KI: ChatGPT-Entwickler wappnet sich gegen Elon Musk
Düsseldorf. Ein Übernahmeversuch von Elon Musk zwingt OpenAI-Chef Sam Altman offenbar zum Handeln. Der ChatGPT-Entwickler soll Maßnahmen in Erwägung ziehen, die das Unternehmen gegen Attacken des Tesla-Chefs und dessen Firma xAI wappnen. Das berichtet die Zeitung „Financial Times“.
Konkret geht es um Überlegungen Altmans, die die Firmenstruktur beim weltweit wertvollsten Start-up für Künstliche Intelligenz (KI) betreffen. Der gemeinnützige Teil der Firma könnte demnach auch in Zukunft ein Sonderrecht bei der Kontrolle über den kommerziellen Teil behalten.
So könnten die Mitglieder des Verwaltungsrats, der von der Non-Profit-Organisation besetzt wird, besondere Stimmrechte erhalten und in die Lage versetzt werden, selbst Großinvestoren wie Microsoft zu überstimmen. Das ist kritisch für Altman, der auf Druck seiner Investoren gerade eigentlich deren Rechte stärken will.
Voraus geht dieser Nachricht ein jahrelanger Streit, der sich immer mehr zuspitzt. Musk und Altman hatten den ChatGPT-Entwickler OpenAI im Jahr 2015 mit einer Gruppe von Unternehmern gemeinsam gegründet. Dabei wählten sie eine komplexe Firmenstruktur, in der eine gemeinnützige Organisation alle kommerziellen Aktivitäten kontrollieren und dafür sorgen soll, dass die Aktivitäten allen Menschen zugutekommen.
Inzwischen sind die beiden Unternehmer aber erbitterte Konkurrenten. Denn Musk hat mit xAI einen Wettbewerber gegründet, der genau wie OpenAI große Sprachmodelle und KI-Systeme entwickelt. Zugleich versucht er zu verhindern, dass sich OpenAI zu einem normalen profitorientierten Unternehmen weiterentwickelt. Fraglich ist dabei, ob es Musk tatsächlich um das Gemeinwohl geht oder um seine eigenen unternehmerischen Interessen.
Mit dem Kaufangebot für OpenAI hat Musk einen Preispunkt gesetzt
Altman hält die Umstrukturierung seiner Firma nach eigenen Angaben für notwendig, um das erforderliche Kapital für die Weiterentwicklung seiner Technologie bei Investoren einzuwerben. Für die Entwicklung leistungsstarker KI-Systeme sind Milliardeninvestitionen nötig. So verhandelt OpenAI gerade mit dem japanischen Technologieinvestor Softbank über eine Finanzierungsrunde von über 40 Milliarden Dollar. Konkurrent Musk spricht seinerseits offenbar mit renommierten US-Wagniskapitalgebern über eine Beteiligung von zehn Milliarden Dollar.
Die Kapitalgeber wollen im Gegenzug für ihre Beteiligung bei OpenAI Mitspracherechte, die bisher nicht vorgesehen sind. Das wurde deutlich, als der vom gemeinnützigen Teil der Firma besetzte Verwaltungsrat Ende 2023 gegen den Willen der Investoren CEO Altman hinausschmeißen wollte.
Musks neueste Aktion, die Transformation von OpenAI zu verhindern, besteht im Versuch einer feindlichen Übernahme. Zusammen mit einer Investorengruppe hat er ein Kaufangebot für den gemeinnützigen Teil von OpenAI abgegeben. Für 97,4 Milliarden Dollar würde er die Firma kaufen – oder auch für mehr, wenn es ein Gegenangebot gäbe.
Als sich die Nachricht in der vergangenen Woche beim KI-Gipfel in Paris verbreitete, versuchte Altman noch, äußerlich gelassen darauf zu reagieren. Auf einem Panel auf dem Start-up-Campus Station F und gegenüber Journalisten sagte er mehrfach, OpenAI stehe „nicht zum Verkauf“ – und Musk versuche wohl nur, einen Konkurrenten auszubremsen.
Doch so leichtfertig kann OpenAI mit dem Angebot offenbar nicht umgehen. Um den kommerziellen Teil seiner Firma aus der Non-Profit-Organisation herauszulösen, muss Letztere entschädigt werden – entweder durch eine Einmalzahlung oder durch Firmenanteile. So sieht es das Gesetz vor.
Musk hat mit seinem Kaufangebot einen Preispunkt gesetzt. Die neuesten Überlegungen bei OpenAI könnten Altman teuer zu stehen kommen – und lesen sich wie ein Gegenangebot zum Kauf seiner eigenen Firma.
Erstpublikation: 18.02.2025, 14:57 Uhr.