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Morning BriefingWahlsiegerchen Merz – Krisenkanzler ohne Vertrauensvorschuss

Christian Rickens 24.02.2025 - 06:02 Uhr
Morning Briefing

Bundestagswahl: Lindner und Scholz kündigen Rückzug an

24.02.2025
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

für alle, die beim Wahlabend nicht bis zum Schluss dabeigeblieben sind, hier zum Wachwerden das vorläufige amtliche Endergebnis der gestrigen Bundestagswahl:

  • CDU/CSU: 28,5%
  • AfD: 20,8%
  • SPD: 16,4%
  • Grüne: 11,6%
  • Linke: 8,8%
  • BSW: 4,9%
  • FDP: 4,3%

Damit gibt es nur eine realistische Koalitionsvariante: Union und SPD bilden gemeinsam das, was früher mal eine große Koalition war – inzwischen aber gerade noch so über die Hälfte der Mandate kommt. Hätte Sahra Wagenknechts BSW nur 0,1 Prozent mehr geholt, hätte es gar nicht mehr gereicht für CDU, CSU und SPD.

Aus für Scholz und Lindner, Klingbeil steigt auf

Christian Lindner, Bundesvorsitzender und Spitzenkandidat der FDP, in der sogenannten Elefantenrunde. Foto: Stefanie Loos/AFP Pool/dpa

Zwei politische Karrieren gingen gestern Abend bereits zu Ende: Olaf Scholz erklärte, dass er dem SPD-Team für die Koalitionsverhandlungen nicht angehören wolle und auch nicht in ein Kabinett von Friedrich Merz eintreten werde. Und FDP-Chef Christian Lindner erklärte, dass er sich aus der Politik zurückziehen werde.

Lars Klingbeil. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Der Co-Vorsitzende der SPD Lars Klingbeil hingegen kann nach der Wahlniederlage seiner Partei seine Macht ausbauen: Er soll nach dem Willen der SPD-Spitze zusätzlich zum Parteivorsitz auch den Fraktionsvorsitz im Bundestag von Rolf Mützenich übernehmen.

Gefährlichste Lage seit Bestehen der Republik

Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, aber ich habe meine Stimme bei einer Wahl noch nie so bewusst abgegeben wie gestern, musste noch nie so lange überlegen, wen ich wähle. Die vier Parteien der Mitte haben mich in den vergangenen drei Jahren aus unterschiedlichen Gründen allesamt enttäuscht, teilweise sogar schockiert. Aber andere Parteien kommen für mich nicht infrage. Es galt also, die Vergangenheit zu verdrängen und ausschließlich nach vorne zu schauen: Wem traut man am ehesten zu, es in der kommenden Legislaturperiode besser zu machen als in der zurückliegenden?

Und besser werden muss die Leistung der nächsten Regierung dringend. Politik nach Vorschrift wird in den kommenden vier Jahren nicht ausreichen. Die Bundesrepublik ist so gefährdet wie noch nie seit ihrer Gründung. Und das nicht durch die rund 250.945 Asylanträge, die 2024 in Deutschland gestellt wurden. Und auch nicht durch die 20,8 Prozent, die die AfD gestern erhalten hat. Da hat unser Land schon größere Herausforderungen gemeistert.

Was es aber noch nie gab: Erstmals seit ihrer Gründung 1949 kann sich die Bundesrepublik nicht mehr auf den politischen und militärischen Schutz durch die USA verlassen. Und das zu einer Zeit, in der Krieg in Europa herrscht. Ob und wie die kommende Bundesregierung das Land für diese grundlegend neue Lage wappnet – daran wird sich ganz wesentlich ihr Erfolg oder Misserfolg messen lassen müssen.

Das Wort „Zeitenwende“ hat Olaf Scholz bereits nach Russlands Angriff auf die Ukraine ge- und damit verbraucht. Jetzt erleben wir den Epochenbruch.

Durch ihn führen wird uns aller Voraussicht nach Friedrich Merz. Dass er den Ernst der Lage begriffen hat, machte der CDU-Vorsitzende gestern in der „Berliner Runde“ deutlich:

Für mich wird absolute Priorität haben, Europa Schritt für Schritt so zu stärken, damit wir Unabhängigkeit erreichen von den USA.

Und:

Also, die Interventionen aus Washington, die waren nicht weniger dramatisch und drastisch und letztendlich unverschämt wie die Interventionen, die wir von Moskau gesehen haben.

Grammatikalisch nicht ganz einwandfrei, aber von großer inhaltlicher Klarheit. Bis Ostern will Merz eine Regierung gebildet haben. An der SPD dürfte es nicht scheitern.

