Technologie: „AI Action Summit“ – Macron will Europa bei KI wachrütteln
Paris. Emmanuel Macron tritt in der Europäischen Union gerne als Antreiber der technologischen Transformation auf. Auch bei Künstlicher Intelligenz sucht der französische Präsident eine herausgehobene Rolle: Am Montag und Dienstag empfängt Macron beim internationalen „AI Action Summit“ führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Macron will mit dem Gipfel in Paris nicht zuletzt Europas drohendem Rückstand im weltweiten KI-Rennen entgegenwirken. „Wir brauchen mehr europäischen Wirtschaftspatriotismus“, mahnte er in einem Interview mit französischen Regionalzeitungen.
US-Vizepräsident J.D. Vance kommt nach Paris
An dem Gipfel nehmen unter anderem US-Vizepräsident J.D. Vance, Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) teil. Viele führende KI-Firmen sind vertreten, auch Open-AI-Gründer Sam Altman und Google-Chef Sundar Pichai haben sich angekündigt. Für China, das mit dem KI-Modell von Deepseek für Aufsehen sorgte, soll Vize-Premier Zhang Guoqing teilnehmen.
Als Mitausrichter des Gipfels hat Macron den indischen Regierungschef Narendra Modi gewonnen. Dahinter steht nach Angaben aus dem Elysée-Palast vor allem die Idee, das internationale „Ökosystem der KI zu diversifizieren“. Neben den USA und China müssten bei dieser Zukunftstechnologie auch die Stimmen der Europäer und anderer wichtiger Staaten gehört werden.
Macron schwebt demnach eine „globale KI-Partnerschaft“ vor, in der auch über einheitliche Regeln und Normen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz diskutiert werden solle. Am Montag möchte der Präsident außerdem eine Investitionssumme für KI-Technologie in Europa verkünden, die allerdings deutlich unter den 500 Milliarden Dollar liegen dürfte, die Präsident Donald Trump für die USA jüngst mit seinem „Stargate“-Plan in Aussicht gestellt hat.
„Ich finde es gut, dass wir mal mit Pauken und Trompeten zeigen, was Europa in Sachen KI draufhat“, sagte Rafael Laguna de la Vera, Direktor der deutschen Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind), dem Handelsblatt. Die Europäer bräuchten sich weder hinter China noch den USA zu verstecken. Als bestmögliches Ergebnis erwartet er, „dass nun auch wirklich alle den KI-Startschuss ins neue Industriezeitalter gehört haben und ausprobieren, analysieren und investieren“.
Die deutsche KI-Szene begrüßt den Gipfel
Auch Jonas Andrulis, Mitgründer und CEO des deutschen KI-Start-ups Aleph Alpha, begrüßt die Initiative. „KI verändert das Fundament unserer Gesellschaft in Rekordgeschwindigkeit und stellt uns alle vor Herausforderungen, die wir nur gemeinsam lösen können“, sagte er dem Handelsblatt. Künstliche Intelligenz liefere „die entscheidenden Werkzeuge für die Probleme dieser Zeit“ und dürfe „kein Nullsummenspiel“ sein. „Wir können gemeinsam gewinnen und die Zukunft nach unseren Werten gestalten, dafür kommt die internationale Gemeinschaft zusammen“, so Andrulis, der ebenfalls nach Paris kommt.
Die deutsche Wagniskapitalinvestorin Jeannette zu Fürstenberg sagte dem Handelsblatt vor ihrer Reise nach Paris: „Europa hat alles, was es braucht, um eine wettbewerbsfähige KI-Infrastruktur aufzubauen und international ganz oben mitzumischen.“ Der Gipfel sei „eine einmalige Chance, um uns auf unsere gemeinsamen Ambitionen zu verständigen“. Europa müsse nun das „Schwungrad aus Technologie, Wirtschaft, Kapital und Politik in Gang bringen“. Nur so könne der Kontinent das Wertschöpfungspotenzial von KI besser nutzen und einen Vorteil im globalen Wettbewerb erzielen.
Für Peter Sarlin, Gründer des vom Chipkonzern AMD übernommenen finnischen Start-ups Silo AI, bringt der Gipfel erstmals in dieser Größenordnung Politiker, Unternehmer und KI-Experten zusammen. Das Treffen in Paris könne das Fundament für eine internationale Kooperation bei Künstlicher Intelligenz schaffen, bei der die Entwicklung von sicheren Anwendungen im Mittelpunkt stehe.
Arthur Mensch, Mitgründer des französische KI-Start-ups Mistral, hofft darauf, dass von dem Gipfel ein Signal an die Bevölkerung ausgeht. „Das Thema darf nicht länger nur Experten und Insidern vorbehalten bleiben“, sagte er. „Wir müssen die breite Öffentlichkeit mit den Vorteilen vertraut machen, die generative KI der Gesellschaft bieten kann, und die Ängste jener zerstreuen, deren Leben und Arbeit durch diese Technologie mit ihrem immensen Potenzial erheblich erleichtert wird.“