flagge weiterhin ein Ziel ihrer Attacken. Bei anhaltenden Angriffen britischer und amerikanischer Streitkräfte auf den Jemen könnten sie auch Schiffe aus diesen Ländern weiterhin ins Visier nehmen.
Jefferies-Analyst Omar Nokta erwartet, dass viele Container-Reedereien zunächst abwarten werden, wie sicher andere Schiffstypen in den nächsten Tagen das Rote Meer passieren. Massengutfrachter oder Öltanker gelten als weniger gefährdet: Anders als bei Containerschiffen, bringen Angriffe nicht einen eng geplanten Linienverkehr aus dem Takt. Solche Ziele sind aus Sicht der Huthis damit weniger lohnend.
Versicherungen müssen Prämien neu bewerten
„Zum jetzigen Zeitpunkt werden keine unmittelbaren Routenänderungen erwartet, da die Linienreedereien die Sicherheits- und Risikobedenken wahrscheinlich hoch bewerten“, heißt es dazu bei Jefferies. Auch der dänische Schiffsmakler Braemar erwartet in seiner am Montag veröffentlichten Analyse, dass andere Schifffahrtssegmente die Führung bei der Wiederaufnahme der Suezkanal-Passage übernehmen werden.
„Die Versicherungsprämien für Kriegsrisikoversicherungen für Schiffe, die im Roten Meer operieren, sind aufgrund der erhöhten Risiken in die Höhe geschossen“, heißt es dort. „Es wird einige Zeit dauern, bis die Versicherer diese Prämien neu bewerten und senken, selbst nach einem Waffenstillstand.“ Bei Braemar glaubt man deshalb, dass die Wiedereröffnung des Roten Meeres schrittweise erfolgen und sich über Monate erstrecken werde.