Preise in Deutschland: Sinkende Inflation macht EZB-Notenbanker nervös
Frankfurt, Düsseldorf. Inflation unter Kontrolle, Wachstumsflaute ohne Ende und kaum Impulse vom Arbeitsmarkt: Die deutsche Wirtschaft schleppt sich in den Sommer. Die Dynamik bei Preisen und Konjunktur ist so gering und die Unsicherheit durch den Zollkrieg so hoch geworden, dass Analysten fest mit weiteren Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) rechnen.
Im April entlasteten günstigere Energiepreise Verbraucher und Unternehmen. Dagegen trieben teurere Flugtickets und Pauschalreisen rund um Ostern die Dienstleistungspreise. In Summe ist die Inflation laut Statistischem Bundesamt leicht gesunken, auf 2,1 Prozent nach nationaler Rechnung (VPI) und 2,2 Prozent nach EU-weit einheitlicher Rechnung (HVPI).
Experten wie Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank LBBW sehen deshalb unverminderten Spielraum für die EZB, die Leitzinsen weiter zu senken. „Alles in allem“, sagte Niklasch, „sind wir jetzt seit einigen Monaten in einem Komfortbereich.“ Die Inflation sei „nicht mehr auf einem Niveau, das ernsthaft Kopfzerbrechen bereitet“.
Auch in anderen europäischen Ländern entwickelt sich die Inflation so, dass die Statistiker von Eurostat am Freitag für den Euro-Raum eine Inflationsrate in der Nähe des EZB-Ziels von zwei Prozent ausweisen dürften. In Spanien und Italien stabilisierten sich die Teuerungsraten im April bei 2,2 beziehungsweise 2,1 Prozent. In Frankreich sank sie weiter auf nur noch 0,8 Prozent.