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KIDieser Gründer will die Schwäche von Apple und Google nutzen

Das Start-up Perplexity bringt mit der Telekom ein KI-Smartphone auf den Markt, das Apple und Google herausfordern soll. Eine Schwachstelle der Tech-Giganten soll den Erfolg ermöglichen.Stephan Scheuer 17.03.2025 - 17:12 Uhr Artikel anhören
Aravind Srinivas: Der Gründer hat das KI-Start-up Perplexity in zwei Jahren zu einer Bewertung von neun Milliarden Dollar geführt. Foto: Wolf von Dewitz/dpa

Barcelona. Für Aravind Srinivas haben sich Apple und Google beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) verzockt. Deshalb treibt er nun selbst ein KI-Smartphone voran. Dieses soll wie ein allumfassender Assistent für die Nutzer agieren, wie der Chef des Start-ups Perplexity dem Handelsblatt am Rande der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona sagte.

Noch in diesem Jahr soll es in Deutschland über eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom auf den Markt kommen. „Apple hat der Welt vergangenen Sommer ein Super-Siri mit KI versprochen, aber bis heute nichts geliefert“, sagte Srinivas.

Vor zwei Wochen hatte Apple den Neustart auf das Jahr 2026 verschoben. Bloomberg zufolge räumte der für die Überarbeitung von Siri verantwortliche Manager Robby Walker nun intern ein, dass selbst dieser vage Zeitpunkt nicht zwingend feststehe. Die Verzögerungen seien „hässlich und peinlich“, soll Walker gesagt haben.

Google habe mit Gemini zwar einen KI-Assistenten im Angebot, sagte Srinivas. Dieser sei in der Praxis aber wenig nützlich, weil der Konzern vor allem Geld damit verdiene, dass die Nutzerschaft sich selbst durch das Internet bewegt, Flüge bucht oder Restaurants reserviert.

„Wenn Gemini all diese Aufgaben übernimmt, verliert Google sein Werbegeschäft“, sagte Srinivas. Google ist der weltweit wichtigste Spieler auf dem rund 300 Milliarden Dollar umfassenden digitalen Werbemarkt.

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Genau hier setzt der Gründer an. „Perplexity ist eine Antwortmaschine“, sagte Srinivas. Das Start-up nutzt die Modelle der KI-Firmen wie Google, OpenAI oder Deepseek und ergänzt sie um eigene Funktionen. Bei Wissensfragen füttert Perplexity die KI-Modelle mit gezielten Informationen zu ausgewählten Quellen.

Der 30-Jährige stammt aus Indien und kam für das Studium in die USA. An der University of California in Berkeley promovierte er in Informatik. Anschließend arbeitete er als Forscher bei OpenAI für rund ein Jahr. Dann gründete er im August 2022 Perplexity. Früh konnte er einflussreiche Geldgeber für seine Firma gewinnen – wie Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Aber wie soll Srinivas etwas gelingen, was selbst Firmen wie OpenAI oder Google schwerfällt? Hier kommt für den Gründer die Partnerschaft mit der Telekom ins Spiel.

Claudia Nemat: Die Telekom-Technikvorständin präsentiert das neue KI-Phone. Foto: dpa

Denn allein im Mobilfunk zählte der Konzern Ende vergangenen Jahres 261 Millionen Kunden weltweit – und sie könnten potenzielle Abnehmer der KI-Smartphones werden.

Strategie von Telekom und Perplexity

Gemeinsam mit der Telekom will Srinivas die KI nun zu einem selbstständigen Agenten ausbauen. „Heute ist ein persönlicher Assistent ein Luxus für wenige Menschen. Dank KI wird dieser Service bald jedem zur Verfügung stehen“, versprach Srinivas.

Das neue System von Perplexity soll in der Lage sein, sich autonom durch das Internet zu bewegen, einen Tisch im Restaurant zu buchen, ein Flugticket zu bestellen oder ein Reiseprogramm mit passenden Sehenswürdigkeiten und den entsprechenden Tickets zusammenzustellen.

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Die Idee ist nicht neu. OpenAI hat im Januar in den USA eine Lösung mit dem Namen Operator gestartet. Die Browser-Firma Opera aus Norwegen stellte vergangene Woche ebenfalls einen Agenten vor, der sich im Auftrag der Nutzer durch das Internet bewegt. Meta und Google arbeiten an ähnlichen Lösungen.

