Militär: 100 Millionen Euro Wagniskapital für Verteidigungs-Start-ups
Berlin. Ein neuer Wagniskapitalfonds will 100 Millionen Euro einsammeln und in innovative Unternehmen aus dem Verteidigungssektor investieren. Der Fokus soll dabei auf Deutschland und Europa liegen, erklären die drei Gründer der Venture-Capital-Firma Helantic.
Christoph von Falck, einer von ihnen, sagt: „Wir reden uns zwar gerne schlecht, aber wir haben in Deutschland gute Ingenieure und eine starke Forschungslandschaft und sehen viele erfolgreiche Ausgründungen aus Hochschulen.“
Gemeinsam mit Martin Buhl und Marian Rachow will er die Firma am Dienstag offiziell vorstellen. Alle drei haben Erfahrung als Gründer, Berater oder Investoren im Verteidigungsbereich, Rachow und von Falck kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei Airbus Defense.
Spätestens seit Beginn des Ukrainekriegs gibt es immer mehr Investoren in Europa, die sich gezielt auch an Verteidigungs-Start-ups beteiligen und den Sektor im Fokus haben. „Wir gehen davon aus, dass dieser Trend anhält“, sagt William McManners vom britischen Risikokapitalgeber MD One Ventures, der bereits seit Ende 2021 ausschließlich im Verteidigungssektor unterwegs ist.
Dafür spreche neben dem neuen Fonds von Helantic auch der erst im Sommer 2024 angekündigte, 150 Millionen Euro schwere Defense-Fonds des tschechischen Investors Presto in Kooperation mit der Firma CSG. Zugleich gibt es staatlich finanzierte Geldgeber wie den Nato Innovation Fund (NIF), der in Deutschland beispielsweise Geld in das Robotik-Start-up Arx gesteckt hat.
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Dennoch sieht Helantic-Mitgründer Buhl noch eine Lücke: „Aktuell haben wir zu wenig Privatinvestitionen im Verteidigungssektor“, sagt er, vor allem im sogenannten Early-Stage-Bereich. Damit ist die Phase unmittelbar nach der Gründung gemeint, in der ein Produkt bis zur Marktreife entwickelt wird und das Unternehmen in der Regel Kosten, aber noch keine Umsätze hat.
Mehr als eine Milliarde Euro für Europas Verteidigungs-Start-ups
Für spätere Phasen gebe es dagegen durchaus ausreichend Wagniskapital, meint Experte McManners. Das zeige beispielsweise Helsing: Das KI-Verteidigungsunternehmen hat im vergangenen Jahr 450 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt und mit der Finanzierungsrunde seine Position als wertvollstes Start-up in Europa in diesem Sektor gefestigt. Insgesamt wurde im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro an Wagniskapital in europäische Unternehmen investiert, die mit Verteidigung und Sicherheit zu tun haben.
Die Analyseplattform Pitchbook zählt aktuell weltweit knapp 2000 Start-ups aus dem Verteidigungs- sowie Luft- und Raumfahrtbereich, von denen rund 45 Prozent in den USA ansässig sind und nur 25 Prozent in Europa. Die Zahl könnte aber als Folge des Ukrainekriegs wachsen.
„Wir sehen hier großes Potenzial, dass Europa, vor allem aber Deutschland mit einem starken Defense-Ökosystem eine Führungsposition einnehmen kann“, sagt Buhl. Die Sicherstellung der europäischen Verteidigungsfähigkeit mit neuester Technologie erfordere gezielte Investitionen.
Der neue Fonds will vor allem in Robotik, KI und maschinelles Lernen, Cybersecurity, autonome Systeme, Quantencomputing sowie Luft- und Raumfahrttechnologien investieren. Die Hälfte der Investments soll nach Deutschland gehen, 30 Prozent nach Zentral- und Osteuropa und 20 Prozent in den Rest der Welt.
Balazs Nagy, Mitgründer und Chef des auf KI-gesteuerte Abfangdrohnen spezialisierten Herstellers Tytan Technologies, hält einen weiteren Fonds in Deutschland für durchaus sinnvoll. Allerdings nur unter einer Prämisse: Er müsse „in echte Militärtechnologie investieren können und nicht nur in Dual-Use-Lösungen“, sagte Nagy. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es gerade am Anfang ist, institutionelle Investoren zu finden, die in dieses Segment investieren dürfen.“
Dual-Use-Vorschriften für viele Geldgeber
Denn vielen ist das nicht möglich. So darf beispielsweise auch der eine Milliarde Euro schwere NIF nur in Dual-Use-Technologien investieren, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können. Nagy weist zudem darauf hin, dass Start-ups gerade am Anfang nicht nur Kapital, sondern auch andere Hilfen beispielsweise bei Beschaffungsprozessen und Exportkontrollen benötigen oder Kontakte zu Regierungen. Investoren, die damit dienen könnten, seien wichtig.
Helantic soll aber auch in Dual-Use-Technologien investieren. Zum einen, weil die Grenzen zwischen militärischen und zivilen Anwendungen nicht immer leicht zu ziehen sind. Zum anderen, damit geförderte Unternehmen nicht allein auf das Militär als potenziellen Kunden angewiesen sind.
Wirkung entfalten könne der Fonds aber nur, wenn auch die Rahmenbedingungen stimmen, sagt Mitgründer von Falck: „Wir wünschen uns mehr Verlässlichkeit von der Politik.“ Etwa ein klares Bekenntnis dazu, dass Investments in die Verteidigungsindustrie als nachhaltig anzusehen sind. Denn damit würden der Standort und der Wohlstand gesichert.
Erstpublikation: 10.02.2025, 16:56 Uhr.