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Konsumgüter„Total überrascht“ – Unilever tauscht wieder den Chef aus

Hein Schumacher wurde vor nicht mal zwei Jahren Chef von Unilever: Gewinne, Umsätze und der Aktienkurs sind gestiegen. Doch er muss gehen – zur Überraschung von Analysten und Beschäftigten.Torsten Riecke, Michael Scheppe 25.02.2025 - 13:56 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Unilever-Chef Hein Schumacher: Der Manager wird nach knapp zwei Jahren im Amt den britischen Konsumgüterkonzern verlassen. Foto: REUTERS

London, Düsseldorf. Der Konsumgüterriese Unilever kommt nicht zur Ruhe. Nach nicht einmal zwei Jahren an der Unternehmensspitze des Herstellers von Dove-Seife oder Knorr-Fertiggerichten tritt Hein Schumacher zurück. Schumacher wird Unilever Ende Mai verlassen. Das teilte der Konkurrent von Persil- und Pril-Hersteller Henkel am Dienstag mit.

Die Entscheidung hat selbst Beschäftigte „total überrascht“, hieß es in Unternehmenskreisen. Analysten geht es ebenso. James Edwardes Jones vom Vermögensberater RBC Capital sagte: „Wir haben das definitiv nicht kommen sehen.“

Schumacher, der zuvor Chef der niederländischen Großmolkerei Friesland Campina war, übernahm die Leitung von Unilever im Juli 2023. Er strukturierte das Unternehmen mit Sitz in London um und drückte die Kosten. Seit seinem Amtsantritt stand der Manager vonseiten der Investoren unter Druck, den Konzern auf eine höhere Profitabilität zu trimmen.

Der 53-Jährige stellte 30 Schlüsselmarken in den Fokus, die rund 75 Prozent des Konzernumsatzes einbringen. Zuvor war die Zahl der Unilever-Marken auf etwa 400 angewachsen.

Gleichzeitig trennte sich Schumacher von margenschwachen Marken mit einem Umsatz von insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Schumacher plant ebenfalls, die Eiscreme-Sparte mit Marken wie Ben & Jerrys oder Langnese abzuspalten. Diese erzielt rund acht Milliarden Euro Jahresumsatz.

Auf der Kostenseite hat sich Schumacher vorgenommen, 800 Millionen Euro einzusparen. Dies soll vor allem durch den Abbau von weltweit bis zu 6000 Stellen erreicht werden. Insgesamt arbeiten im Konzern 128.000 Menschen.

Schumacher übernahm den Konzern in einer schwierigen Zeit. Sein Vorgänger Alan Jope hatte kaum für Wachstum gesorgt.

Zudem kämpfen Konsumgüterkonzerne noch immer mit hohen Kosten für Logistik, Personal und Rohstoffe. Gleichzeitig sind viele Verbraucher angesichts der hohen Lebenshaltungskosten zu den preisgünstigeren Eigenmarken im Handel gewechselt. Das trifft die meisten Markenartikler, die dadurch weniger Produkte verkaufen.

Investoren wollen wohl „noch radikalere Dinge“

Durch Schumachers Maßnahmen gelang es Unilever, die Verkaufszahlen wieder zu steigern. Der Absatz stieg im vergangenen  Jahr um 2,9 Prozent. Dabei kämpfte er vor allem in den Schlüsselmärkten Amerika und China mit einer schwachen Verbraucherstimmung.

Insgesamt stieg der Umsatz 2024 um knapp zwei Prozent auf 60,8 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn vor Steuern verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr sogar deutlich um 12,6 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro.

Der Aktienkurs stieg in Schumachers Amtszeit ebenfalls: um gut 17 Prozent bis Anfang der Woche. Nach der Verkündung der Personalie am Dienstag sackten die Papiere indes im frühen Londoner Handel um drei Prozent und bewegten sich den Tag über bei knapp minus zwei Prozent.

Unilever-Verwaltungsratschef Ian Meakins deutete in einer Mitteilung an, dass das Gremium Schumacher nicht zutraue, den Konzern noch zügiger umzukrempeln. „Der Verwaltungsrat ist zwar mit der Leistung von Unilever im Jahr 2024 zufrieden, aber es bleibt noch viel zu tun, um branchenführende Ergebnisse zu erzielen.“ Meakins erklärte, dass die Trennung von Schumacher einvernehmlich getroffen worden sei.

Ein Insider bezeichnete den Abgang Schumachers als „wenig ehrenvoll“. Der Manager habe Quartal für Quartal geliefert. „Einige Investoren wollen offenbar noch radikalere Dinge“, sagt er. Teil des Verwaltungsrats ist der aktivistische Großinvestor Nelson Peltz aus den USA. Er ist mit mehr als einer Milliarde Pfund an dem Konzern beteiligt.

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Analysten pflichten bei. Diana Radu vom Analyseunternehmen Morningstar sagte: „Die jüngsten Leistungen des Unternehmens rechtfertigen einen solchen Schritt in keiner Weise.“ RBC-Capital-Analyst Jones sieht die Ablösung von Schumacher auch als ein Zeichen dafür, dass viele Unilever-Veteranen einen Wandel nicht mittragen wollen, der durch einen von außen kommenden Manager angestoßen worden ist.

Bisheriger Finanzchef übernimmt

Nachfolger von Schumacher wird der bisherige Finanzchef Fernando Fernandez. Er könnte es laut Branchenbeobachter Jones einfacher haben, einen Kurswechsel durchzusetzen – denn der Manager kam 1988 zu Unilever. Fernandez leitete in seiner Karriere bei Unilever schon die Region Lateinamerika und die Schönheitssparte. Im Unternehmen wird er als ungeduldig beschrieben.

Fernandez kündigte denn auch zügige Veränderungen an: „Unser Fokus wird darauf liegen, ein zukunftsfähiges Portfolio mit einer attraktiven Wachstumsbasis aufzubauen“, sagte der Argentinier. Unilever-Verwaltungsratschef Meakins lobte den designierten Chef für seinen „entschlossenen und ergebnisorientierten Ansatz sowie seine Fähigkeit, Veränderungen schnell voranzutreiben“.

Produktion von Langnese-Eis: Schumacher hat das Portfolio überarbeitet. Foto: dpa
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Fernandez muss in der Belegschaft aber schnell für Ruhe sorgen. Viele Beschäftigte fragten sich nun, was eine höhere Geschwindigkeit für sie bedeute, verlautete in Konzernkreisen. Schon Schumacher habe das Tempo der Veränderungen deutlich erhöht.

Der neue Chef muss zudem die Abspaltung des Eiscreme-Geschäfts abschließen. Anfang des Monats gab Schumacher bekannt, diese Sparte hauptsächlich an der Börse in Amsterdam zu listen. Der Zuschlag war heftig umstritten, da Großinvestor Peltz das Management dazu gedrängt hatte, das Geschäft in New York an die Börse zu bringen. Es sollte die letzte große Richtungsentscheidung von Schumacher gewesen sein.

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