Übernahmen: Das sind die Dealmaker internationaler Großbanken in Deutschland
Frankfurt. Sie sind die wichtigsten Köpfe der M&A-Szene in Deutschland. Ob Fusionen und Übernahmen (deutsch für Mergers & Acquisitions, M&A) gelingen, hängt von ihrer Leistung ab: Investmentbanker betreuen solche Deals vom Beginn der Verhandlungen bis zur Unterschrift; sie werden häufig Dealmaker genannt.
In einer Zeit, in der der Markt für diese Transaktionen in der Krise steckt und eine Erholung großenteils vom gesamtwirtschaftlichen Umfeld abhängt, mag es überraschen, jetzt auf ihren Beruf zu schauen. Das Volumen der Transaktionen im ersten Halbjahr ist dramatisch eingebrochen. Die M&A-Aktivitäten mit deutscher Beteiligung belaufen sich auf 54,4 Milliarden Dollar – das sind 24 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum und ist der niedrigste Wert seit 2022, wie Zahlen des Finanzdatenanbieters LSEG zeigen. Die Zahl der Transaktionen ging um 17 Prozent zurück.
Doch der Zeitpunkt ist nach Einschätzung von Experten gerade jetzt angemessen. Im aktuellen Umfeld komme es auf erfahrene Dealmaker an, sagt Jens Kengelbach, Senior Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG).
Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage gewönnen „kreative“ Lösungsansätze und flexible Beteiligungsmodelle an Bedeutung, ergänzt er. Investmentbanker mit viel Erfahrung könnten einordnen, wie sich das Umfeld auf Deals auswirkt, weil viele von ihnen Krisen der Vergangenheit, etwa die Finanzkrise 2008, miterlebt haben, betont er.
Oft machten sie Deals trotz der auch geopolitischen Unsicherheiten durch ihr Netzwerk und ungewöhnliche Strukturen von Transaktionen möglich. In Phasen der Unsicherheit gebe es außerdem mehr Spielraum zu verhandeln, sagt M&A-Experte Kengelbach: „Käufer haben viel Macht.“
Transformationsdruck treibt das Dealgeschehen
Einige Transaktionen sind nach Aussage von Investmentbankern in Vorbereitung, auch wenn sich dies in den Zahlen noch nicht widerspiegelt. „Großtransaktionen und Börsengänge lassen weiter auf sich warten“, ordnet Kengelbach ein. Viele Deals würden derzeit weit in das zweite Halbjahr dieses Jahres oder in die erste Jahreshälfte 2026 verschoben.
Christoph Holstein, Partner der Wirtschaftskanzlei Clifford Chance in Deutschland, beobachtet ein Spannungsverhältnis im M&A-Markt. Wegen der geopolitischen Unsicherheiten seien belastbare Unternehmensbewertungen schwierig, sagt er.
Gleichzeitig bestehe für viele Unternehmen ein „starker Anreiz zur Durchführung von Transaktionen“, ergänzt der Jurist. Als Gründe nennt Holstein hohe Bestände von Liquidität und Transformationsdruck in den Unternehmen – also die Notwendigkeit, sich oft auch grundlegend zu wandeln, um im sich verändernden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld den Firmenerfolg zu sichern.
Das Handelsblatt porträtiert die wichtigsten Dealmaker in sechs US-Investmentbanken und einem australischen Haus in Deutschland: von der Bank of America, Citi, Goldman Sachs, von Jefferies, JP Morgan, der australischen Macquarie und von Morgan Stanley. Frauen finden sich übrigens nicht darunter – obwohl das Handelsblatt besonders nach ihnen gesucht hat.
Dieser Beitrag ist der erste Teil der „Dealmaker-Serie“. In der nächsten Woche stellt das Handelsblatt die führenden Köpfe in europäischen Banken vor.