Uber: US-Fahrdienst startet neue Robotaxi-Kooperation mit Lucid
Düsseldorf. Der US-Fahrdienst Uber baut sein Robotaxi-Geschäft weiter aus. Das Unternehmen verkündete am Donnerstag den Start einer neuen Kooperation. In den kommenden sechs Jahren will Uber demnach eine Flotte aus mindestens 20.000 Fahrzeugen aufbauen. Ende 2026 soll der Betrieb in den USA aufgenommen werden, geplant ist aber eine weltweite Expansion.
Die Fahrzeuge dafür liefert der US-amerikanische E-Auto-Hersteller Lucid Motors. Die Autos würden „speziell für die Uber-Plattform entwickelt“, sagte Uber-Chef Dara Khosrowshahi. Die Technologie und die Software für das autonome Fahren liefert das kalifornische Start-up Nuro.ai. Man wolle gemeinsam einen Robotaxi-Dienst starten, „der Millionen Menschen weltweit erreichen kann“, sagte Nuro-Mitgründer Jiajun Zhu.
Das neue Robotaxi basiert auf dem Lucid Gravity, dem SUV des Unternehmens. Fahrzeuge von Lucid gelten als effizient und bieten viel Platz im Innenraum. Die Reichweite der Robotaxis soll bei mehr als 700 Kilometern liegen.
Der Lucid Gravity ist heute schon optional mit 32 Sensoren für das autonome Fahren erhältlich – darunter Lidar, Radare, Kamera und Ultraschallsensoren. Damit unterscheidet sich Lucid von seinem Konkurrenten Tesla, dessen autonome Fahrtechnik rein auf Kameras basiert.
Mithilfe des KI-Spezialisten Nuro sollen die Lucid-Fahrzeuge in die Lage gebracht werden, ganz ohne Fahrer durch den Verkehr zu steuern, was branchenintern als „Level 4“ bezeichnet wird. Ermöglichen soll das die Software Nuro Driver. Der erste Robotaxi-Prototyp der Kooperation fahre bereits autonom auf einem geschlossenen Testgelände von Nuro in Las Vegas, teilten die Unternehmen mit.
Lucid-Aktie seit Jahresbeginn unter Druck
Das Unternehmen gilt als Spezialist für das autonome Fahren, bislang konzentrierte sich Nuro jedoch vornehmlich auf die Entwicklung von kompakten Lieferwagen ohne Fahrerkabine. Gegründet wurde das Start-up von zwei Ingenieuren, die vorher bei der Google-Tochter Waymo angestellt waren, dem aktuellen Marktführer in Sachen autonomes Fahren. Zuletzt wurde das Unternehmen mit sechs Milliarden Dollar bewertet.
Uber kündigte an, neben 300 Millionen Dollar in Lucid auch „mehrere hundert Millionen“ Dollar in Nuro zu investieren. Gemeinsam treten die Partner gegen Herausforderer wie Waymo und Tesla an.
Lucid Motors kann das Absatzplus gut gebrauchen. Im zweiten Quartal hatte das Start-up zuletzt bei den Absatzzahlen enttäuscht. Mit rund 3300 verkauften Fahrzeugen verpasste Lucid die Analystenschätzungen und steht damit unter Druck, das eigene Absatzziel für 2025 von 20.000 Autos im kommenden Halbjahr noch zu erreichen.
Auch bei den Investoren hatte sich zuletzt zunehmend Nervosität breit gemacht: Die Aktie hat seit Jahresbeginn 41 Prozent an Wert eingebüßt. Der langjährige Unternehmenschef Peter Rawlinson hatte Lucid Ende Februar verlassen.
Interimschef Marc Winterhoff hatte anschließend versucht, den Absatz mit Rabatten anzukurbeln. Für ihn ist die neue Kooperation ein Befreiungsschlag. Denn mit den Robotaxis soll auch die Auslastung des Werks in Arizona steigen, wo der Gravity vom Band läuft. Die Lucid-Aktie lag am Donnerstag kurz nach Handelsstart mit über 45 Prozent im Plus und ist mit noch mehr als 36 Prozent im Plus am Abend aus dem Handel gegangen.
Finanziert wird Lucid vor allem durch den saudi-arabischen Staatsfonds. Gemeinsam haben die Partner ein weiteres Werk in Saudi-Arabien gebaut, in dem pro Jahr bis zu 150.000 Autos vom Band laufen können. Die Expansion hat allerdings Spuren in den Bilanzen hinterlassen: Die Cashreserven in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar sind im vergangenen Jahr um 2,8 Milliarden Dollar geschmolzen.
Mehrere Partner für Uber
Uber hatte die eigene Entwicklung autonomer Fahrzeuge im Jahr 2020 eingestellt und an Aurora Technologies verkauft. Seitdem setzt der Fahrdienst auf mehrere Partnerschaften.
Erst am Montag hatte Uber eine Kooperation mit dem chinesischen Konzern Baidu bekannt gegeben. In Asien und im Nahen Osten sollen die Fahrzeuge der Chinesen über die Plattform vermittelt werden. In den USA hatte Uber zuletzt mit der GM-Tochter Cruise kooperiert. Doch Ende 2024 verkündete General Motors das Aus des Dienstes.
Auch VW gehört zu den strategischen Verbündeten von Uber. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen in Los Angeles eine Robotaxi-Flotte aufbauen. Die ersten 500 autonom fahrenden ID.Buzz AD könnten schon 2026 durch L.A. rollen, insgesamt ist von bis zu 10.000 Fahrzeugen die Rede.
Für Uber geht es bei Allianzen wie mit Lucid oder VW auch um harte Einsparungen: Die Vergütung der Fahrer gilt als größter Kostenblock des Unternehmens. Darüber hinaus muss Uber sein Geschäftsmodell gegen neue Herausforderer verteidigen.
„Uber will mit seinen neuen Kooperationen offensichtlich wieder tiefer in die Wertschöpfungskette beim autonomen Fahren einsteigen“, sagt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management der Fachhochschule Bergisch Gladbach. Dafür seien allerdings hohe Investitionen erforderlich.
Das Geschäft rund um das autonome Fahren gilt als umkämpft. Marktführer Waymo, die Robotaxi-Sparte von Google, hat über die Jahre rund elf Milliarden Dollar von Investoren eingesammelt.
Auch Tesla hatte zuletzt in Austin, Texas, eine Flotte von selbstfahrenden Model Y in Betrieb genommen. Allerdings sind die Fahrzeuge von Tesla mit einem Sicherheitsfahrer an Bord unterwegs und fahren auch nur in einem streng begrenzten Bereich.
Gegenwind in den USA
Insgesamt wächst der Markt für autonomes Fahren rasant. Laut Goldman Sachs sollen bis 2040 rund 65 Prozent aller Neuwagen in den USA zumindest teilautonom unterwegs sein, in China sogar 90 Prozent. McKinsey taxiert das globale Marktvolumen bis 2035 auf bis zu 350 Milliarden Euro.
In den USA hängt Wohl und Wehe der Technologie aber auch an der aktuellen US-Regierung. Zwar kündigte Präsident Donald Trump, damals noch flankiert von Tesla-Chef Elon Musk, zu Beginn seiner Amtszeit eine Deregulierung für autonome Fahrzeuge an.
Doch sein Kandidat für die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA, Jonathan Morrison, schlug zuletzt andere Töne an. „Die NHTSA kann sich nicht zurücklehnen und darauf warten, dass Probleme auftreten“, sagte Morrison vor dem US-Senat. Beobachter werten das als Signal für einen härteren Kurs in Sachen Robotaxi-Regularien.
