Rohstoffe: Bei diesem Rohstoff sorgten US-Zolldrohungen für eine Rally
Frankfurt. Die US-Politik wirbelt weiterhin die Rohstoffmärkte durcheinander – sowohl mit ihren Zöllen als auch mit ihrem härteren Vorgehen gegen Russland im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine.
Viele Rohstoffpreise profitierten davon, andere gaben stark nach. Unter dem Strich beendete der weltgrößte Rohstoffindex Goldman Sachs Commodity Index den Juli mit einem Plus von rund zwei Prozent.
Welche Rohstoffe besonders stark performten – und wer Verlierer des Monats war.
Gewinner des Monats: Orangensaft
Orangensaft hat sich im Juli um fast ein Fünftel verteuert. Dabei war das Frühstücksgetränk noch im Juni Verlierer des Monats. Der an der New Yorker Rohstoffbörse gehandelte Terminkontrakt verbilligte sich in diesem Zeitraum um 24 Prozent. Denn die im vergangenen Jahr deutlich gestiegenen Preise schreckten zunehmend die Konsumenten ab.
Doch dann änderte US-Präsident Donald Trump den Orangensaftmarkt mit neuen Zollankündigungen: Brasilien, der wichtigste Orangenlieferant der USA, sollte mit Importzöllen in Höhe von 50 Prozent belegt werden.
Ende des Monats macht Trump dann einen Rückzieher: Wichtige Exportgüter, darunter Orangensaft, sollen weiterhin lediglich mit zehnprozentigen Zöllen belegt werden. Die Orangensaftpreise gaben daraufhin stark nach. Der Preisanstieg dürfte also nur kurzfristiger Natur gewesen sein.
Setzt seine Rally fort: Palladium
Bereits im Juni ist der Preis des Metalls Palladium stark gestiegen, wobei Experten das eher als Folgereaktion auf höhere Preise des Edelmetalls Platin sahen. Doch während die Platinrally im Juli endete, legte Palladium um weitere knapp neun Prozent zu.
Die UBS-Analysten Wayne Gordon und Giovanni Staunovo sehen als treibenden Faktor für den Preisanstieg ein sogenanntes Short-Covering.
Das heißt: Viele Anleger mussten ihre Short-Positionen auflösen. Zuvor wetteten sie mit ihnen auf fallende Preise, etwa indem sie Palladium-Futures verkauften, obwohl sie das Palladium gar nicht besaßen. Wenn der Palladiumpreis bis zum vereinbarten Liefertermin unter den vereinbarten Verkaufspreis fiel, machten sie einen Gewinn. Denn dann konnten sie das Palladium vor Ablauf des Terminkontrakts günstiger am Markt kaufen und mit Gewinn liefern.
Bemerken Short-Händler aber, dass der Preis entgegen ihrer Erwartung weiter steigt, schließen sie hastig ihre Positionen, um ihre Verluste zu begrenzen. Das heißt, sie kaufen Palladium, und zwar schnell – was die Preise weiter nach oben treibt. So dürfte es im Juli gewesen sein.
Ein weiterer Faktor, der den Preisanstieg begünstigt habe, seien Sorgen über die Verfügbarkeit von Palladium, schreiben die UBS-Experten. So habe Trump gedroht, Käufer von russischen Waren mit Sekundärzöllen zu belegen. Russland ist der weltweit größte Palladiumproduzent.
Die UBS-Experten rechnen zwar mit etwas höheren Preisen, bleiben aber langfristig bei ihrer negativen Einschätzung. Denn 80 Prozent der Palladiumnachfrage entfalle auf Hersteller von Autokatalysatoren. Weil diese in Fahrzeugen mit Verbrennermotor verbaut sind, die Autobranche aber immer mehr Elektroautos produziert, dürfte der Bedarf an Palladium sinken.
Profiteur der Geopolitik: europäisches Gas
Den dritten Platz belegte im Juli der für das europäische Preisniveau richtungsweisende Terminkontrakt für Gas, Amsterdam TTF. Er verteuerte sich um rund 7,6 Prozent.
Grund dafür waren vor allem geopolitische Entwicklungen, wie UBS-Analystin Nayoung Kim schreibt. So hat Trump sein Ultimatum an Russland vorgezogen. Sollte bis zum 8. August kein Waffenstillstand mit der Ukraine erreicht werden, sollen Länder, die russische Energieprodukte importieren, mit Sekundärzöllen belegt werden. Das könnte Gas aus Russland indirekt verteuern.
Zudem habe ein starkes Erdbeben vor der Küste der russischen Halbinsel Kamtschatka die Preise gestützt, da es Sorgen um die Exporte von Flüssiggas (LNG) von der nahen Insel Sachalin auslöste und um die Atomstromerzeugung Japans, das ebenfalls von dem Erdbeben betroffen war. Zudem würde in Asien wegen überdurchschnittlich hoher Temperaturen mehr Energie benötigt, was eine stärkere LNG-Nachfrage erwarten lasse.
Die kurzfristige Preisspitze ändere aber nichts an den Fundamentaldaten, betont Kim. Und die sehen eher entspannt aus: Mehrere neue LNG-Projekte sind in Produktion gegangen und die EU-Gasnachfrage lag im Juni etwa 15 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Verlierer des Monats: US-Gas
Während europäisches Gas vor allem zum Monatsende stieg, gab sein Pendant aus den USA deutlich nach. Die Preise für US-Erdgas sind im Juli um rund zehn Prozent gesunken.
Grund dafür sind milde Wetterbedingungen vor Ort und eine gestiegene Erdgasproduktion, wie die Rohstoffdatenbank Kpler in einer Analyse schreibt.
Dass die EU dieses Volumen in so kurzer Zeit erreichen kann, ist aber kaum vorstellbar. Im vergangenen Jahr beliefen sich laut Bloomberg die gesamten Energieimporte aus den USA auf weniger als 80 Millionen US-Dollar.
Erhöhen könnte Europa vor allem seine Importe von US-Flüssiggas. Denn die EU bemühe sich, die verbleibenden Importe von russischem Gas auslaufen zu lassen, und kaufe daher bereits viel LNG aus den USA, wie Natasha Fielding, Gasmarkt-Expertin bei der Preisberichtsagentur Argus Media, schreibt.