Bank of England: Leitzins in Großbritannien sinkt erneut
London. Die Bank of England (BoE) hat die Leitzinsen in Großbritannien am Donnerstag um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent gesenkt. Sie folgt damit dem Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB), die ihren Zinssatz in der vergangenen Woche ebenfalls reduziert hatte. Zugleich halbierten die britischen Notenbanker ihre Wachstumserwartungen für die nationale Wirtschaft auf 0,75 Prozent in 2025 nach unten. Sie rechnen aber mit etwas höheren Inflationsraten.
Es war die dritte Zinssenkung seit August 2024. Die BoE hat durch sie das Zinsniveau in Großbritannien auf den niedrigsten Stand seit anderthalb Jahren gedrückt.
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Die Entscheidung des geldpolitischen Ausschusses fiel mit einer deutlichen Mehrheit von sieben Stimmen. Zwei Notenbanker votierten gar für eine stärkere Lockerung von 50 Basispunkten, dazu gehört auch Catherine Mann, die bislang eher für einen restriktiven Kurs gestimmt hatte. Mann begründete ihren Sinneswandel damit, dass es jetzt an der Zeit sei, die Zinsen aggressiv zu senken. Analysten werteten ihr Vorgehen als Zeichen für einen Stimmungsumschwung in der Notenbank zugunsten niedrigerer Zinsen.
Notenbank-Gouverneur Andrew Bailey signalisierte denn auch in der anschließenden Pressekonferenz weitere Zinssenkungen. Zugleich betonte der Währungshüter jedoch, die BoE werde sicherstellen, dass sie ihr Inflationsziel von zwei Prozent wieder erreiche. Aktuell liegt die Inflationsrate in Großbritannien bei 2,5 Prozent. Die BoE kündigte „ein schrittweises und vorsichtiges Vorgehen“ in ihrer Geldpolitik an.
Märkte hoffen auf weitere Lockerung
An den Finanzmärkten wetten die Investoren mehrheitlich auf bis zu vier weitere Zinssenkungen in diesem Jahr. Die aktuelle Lockerung hatten die Aktien- und Anleihemärkte weithin erwartet, daher sorgte sie kaum für nennenswerte Reaktionen. Der britische Aktienindex FTSE 100 stieg am Donnerstag bereits im Vorfeld der Zinsentscheidung auf einen neuen Rekordwert. Das britische Pfund verlor hingegen durch die Zinsdifferenz zu den USA weiter gegenüber dem Dollar.
Sorgen machen sich die Anleger um eine mögliche Stagflation, so nennt man die Kombination einer stagnierenden Wirtschaft und steigenden Preisen. In ihrer neuen Konjunkturprognose rechnet die BoE mit einem temporären Anstieg der Inflationsrate im dritten Quartal des laufenden Jahres auf 3,7 Prozent.
Zugleich geht sie davon aus, dass die Wirtschaft im letzten Quartal 2024 leicht geschrumpft ist und in den ersten drei Monaten 2025 lediglich um 0,1 Prozent wachsen wird. Im Oktober und November war das Bruttoinlandsprodukt auf Monatssicht bereits leicht zurückgegangen. Für das gesamte Jahr 2025 halbierten die Notenbanker ihre Wachstumsprognose von zuvor 1,5 auf 0,75 Prozent.
Trump sorgt für Unsicherheit
Normalerweise würden die Notenbanker versuchen, die schwächelnde Wirtschaft mit zügigen Zinssenkungen zu stützen. Außenwirtschaftliche Faktoren erschweren aber die Bestandsaufnahme. Zu ihnen gehört die Zollpolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Selbst wenn Großbritannien von Importzöllen verschont bliebe, würde die britische Wirtschaft einen Kosten- und Preisschub im Welthandelssystem zu spüren bekommen.
Finanzministerin Rachel Reeves begrüßte die Zinsentscheidung als „willkommene Nachricht“. Sie sei aber mit dem Wirtschaftswachstum noch nicht zufrieden. Reeves hatte kürzlich eine Wachstumsoffensive der Regierung angekündigt.
Viele Unternehmen in Großbritannien sind verärgert darüber, dass sie in diesem Rahmen die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung (National Insurance) ab April anheben will. Denn dies würde insgesamt zu Mehrbelastungen der Unternehmen von 26 Milliarden Pfund führen, umgerechnet etwa 31 Milliarden Euro.
„Im Inland sehen sich die Firmen innerhalb weniger Wochen mit höheren Steuerbelastungen und Lohnkosten konfrontiert“, sagte David Bharier von der British Chamber of Commerce. International könne ein Handelskrieg viele britische Importeure und Exporteure treffen. „Dies wird sich wahrscheinlich im Laufe des Jahres in einer höheren Inflation niederschlagen“, prognostiziert der Lobbyist.
Viele Firmen in Großbritannien haben ihre Investitionen zurückgestellt und einen Stellenabbau angekündigt. Im dominierenden Dienstleistungssektor wurden zuletzt so viele Jobs gestrichen wie seit vier Jahren nicht mehr.