Aber: Ein starkes Mandat sind die 28,6 Prozent, die Merz für die Union holte, sicher nicht. Oder wie es der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert auf dem gemeinsamen Wahlabend von Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Zeit und Tagesspiegel formulierte:

Das Ergebnis lässt sich eher erklären als Absage an eine bestehende Regierung als der überwältigende Ruf nach der Alternative.

Ein Nebeneffekt des schwachen Abschneidens von Union wie auch SPD: AfD und Linke haben im kommenden Bundestag eine Sperrminorität von über einem Drittel der Abgeordneten. Ein neues Bundeswehr-Sondervermögen zum Beispiel wird dadurch nahezu unmöglich. Was jetzt noch alles auf Friedrich Merz zukommt, den mutmaßlichen zehnten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, lesen Sie hier.

Papst weiterhin in kritischem Zustand

Die Sorgen um den schwer erkrankten Papst Franziskus nehmen zu. Bei dem 88-Jährigen ist nach Angaben des Vatikans eine „leichte, beginnende Niereninsuffizienz“ festgestellt worden. Diese sei derzeit unter Kontrolle, teilte der Vatikan-Sprecher mit. Der Zustand des Oberhauptes der katholischen Kirche bleibe aber „kritisch“.

Franziskus sei weiterhin „wach und gut orientiert“, er habe im Laufe des Vormittags in dem eigens für Papst-Aufenthalte vorgesehenen Trakt im zehnten Stock der Gemelli-Klinik in Rom an einer Messe teilgenommen. Vorhersagen zum weiteren Krankheitsverlauf sind aus Sicht der Ärzte derzeit schwer zu treffen. Die Prognose bleibe wie am Vortag „ungewiss“.

Profitieren vom China-Boom

Börse in Shanghai: Die Stimmung für chinesische Aktien hat sich gedreht. Foto: AFP

Jahrelang haben Großbanken ihren Kunden empfohlen, chinesische Aktien in ihren Depots unterzugewichten. Nun sind Goldman Sachs, JP Morgan, die UBS und zuletzt auch Morgan Stanley umgeschwenkt und verweisen auf die Chancen an den chinesischen Börsen.

Auslöser sei der Erfolg des chinesischen Start-ups Deepseek im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) gewesen, sagt James Cook vom Vermögensverwalter Federated Hermes:

Das war ein Weckruf für Anleger, die Chinas Führungsrolle und Wachstumspotenzial im Technologiebereich unterschätzt hatten.

Wer kein ausgewiesener China-Experte ist und keine ausgeprägte Risikoneigung besitzt, für den sind ETFs auf chinesische Börsenindizes der beste Weg, um am dortigen Aktienmarkt teilzuhaben.

Der erfolgreichste China-ETF in diesem Jahr bildet die Wertentwicklung des Hang Seng Tech Index ab. Er hat 2025 bereits um knapp 26 Prozent zugelegt. Der Index beinhaltet die 30 größten Technologieunternehmen aus der Region, die an der Börse Hongkong notiert sind. Doch so verlockend der Hang Seng Tech Index derzeit auch wirken mag, er hat drei Nachteile:

  1. Auf lange Sicht hat sich ein Einstieg nicht gelohnt: Von Dezember 2020 bis September 2024 verlor der ETF mehr als 50 Prozent an Wert – ein Nasdaq-ETF stieg im selben Zeitraum um 65 Prozent.
  2. Zudem bietet der ETF mit nur 30 Aktien, die auch allesamt aus denselben Branchen kommen, eine geringe Diversifikation. Die zehn größten Positionen haben ein Gewicht von 69 Prozent, allein Alibaba und Xiaomi kommen auf fast 20 Prozent.
  3. Im Vergleich mit Nasdaq-ETFs ist der ETF teuer. Die jährlichen Kosten liegen bei 0,5 Prozent, das sind 0,36 Prozentpunkte mehr als beim günstigsten ETF auf den US-Tech-Index.

Drei andere China-Indizes mit den entsprechenden ETFs dazu können eine Alternative sein:

  • der MSCI China Technology Index
  • der SI Overseas China Internet Index
  • und schließlich der MSCI China Index

Was diese Produkte zu bieten haben, hat unser Geldanlagechef Andreas Neuhaus für Sie recherchiert.

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„Jetzt darf auch mal Rambo-Zambo im Adenauer-Haus sein“, rief Merz gestern seinen Anhängern in der CDU-Parteizentrale zu. Ich wünsche Ihnen ganz viel Rambo Zambo für Ihren Wochenauftakt.

Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens

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