KI: Musks neuer Chatbot Grok-3 ist jetzt auch in Deutschland verfügbar
Bei der Vorstellung des Modells in einem Livestream erklärten Musk und führende xAI-Mitarbeiter, dass Grok-3 in standardisierten Tests besser abgeschnitten habe als die KI-Modelle von OpenAI und anderen Konkurrenten. Laut Musk ist Grok-3 „die intelligenteste KI der Welt“.
In den Vergleichswerten, die Musks KI-Firma xAI veröffentlichte, hat Grok-3 bei Mathematik-, Wissenschafts- und Programmiertests die Konkurrenzmodelle übertroffen. Verglichen wurde Grok-3 mit Google Gemini 2.0 Flash Thinking von Alphabet, dem R1-Modell von Deepseek sowie den Modellen o1 und o3 von OpenAI.
Ist Musks Grok-3 besser als die Konkurrenzmodelle?
Unabhängig geprüft werden können die Ergebnisse allerdings noch nicht. Der Tech-Milliardär erklärte bei der Präsentation: „Wir verbessern die Modelle kontinuierlich, buchstäblich innerhalb von 24 Stunden werdet ihr Fortschritte sehen.“ Nach und nach soll die Vollversion von Grok-3 aber für Nutzerinnen und Nutzer der Plattform X ausgerollt werden, die 24,99 Euro im Monat oder rund 260 Euro im Jahr für das Paket „Premium+“ zahlen.
Dass Nutzer aus Großbritannien und der Europäischen Union erst einige Tage nach der Veröffentlichung Zugang zu Grok3 beta bekommen haben, soll laut xAI an den schärferen KI- und Datenschutzbestimmungen gelegen haben. Auf der Website hieß es: „Wir arbeiten sorgfältig daran, unsere Dienste auf diese Regionen auszuweiten, wobei wir der Einhaltung der lokalen Datenschutzgesetze Vorrang einräumen, um die Sicherheit Ihrer Daten zu gewährleisten.“
Die Grok-Reihe besteht aus verschiedenen KI-Modellen. Grok-3 Mini ist darauf ausgelegt, schneller zu antworten, allerdings mit etwas geringerer Genauigkeit als Grok-3. Die Modelle Grok-3 Reasoning und Grok-3 Mini Reasoning durchlaufen Denkprozesse – ähnlich wie die Reasoning-Modelle von OpenAI und anderen Anbietern. Dieses selbstkritische Hinterfragen gilt als nächste Entwicklungsstufe der KI und soll dazu beitragen, dass Fehler seltener auftreten.
In der Präsentation erklärte Musk, dass Grok-3 über „mehr als das Zehnfache“ der Rechenleistung seines Vorgängers verfüge.
Grok kann noch nicht unabhängig geprüft werden
Eine der Aufgaben, die Grok-3 im Livestream lösen sollte, war die Programmierung eines 3D-Modells, das anhand der Planetenbewegungen das beste Startfenster für eine Mission zum Mars anzeigt. Danach sagte Musk, „wenn alles gut läuft“, wolle seine Raumfahrtfirma SpaceX zum nächsten günstigen Moment, vermutlich Ende 2026, ein Schiff mit humanoiden Robotern des von ihm geführten Autobauers Tesla zum Mars schicken.
Musk wiederholte, dass die Aufgabe von Grok sei, „das Universum zu verstehen“. Der Tech-Milliardär ist bekannt dafür, von ihm selbst gesetzte Fristen zum Teil um Jahre zu verfehlen – zum Beispiel bei seit fast einem Jahrzehnt angekündigten selbstfahrenden Autos von Tesla.
Mit Grok-3 stellte xAI auch eine neue intelligente Suchmaschine namens Deepsearch vor. Deepsearch ist ein auf Denkfähigkeiten basierender Chatbot, der seinen Denkprozess bei der Beantwortung einer Anfrage offenlegt. In der Demonstration wurden Funktionen wie Recherche, Brainstorming und Datenanalyse gezeigt.
Einer der Ersten, die Grok-3 ausprobieren konnten, war Andrej Karpathy, ehemaliger Director of AI von Tesla und Gründungsmitglied von OpenAI. Nach mehreren Tests fasste er seine Eindrücke in einem ausführlichen Beitrag auf Musks Plattform X zusammen. Sein Fazit: Grok-3 sei „ein hochmodernes Denkmodell“. Er schätzt, dass es in etwa auf dem Niveau von o1 Pro liege und besser als Deepseek-R1 abschneide – betont jedoch, dass für eine verlässliche Einschätzung aktuelle und fundierte Bewertungen nötig seien.
Karpathy merkt jedoch an, dass Deepsearch noch nicht mit OpenAIs Deep Research mithalten kann. Zwar liefere das Recherchetool von Grok „hochwertige Antworten“, doch erfinde es mitunter Quellen oder lasse sie ganz weg. Dennoch zeigt er sich beeindruckt von der rasanten Entwicklungszeit bei xAI – schließlich habe das Team „vor einem Jahr quasi bei null angefangen“.
Gary Marcus, KI-Forscher an der US-Universität NYU, gab am Dienstag eine kritischere Einschätzung ab: Etwas wirklich Neues sei Grok nicht. Ob es vielleicht etwas intelligenter als o3 von OpenAI sei, wisse man schlichtweg nicht, sagte Marcus weiter und erklärte: „Dennoch schrumpft OpenAIs Vorsprung, was bedeutet, dass der Preiskampf weitergeht und nur Nvidia wirklich davon profitiert.“
Musks Ankündigungen könnten Streit mit OpenAI weiter verschärfen
Auch machte Musk weitere Ankündigungen: So soll Grok-3 schon bald eine KI-Stimme bekommen. Und die Vorgängerversionen, wie etwa Grok-2, will sein Unternehmen als Open-Source-Modell veröffentlichen, also die Grundlagen frei zugänglich machen, sobald Grok-3 ausgereift ist. Laut Musk könnte das schon in den kommenden Monaten der Fall sein.
Nicht nur xAI veröffentlicht den Quellcode, macht also den Kern seiner Modelle frei zugänglich. Das ist auch bei den Llama-Modellen von Meta der Fall, sie können also von Entwicklern genutzt und verändert werden.
Einst hatte auch OpenAI vor, seine Modelle Open Source zur Verfügung zu stellen. Bisher legt das Start-up die Quellcodes aber nicht offen.
Die Veröffentlichung von Grok-3 dürfte die Rivalität zwischen Elon Musks xAI und dem KI-Start-up OpenAI von Sam Altman weiter anheizen. Musk war einst Mitgründer von OpenAI, verließ das Unternehmen jedoch 2018. Im Jahr 2023 rief er xAI als Konkurrenz zu OpenAI ins Leben, da er Altmans Pläne, die Firma in ein profitorientiertes Unternehmen umzustrukturieren, öffentlich kritisierte.
Der Tech-Milliardär führt gerade eine Fehde gegen OpenAI-Chef Altman. Musk machte zusammen mit mehreren Investoren ein 97,4 Milliarden Dollar schweres Angebot zur Übernahme der Non-Profit-Organisation, die OpenAI kontrolliert. Der Verwaltungsrat des KI-Start-ups wies es einstimmig ab.
Musk versucht zugleich vor Gericht, die Umwandlung von OpenAI in ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen zu verhindern. OpenAI wirft ihm indes vor, schlicht einen Konkurrenten ausbremsen zu wollen.
Mit Agenturmaterial von dpa und Bloomberg.
Erstpublikation: 18.02.2025, 06:25 Uhr