Fachkräftemangel: So wirbt das Handwerk um Fachkräfte aus der Industrie
Kiel. Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk – selbst beim höchsten Funktionär: Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, nutzt die Krisenstimmung in der Industrie, um gezielt für die eigene Branche zu werben. „Wenn große Unternehmen Stellen abbauen, sollte möglichst schnell gehandelt und nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht werden“, sagte er kürzlich der „FAZ“.
Sein Kalkül: Wenn Konzerne wie Bosch, Mercedes, Siemens oder Volkswagen Tausende von Jobs streichen, ergeben sich neue Chancen für das Handwerk. Denn hier sind laut ZDH bis zu 250.000 Stellen unbesetzt – die zahlreichen frei werdenden Chefposten noch nicht eingerechnet: Rund 125.000 Handwerksbetriebe suchen bis 2030 altersbedingt einen Nachfolger an der Spitze.
Fachkräften, die eigenverantwortlich und praxisnah arbeiten möchten, biete das Handwerk abwechslungsreiche Aufgaben und vielfältige Karrierechancen, so Dittrich, selbst Inhaber einer größeren Dachdeckerei in Dresden.
Allerdings kann nicht jeder einfach so ein Handwerksunternehmen übernehmen. Betriebe in mehr als 50 zulassungspflichtigen Gewerken dürfen nur von Handwerksmeistern geführt werden. Neben Dachdeckern zählen dazu etwa Fahrzeugbauer, Feinmechaniker, Kraftfahrzeugtechniker, Metallbauer sowie Informations- und Elektrotechniker. Sogar Angestellte müssen als technische Betriebsleiter in diesen Gewerken Meister ihres Fachs sein.