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Morning BriefingAbstieg West – Die Dauerverlierer der vergangenen zwei Jahrzehnte

Christian Rickens 04.07.2025 - 06:18 Uhr Artikel anhören
Morning Briefing

Zukunftsatlas: Die Auf- und Absteigerregionen 2025

04.07.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!

Nun hat er sie bekommen, seine „Big Beautiful Bill“: Mit 218 zu 214 Stimmen hat das US-Repräsentantenhaus gestern Abend deutscher Zeit Donald Trumps umfassendes Steuer- und Ausgabengesetz verabschiedet. Zuvor hatte der Senat bereits zugestimmt. Das Haushaltspaket verlängert zentrale Steuersenkungen aus Trumps erster Amtszeit, schafft neue Entlastungen für Unternehmen sowie Wohlhabende und stärkt das Militär.

Teilweise gegenfinanziert wird das Gesetz durch drastische Einschnitte bei der Gesundheitsversorgung und anderen Sozialprogrammen. Es handelt sich um die größte Kürzungswelle im sozialen Netz seit Jahrzehnten. Trotzdem rechnen Experten durch die „Big Beautiful Bill“ mit einem zusätzlichen Anstieg der US-Staatsschulden um 3,3 Billionen Dollar in den nächsten zehn Jahren.

Pünktlich zum heutigen US-Nationalfeiertag will Trump das Gesetz am späten Abend deutscher Zeit im Weißen Haus unterzeichnen. Einen Überblick über die wichtigsten Inhalte und die innenpolitischen Folgen für die USA finden Sie hier.

Die Auf- und Absteigerregionen 2025

Bereits zum vierten Mal habe ich in den vergangenen Wochen die Handelsblatt-Berichterstattung rund um den Prognos-Zukunftsatlas betreut – und es war genauso spannend wie bei meiner Premiere 2016. Alle drei Jahre untersucht das Wirtschaftsforschungsinstitut in seinem Flaggschiff-Ranking die ökonomischen Zukunftsaussichten der 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte. Das Handelsblatt veröffentlicht die Ergebnisse exklusiv.

Blick in die Zukunft: Zu den auffälligsten Langzeittrends gehört der Aufstieg von Leipzig und Berlin. Foto: Casa Matze

31 Variablen fließen in das Ranking ein: vom Wanderungssaldo einer Region über die Kriminalitätsrate, die Quote der Patentanmeldungen und Firmengründungen bis hin zur installierten Leistung an erneuerbaren Energien.

Jedes Mal aufs Neue bin ich beeindruckt, wie souverän das Team bei Prognos mit der Datenfülle jongliert – was auch an meinen äußerst rudimentären Excel-Kenntnissen liegen könnte. Umgekehrt sehen wir beim Handelsblatt unsere Aufgabe darin, aus den Daten die interessantesten Geschichten über Aufsteiger, Absteiger, Dauersieger und Abgehängte herauszufiltern.

  1. Besonders spannend fand ich diesmal den Landkreis Tuttlingen, hochgeschossen auf den hervorragenden 19. Platz im Ranking. Die Gründe: innovationsstarke Unternehmen, wenig Kriminalität und Arbeitslosigkeit, wachsende Bevölkerung, hohe Kaufkraft. Und zugleich verzeichnete diese Musterregion bei der Bundestagswahl den höchsten Erststimmenanteil für die AfD in Westdeutschland. Unsere Reporterin Annika Keilen hat vor Ort aufzuklären versucht, was nicht nur auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt.
  2. Solange ich mich mit dem Zukunftsatlas befasse, gab es immer das Duell dieser beiden sächsischen Aufsteigertypen: Dresden als strebsamer Erstgeborener, der schon kurz nach der Wende groß herauskam. Und Leipzig als strubbelig-verpeilter Künstlertyp, der für alles ein wenig länger brauchte. Jetzt hat das inoffizielle Rennen der zwei sächsischen Metropolen ein neues Stadium erreicht. Nur so viel: Es geht um Quantencomputer und Muttermilch.
  3. Im Ballungsraum Rhein-Main waren die Rollen über Jahrzehnte klar verteilt: Frankfurt ist die Kultur- und Finanzmetropole, Wiesbaden das adrette Verwaltungszentrum, in Darmstadt sitzt die Tech-Branche. Und Mainz? Galt als feierfreudiges Schmuddelkind. Nun ist Mainz neu in die Top Ten der deutschen Zukunftsregionen aufgestiegen. Das liegt auch am Biontech-Boom, aber nicht nur. Der Handelsblatt-Reporter und Wahl-Münchner Markus Hinterberger hat eine verspätete Liebeserklärung an seine Geburtsstadt verfasst:
Mainz fühlt sich seit einiger Zeit anders an. Wie die Jugendliebe, die man immer wieder bei Besuchen in der alten Heimat gesehen, aber wenig beachtet hat. Bis man bemerkt, was für ein toller Mensch sie geworden ist.

Ach so, Sie wollen jetzt noch wissen, wer im Zukunftsranking gewonnen hat? Das ist eigentlich der langweiligste Teil: wie schon vor drei Jahren die ökonomischen Kraftzentren München (Landkreis auf Platz eins, Stadt auf Platz drei) und Erlangen (Platz zwei).

