Gastronomie: „Du gehörst den Leuten. Das ist normal“
Köln. Preußisch. Vincent Moissonnier so zu bezeichnen, würde ihn im Kern nicht beleidigen. „Rheinpreuße“, so nennt er sich selbst in einem Kapitel seines Buchs in Bezug auf eine Diskussion mit einem querulantischen Gast, der partout seine Tasche nicht an der Garderobe abgeben wollte und sich stattdessen entschloss, das Lokal wieder zu verlassen. „Ich halte auf Zucht und Ordnung“, schreibt er. Und wer ihn kennenlernt, glaubt das sofort.
Drei Stunden Schlaf, morgens als Erster im Restaurant – nach dem Einkauf auf dem Großmarkt –, abends, oft nachts, als Letzter abschließen. Fleiß, Ethos, Prinzipien, es sind Charaktereigenschaften, die jedem Offizier gut zu Gesicht stünden.
Vincent Moissonnier, geboren in den Vogesen, fußt den Erfolg seines Unternehmens darauf, lebt diese Tugenden aber als charmanter, schlagfertiger, gewinnender Gastgeber aus. Seit fast 40 Jahren. „Ich habe nicht einen Tag krank gefehlt.“
Vincent Moissonnier:
Ein Tisch am Fenster
336 Seiten
ISBN: 978-3-462-00624-7
25 Euro
Das Restaurant „Moissonnier“ in Köln genießt in der deutschen Gastronomie eine besondere Position. Auch weil manches hier bei näherem Hinschauen überrascht. Zum Beispiel die Lage. Das als Bistro eingerichtete Restaurant befindet sich in einer denkbar unscheinbaren Straße, der Krefelder, wo man zufällig nur vorbeikommt, weil man vorbeimuss.