Industrie: Köcher verlässt Bosch – zwei Zugänge in den Aufsichtsgremien
Stuttgart, Düsseldorf. Neues Personal für die Aufsichtsratsgremien von Bosch: Renate Köcher verlässt nach Ablauf ihrer Amtszeit zum Monatsende die Robert Bosch Industriehand KG (RBIK) und den Bosch Aufsichtsrat. Ihr folgen Gerd Chrzanowski und Martina Merz nach. Das teilte das Unternehmen am Freitag mit.
Der 53-jährige Chrzanowski, Komplementär der Schwarz Gruppe, übernimmt das Amt in der Industrietreuhand. Merz (62) fängt im Bosch-Aufsichtsrat an. Beide starten zum 1. April dieses Jahres.
Der Stiftungskonzern steckt als weltgrößter Autozulieferer angesichts der Transformation zur Elektromobilität und der Krise von Automobilherstellern in Turbulenzen.
Die 72-jährige Renate Köcher beendet ihre Tätigkeit nach 13 Jahren für den Konzern. „Sie hat mit ihrem umfassenden Wissen über Wirtschaft und gesellschaftliche Veränderungen den Bosch-Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung als Ratgeberin bereichert“, sagt Stefan Asenkerschbaumer, Bosch-Aufsichtsratschef und geschäftsführender Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand, über Köcher, die auch Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach ist.
Die RBIK übt die unternehmerische Gesellschafterfunktion im Bosch-Konzern aus. Sie ist damit die höchste Instanz im Unternehmen, noch über dem Aufsichtsrat. Alle großen Entscheidungen und Strategien müssen durch dieses zehnköpfige Gremium, dem auch Bosch-Chef Stefan Hartung angehört. Ihre Mitglieder sind somit Eigentümer auf Zeit des Bosch-Konzerns.
Dass Chrzanowski in dem Gremium anfängt, ist besonders, denn normalerweise nehmen Manager aus dem Firmenkonstrukt von Dieter Schwarz keine Posten außerhalb an. Dass er in der Industrietreuhand anfängt, gilt als Ausnahme, wie es in Unternehmenskreisen hieß.
Chrzanowski ist seit mehr als 20 Jahren in verantwortungsvollen Positionen bei der international führenden Handelsgruppe tätig, zu denen unter anderem die Lebensmitteleinzelhändler Lidl und Kaufland, die Schwarz Produktion, der Umweltdienstleister Prezero und die IT- und Digitalsparte Schwarz Digits gehören.
Der Betriebswirt dürfte weniger wegen seiner Handelsexpertise in das Gremium gerückt sein. Vielmehr steht er für die Transformation des Handelskonzerns zum Digitalkonzern mit eigener Cloud, Cybersicherheit und KI-Kompetenz. In die Transformation investiert Schwarz Milliardenbeträge. Und es gibt Verbindungen zwischen beiden Konzernen: So führten Bosch und Schwarz gemeinsam die Finanzierungsrunde bei dem deutschen KI-Start-up Aleph Alpha.
Zudem ist die Schwarz-Stiftung maßgeblicher Initiator und Investor der Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI) in Heilbronn. Bosch hatte geplant, für 100 Millionen Euro einen KI-Campus in Tübingen zu bauen. Das Land Baden-Württemberg vergab allerdings einen Zuschuss an das IPAI der Schwarz-Gruppe nach Heilbronn – und Bosch gab seine Pläne in Tübingen auf.
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Der Heilbronner Campus soll die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich KI zeigen: Von der Qualifizierung von Fachkräften über die praxisnahe Forschung bis hin zur Entwicklung, Anwendung und Kommerzialisierung. Baustart für das 23 Hektar große Areal ist 2025. Auch Bosch soll von dem Projekt profitieren.
Martina Merz kehrt zu Bosch zurück
Für Merz bedeutet der Posten im Aufsichtsrat bei Bosch eine Rückkehr zu Bosch. Die Maschinenbauingenieurin war etwa 30 Jahre als Managerin in der Automobilindustrie tätig – die Hälfte der Zeit bei Bosch.
Dann hatte sie als selbstständige Unternehmensberaterin verschiedene internationale Aufsichtsratsmandate inne und war beim Konzern Thyssen-Krupp zunächst Aufsichtsrats- und später Vorstandschefin.
Merz sitzt zudem in den Aufsichtsräten von Rio Tinto und Volvo. Zudem ist sie Mitglied des Stiftungsrats der Carl-Zeiss-Stiftung.