Was Perplexity von der Telekom will: Daten

„Die Telekom als Netzbetreiber weiß sehr viel über ihre Kunden“, sagte Srinivas. Der Dax-Konzern habe Informationen, wie jeder einzelne sein Smartphone nutzt, welche Apps er installiert, wie viele Daten er jeden Tag aus dem Internet lädt und vieles mehr. „Damit können wir den perfekt personalisierten Assistenten generieren“, sagte Srinivas.

Telekom-Technikvorständin Claudia Nemat forciert die Partnerschaft mit der Jungfirma aus San Francisco. „Wir stehen am Beginn einer neuen Ära. Wir werden eine KI-Firma“, kündigte Nemat bei der Vorstellung der Geräte in Barcelona an. Noch im Laufe dieses Jahres sollen sie in Deutschland auf den Markt kommen. Einen Preis nannte Nemat nicht, sie sagte, die Telefone würden „sehr erschwinglich“ sein.

Analyst Ben Wood vom Marktforschungsinstitut CCS Insight wertete das KI-Phone als ein ambitioniertes Projekt. „Die Telekom will Künstliche Intelligenz demokratisieren“, sagte Wood. Anstatt sich ein Smartphone für 800 Euro und mehr anschaffen zu müssen, seien die KI-Funktionen bei der Telekom schon auf einem Einstiegsgerät integriert.

Dennoch zeigte sich Wood zurückhaltend, was künftige Absatzzahlen angeht. Letztlich werde das KI-Phone wohl ein Nischenprodukt bleiben, vermutete der Analyst. Immerhin habe die Telekom mit Perplexity einen mächtigen Partner gefunden. Zunächst hatte der Dax-Konzern auf Brain.ai aus San Mateo gesetzt, eine Firma ohne etabliertes Produkt. „Das ist ein Schritt nach vorn“, lobte Wood den Wechsel zu Perplexity.

Erster Test: KI-Phone stößt schnell an Grenzen

Das Handelsblatt konnte in Barcelona eines der KI-Phones ausprobieren. Die Testgeräte der Telekom in Barcelona stammten von der chinesischen Firma Wingtech Technology. Unter der Marke T-Phone vertreibt die Telekom bereits günstige Einstiegsgeräte aus Asien mit dem Telekom-Logo. Zusammen mit einem Mobilfunkvertrag der Telekom werden die Geräte für deutlich weniger als 100 Euro verkauft. Absatzzahlen nennt der Konzern jedoch nicht.

Bei einem Test vor Ort in Barcelona offenbarten sich erste Schwächen. Zwar konnte das Telefon mit dem Assistenten von Perplexity ein Restaurant in der Stadt empfehlen, für die Tischreservierung leitete das System jedoch einfach auf die Website weiter, auf der dann händisch die Daten des Kunden eingetragen werden mussten. Mittelfristig sei es das Ziel, so viele Dienste wie möglich direkt per Schnittstellen einzubinden, kündigte Srinivas an.

Nahezu im Wochenrhythmus veröffentlicht Srinivas neue Partnerschaften oder Produkte. Analyst Justin Post von der Bank of America hob hervor, wie hoch das Tempo in der Veröffentlichung neuer Anwendungen ist.

Perplexity will künftig einen eigenen Webbrowser auf den Markt bringen. Mit der Reisewebsite Tripadvisor hat Perplexity eine Partnerschaft geschlossen und wertet in Suchanfragen Berichte über Hotels und andere Unterkünfte aus.

Zudem hat Perplexity spezielle Suchprodukte für wissenschaftliche Fachartikel und für Finanzdienstleistungen gestartet. In den USA kann Perplexity bereits Produkte im Auftrag von Kunden kaufen, ohne dass diese die KI-Suche verlassen müssen.

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Gleichzeitig wächst die Kritik an dem KI-Unternehmen. Etliche US-Medien klagten, Perplexity nutze deren Artikel und journalistische Produkte ohne Erlaubnis. News Corp, die Firma hinter dem „Wall Street Journal“ und der „New York Post“, reichte Klage ein.

Perplexity warf den Medien hingegen eine „feindselige Haltung“ vor. Stattdessen schlug die Firma eine Umsatzbeteiligung für Medienunternehmen vor. Ein entsprechendes Abkommen ist in Deutschland das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ eingegangen.

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Korrektur: Das Alter von Aravind Srinivas wurde korrigiert. Er ist 30 Jahre alt und nicht 31 Jaher alt.

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