Wesentlich spannender finde ich, dass es im Ranking eine große Gruppe von Dauerabsteigern gibt, die seit dem ersten Zukunftsatlas 2004 jeweils über 100 Rangplätze verloren haben – und allesamt in Westdeutschland liegen.

Deutsche Firmen wandern nicht in die USA ab

Trump will deutsche Unternehmen durch hohe Zusatzzölle beim Export in die USA zur Verlagerung ihrer Produktion zwingen. Doch die lassen sich davon offenbar nicht unter Druck setzen. Darauf deutet eine aktuelle Umfrage unter 1000 Vorständen und Geschäftsführern deutscher Firmen zu ihren strategischen Prioritäten hin. Demzufolge planen die befragten Firmen nicht, in den kommenden fünf Jahren mehr als bisher in den USA zu investieren.

Trumps Politik bewirkt keine Verlagerung in die USA. Foto: AP, dpa, PR (2), Getty Images

Der Trend deckt sich mit ersten offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamts: Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in den USA waren demnach im Frühjahr 2025 so niedrig wie nie zuvor. Der Standort Deutschland profitiert allerdings nicht davon.

Die befragten deutschen Industrieunternehmen wollen zwar im Schnitt 37 Prozent ihres Investitionsbudgets in der Heimat ausgeben, was weiterhin der höchste Anteil ist. Doch der Wert ist im Vergleich zur Umfrage vor einem Jahr um zwei Prozentpunkte gesunken. Erhöhen wollen deutsche Unternehmen ihre Präsenz dagegen in Osteuropa, Südeuropa und Indien.

Russland erkennt Taliban-Regierung an

Russland hat als erstes Land der Welt die Regierung der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan offiziell anerkannt. Moskau habe die Akkreditierungsurkunde eines neuen afghanischen Botschafters angenommen, teilte das russische Außenministerium am Donnerstag mit. Russland werde die Regierung in Kabul weiterhin in den Bereichen Sicherheit, Terrorismusbekämpfung und Drogenkriminalität unterstützen.

So schreibt es die Nachrichtenagentur Reuters. Ich hoffe mal, dass vor „Drogenkriminalität“ ein „Bekämpfung der“ mitgedacht werden muss.

Einstiegskurse bei Rückversicherern?

Die Aktien von Rückversicherern gelten bei Anlegerinnen und Anlegern als attraktiv, weil sie meist verlässlich steigende Dividenden zahlen. Dass zudem in den vergangenen drei Jahren auch noch die Kurse der drei Branchengrößen Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück kräftig kletterten, wirkte wie ein unverhoffter Bonus für alle, die rechtzeitig eingestiegen waren.

Seit einigen Monaten bröckeln die Kurse wieder. Denn tendenziell sinken die Preise, die die Rückversicherer bei ihren Kunden – also Erstversicherern wie zum Beispiel Allianz – durchsetzen können. Die niedrigeren Aktienpreise erhöhen wiederum die Dividendenrendite für Neueinsteiger. Darius Satkauskas vom Analysehaus Keefe, Bruyette & Woods erwartet – gemessen an der Dividende für das Jahr 2025 – eine Rendite von 4,7 Prozent bei der Swiss Re. Bei Munich Re rechnet er mit 3,7 Prozent und bei Hannover Rück mit 3,5 Prozent.

Bei welchem der drei Anbieter die Chancen am besten stehen, dass die Dividende auch weiterhin steigt und der Kurs zumindest nicht weiter fällt, haben unsere Versicherungs-Reporterinnen Tami Holderried und Susanne Schier für Sie analysiert.

Wut-Wels aus den Tiefen des Sommerlochs

Wird Deutschland nach dem Problembären „Bruno“ (2006) jetzt von Wut-Wels „Waldemar“ heimgesucht? Im Brombachsee in Mittelfranken ist erneut ein Badegast von einem solchen Fisch gebissen worden. Bereits Ende Juni hatte ein über zwei Meter langer Wels im Brombachsee mindestens fünf Badegäste angegriffen und verletzt. Die Polizei hatte das Tier damals erschossen.

Nun ist aus den schlammigen Tiefen des Sommerlochs offenbar ein ähnlich aggressiver Artgenosse aufgetaucht. Zusammen mit dem „Sylter Goldschakal“ wird Waldemar mir hoffentlich helfen, diese Schlussrubrik im Morning Briefing auch in den nachrichtenarmen Sommerwochen zu füllen.

Ich wünsche Ihnen einen verwelsungsfreien Wochenausklang.

Herzliche Grüße,

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Ihr

Christian Rickens

PS: Wie verändert Künstliche Intelligenz die Medizin – und was bedeutet das für ein langes, gutes Leben? Welche Chancen eröffnen sich durch neue Technologien? Darüber diskutieren wir mit renommierten Experten und Expertinnen am Mittwoch, 9. Juli 2025, ab 18 Uhr beim Handelsblatt-Terrassengespräch in Düsseldorf. Unter den Leserinnen und Lesern des Morning Briefings verlosen wir zehn Tickets. Nehmen Sie hier an der Verlosung teil.

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