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Change-ManagementEin Start-up will helfen, Feedback effektiv zu nutzen

Bleibt das Ziel von Transformationsprozessen unklar, ziehen sich Mitarbeiter irgendwann zurück. Mit datenbasierten Feedbackreports will ein Start-up der Change-Müdigkeit begegnen.Nina C. Zimmermann 15.05.2025 - 17:22 Uhr Artikel anhören
Richtig kommunizieren: Strukturiertes Feedback kann Change-Managern bei der Arbeit helfen. Foto: imago images/MASKOT

Düsseldorf. Das Schöne am Newsletter Handelsblatt Shift sind die vielen positiven Reaktionen, die uns jede Woche erreichen. Oft ist es Feedback zu den vorgestellten Ideen und Projekten, manchmal sind es weiterführende Gedanken. Und immer wieder ergeben sich neue Themen für uns.

So hat sich auch die Gründerin Stella Smiljkovic auf meine Shift-Ausgabe zum Thema Mitarbeiter-Engagement gemeldet. Sie schrieb: Als Führungskraft in Konzernen habe sie bemerkt, wie schwer es sei, das Tagesgeschäft parallel zu Change-Prozessen so zu managen, dass die Beschäftigten weiterhin engagiert bleiben und die Transformation mittragen.

Zentral in Smiljkovics Augen ist die Frage, wie die Führungsriege mit dem Feedback aus der Belegschaft umgeht – und diese animiert, sich auch über längere Zeit mit Ideen und kritischen Fragen einzubringen, Anregungen wirklich aufzugreifen und umzusetzen.

Sie hat deshalb ihren Konzern verlassen und betreibt nun mit einem Geschäftspartner ein Start-up im baden-württembergischen Nürtingen. Die Idee hinter „Feedbacktime“ fand ich so interessant, dass ich mit ihr darüber gesprochen habe.

Was bietet das Start-up an?

„Wir versuchen, Neutralität in Change-Prozesse reinzubringen und eine Datenbasis, über die man diskutieren kann“, sagt die Gründerin. Ihre Firma bietet eine Plattform für Feedbackmanagement an, die sich in bestehende Systeme einbinden lässt – als sogenannte Software as a Service (SaaS). Das soll Transformationsverantwortlichen helfen, „ihre Belegschaft oder ihre Interessensgruppe wieder zu beteiligen und sie auf eine sehr niederschwellige Art und Weise mitzunehmen“.

Mit Transformationserfahrungen: Stella Smiljkovic, Co-Gründerin von Feedbacktime, hat lange in Konzernen gearbeitet. Foto: privat

Wer das Tool zum Feedback-Sammeln nutze, spare Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Es nimmt den Fragenden zum Beispiel die Arbeit ab, selbst Fragebögen zu erstellen und auszuwerten – oder ein Dashboard allein zu interpretieren. Auch größere Mengen an Feedback lassen sich verarbeiten; dazu seien kleine Teams in Unternehmen, Kommunen oder Kultur-Organisationen oft nicht in der Lage.

Mithilfe von Künstlicher Intelligenz werden die Umfragedaten laut Smiljkovic dann in „einen konkreten, menschenlesbaren Report“ aufbereitet. Manchen reiche ein Management-Summary, andere wollten es ausführlicher.

„Wir haben Kunden, die wollen mehr die Ideen rausgefiltert und gehighlightet haben, und wir haben Kunden, die sagen, gib mir die kritischen Themen, gib mir die positiven Themen“, erläutert sie. „Wir geben außerdem konkrete Handlungsempfehlungen.“ Wer Feedback gebe, könne anonym bleiben.

Wer steckt hinter dem Start-up Feedbacktime?

Smiljkovic ist studierte Maschinenbauerin und hat sich schon früh mit Technologie-Folgenabschätzung und Innovationsthemen befasst. Wie ihr Co-Gründer Heiko Brömmelstrote, den sie beim Energiekonzern EnBW kennenlernte, hat sie viele Transformationsprozesse begleitet – und etliche scheitern sehen. „Je nachdem, welche Studie Sie nehmen, heißt es, dass 70 oder 80 Prozent aller Transformationsprojekte scheitern“, sagt die 41-Jährige.

Das habe zum einen mit fehlender Transformationskompetenz zu tun, sagt Smiljkovic: Wo wollen wir mit unserem Change-Prozess hin? Und welche Tools nutzen wir dafür?

Zum anderen habe sie beobachtet:

Manche Ideen versacken in der Mittelschicht, kommen also von unten gar nicht nach oben.
Stella Smiljkovic

Und zwar, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim x-ten Change-Projekt oft innerlich abschalten und keine Rückmeldung mehr geben.

Das wollen sie und ihr Mitstreiter ändern. „Wenn man sich kontinuierlich weiterentwickelt, ist auch eine Disruption nicht mehr so beängstigend“, erläutert Smiljkovic ihre Motivation. Daher sei sie im vorigen Jahr bei Brömmelstrote eingestiegen, der Feedbacktime Ende 2022 zunächst als Nebenprojekt gegründet habe.

Ist Feedbacktime ein Beratungsunternehmen?

Diese Frage verneint die Gründerin vehement. Eher sei es so, dass Unternehmensberater ihre Plattform als Qualitäts- und Wirkungsmesstool in beratenen Firmen einsetzten. Oder dass direkte Kunden, die das Tool dauerhaft nutzen, um auf die Belegschaft eingehen zu können, kontinuierlich erkennen, welches Thema sie angehen sollten. Beispielsweise, dass Schulungen als nächster Schritt sinnvoll wären.

Ein wenig coachen Smiljkovic und ihr Geschäftspartner ihre Kunden dennoch: etwa mit Hinweisen wie jenem, dass sie nicht jedem Feedback hinterherspringen müssten, aber doch bewusst kommunizieren sollten. Wer Feedback gebe, erwarte nicht unbedingt, dass alles davon umgesetzt werde. Manchmal reiche es zu sagen: „Vielen Dank, dass du das gesagt hast, wir haben es gehört, können es allerdings nicht auch noch umsetzen.“

Hinweis am Ortsausgang: Großbettlingen in Baden-Württemberg hat Feedbacktime genutzt. Foto: Feedbacktime

So hat beispielsweise die Gemeinde Großbettlingen in der Nähe von Reutlingen mit Feedbacktime ein Bürgerbeteiligungsprojekt gestartet und einige schnell umsetzbare Lösungen für schon länger bestehende Probleme gefunden: Neu gepflanzte Bäume spenden jetzt Schatten auf einem bislang sehr sonnigen Spielplatz. Andere Dinge, die schön, aber nicht so dringend sind, müssen dagegen warten – mehr Spielgeräte zum Beispiel.

Was genau treibt die Gründerin an?

Damit eine Transformation gelinge, komme es auf den Faktor Mensch an, sagt Smiljkovic. „Es setzt sich nicht die beste Idee durch, sondern die, die vom Kontext, von der Organisation akzeptiert wird, weil sie zu dieser passt“, sei ihre Beobachtung.

Ihr Credo sei daher, bei Change-Prozessen darauf zu achten: Was können wir behalten, was macht uns gut, und was müssen wir jetzt verändern? „Diese Anpassungsfähigkeit ist etwas, wo ich gerne hin möchte“, sagt sie. „Ich möchte gern ein Deutschland und ein Europa haben, die zukunftsfreudig sind.“

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Bleiben Sie optimistisch!

Dieser Text ist zuerst am 12. Mai 2025 im Newsletter Handelsblatt Shift erschienen. Diesen und weitere Newsletter können Sie hier abonnieren.

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