Kommentar: Ein Rekord zeigt, wie dringend die deutsche Justiz KI braucht

Um das Wichtigste vorwegzunehmen: Roboterrichter wird es in Deutschland nicht geben. Am Ende muss immer ein Mensch entscheiden. Aber dass Künstliche Intelligenz (KI) immer häufiger in den Amtsstuben zum Einsatz kommt, ist eine gute Entwicklung. Einfache Sachverhalte können so viel effizienter bearbeitet werden.
Das ist auch dringend nötig, wenn man sich die „Fließbandklagen“ etwa wegen verspäteter oder annullierter Flüge ansieht. Die deutschen „Flughafengerichte“ sahen sich im vergangenen Jahr mit mehr als 130.000 neuen Verfahren konfrontiert – ein Rekord. Allein in Köln stapelten sich rund 40.000 neue Klagen von Reisenden.
Für die chronisch überlasteten Gerichte ist der Einsatz von KI also doppelt hilfreich: Ähnliche Fälle können herausgefiltert und dann gebündelt bearbeitet werden. Bei der Urteilsfindung macht das Assistenzsystem Vorschläge. Das spart Zeit. Die können die Richter dann für anspruchsvolle Fälle nutzen. Denn viele Verfahren jenseits von Massenklagen werden immer komplexer.
Deutschland verschläft nicht den Trend
Dass auch in anderen Ländern wie Spanien Pilotprojekte mit KI-Assistenten in der Justiz laufen, zeigt, dass Deutschland den Trend nicht verschläft. Die Ansätze ähneln sich – vor allem bei den Trainingsdaten. Und hier zeigt sich der entscheidende Punkt: Eine KI in der Justiz muss mit verlässlichen Daten gefüttert werden.
Handelt es sich dabei um bereits ergangene Verfügungen und Entscheidungen von Richtern, ist alles in Ordnung. Wenn die Vorschläge der KI dann noch vom Richter kritisch hinterfragt werden und der Robenträger von seinem Ermessensspielraum Gebrauch macht, muss niemand befürchten, von einem Roboterrichter abhängig zu werden.
Wie elementar eine solche valide Datenbasis ist, zeigt ein Blick nach China. Wenn KI-Modelle einer Zensur unterliegen, kann von Beratung keine Rede mehr sein. Aus Beratung wird Einflussnahme.