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Morning BriefingTrumps Wille, den Krieg zu beenden, ist Versprechen und Drohung gleichzeitig

Europa ist dem Ende des russischen Angriffskrieges näher als in den letzten Monaten. Doch zu welchem Preis? Es droht ein transatlantisches Zerwürfnis.Teresa Stiens 14.08.2025 - 06:24 Uhr
Morning Briefing

Geopolitik: Die Angst vor Trumps Versprechen

14.08.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!

Gibt es Hoffnung auf einen Frieden in der Ukraine? Und wenn ja, was für ein Frieden wäre das? Den Antworten auf diese Fragen ist Europa in diesen Tagen näher als in den vielen langen Kriegsmonaten zuvor. Dass der US-Präsident Donald Trump den russischen Angriffskrieg beenden will, klingt nach einem Versprechen und nach einer Drohung gleichzeitig.

Die Sorge der Europäer lautet, dass Putin Trump Zugeständnisse abringt, denen die Ukraine und Europa nicht zustimmen können – und damit einen Keil in das transatlantische Bündnis treibt. Das könnte zum Beispiel passieren, wenn Trump und Putin vereinbaren, dass die Ukraine nicht der EU beitreten darf oder entmilitarisiert wird, warnen Diplomaten.

Militärbasis Elmendorf-Richardson: Hier laufen die Vorbereitungen auf das Trump-Putin-Treffen. Foto: REUTERS

Um diese Sorgen noch vor dem Alaska-Treffen zwischen Trump und Putin anzubringen, hatten sich die Ukraine, Deutschland und weitere EU-Staaten gestern zu einer Videokonferenz mit dem US-Präsidenten verabredet. Trump habe den Sorgen der Europäer aufmerksam zugehört, hieß es nach der Videoschalte. Ob es ihnen gelungen ist, Trump davon zu überzeugen, keine Vereinbarung über die Köpfe der Ukrainer und der Europäer hinweg zu treffen, bleibt allerdings erst einmal offen.

Die Retourkutsche aus dem Süden

Nach dem Vorstoß der norddeutschen Bundesländer, den deutschlandweit einheitlichen Strompreis aufzukündigen, kam umgehend und wenig überraschend die Retourkutsche aus dem Süden. Immerhin hat das Thema es geschafft, Grüne und Konservative zu einen. Die Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) und Markus Söder (CSU) sprachen gegenüber dem Handelsblatt mit einer Stimme und verkündeten:

Von diesem Vorschlag halten wir gar nichts, und deswegen werden wir uns mit aller Macht dagegenstellen.

Die Absage war vorhersehbar, schließlich würden vor allem Bayern und Baden-Württemberg den Abschied von einem einheitlichen Strompreis teuer bezahlen. Einen Seitenhieb in Richtung Norden konnten sich die beiden nicht verkneifen. Eine Schwächung der wirtschaftlich starken Regionen im Süden und Westen durch höhere Strompreise könne nicht im Interesse der norddeutschen Bundesländer liegen, hieß es. Bedeutet übersetzt: Wir sind wirtschaftlich stärker als ihr und tragen den Länderfinanzausgleich, also seid lieber mal ganz leise.

Die teuren Garantien der Bundesregierung

Manche Fehler sind teuer und andere sind ganz besonders teuer. In letztere Kategorie fällt wohl die Unterstützung der Bundesregierung für ein Werk des Batterieherstellers Northvolt im schleswig-holsteinischen Heide. Denn mittlerweile ist Northvolt insolvent, das Werk ist nie gebaut worden und die ganze Geschichte wird für den Bund immer kostspieliger.

Northvolt Logo: Das Ende von Northvolt wird für den Bund immer kostspieliger. Foto: dpa

Neben Staatshilfen von 600 Millionen Euro hatte die damalige Bundesregierung nämlich eine Garantie von 80 Prozent für Bankkredite an Northvolt in Höhe von 525 Millionen US-Dollar übernommen, wie mein Kollege Julian Olk herausgefunden hat. Neben den bisher bekannten 600 Millionen Euro könnten dem deutschen Steuerzahler also weitere etwa 300 Millionen verloren gehen.

Die Grünen hadern mit ihrer Situation

Wenn die Schatzmeisterin einer Partei den Ausdruck benutzt „Das ist ein Fuck-up-Scheißtag“, dann liegt etwas gehörig im Argen. Bei den Grünen war der 23. Juli der Tag, der diese Wortwahl zu rechtfertigen schien. Nur eine halbe Stunde brauchte es, um den Teilabbruch der grünen Geschäftsstelle zu verkünden. Bei dem Treffen am Berliner Platz vor dem Neuen Tor hieß es: Zahlreiche befristete Verträge werden nicht verlängert.

Es geht nicht nur um Arbeitskräfte. Nachdem sie im Frühjahr aus der Regierung geflogen ist, sucht die Partei ihre Rolle in der Opposition. Die Stimmung ist aufgewühlt, unterschiedliche Strömungen konkurrieren um die künftige Ausrichtung. Es geht um Inhalte, um Führungsrollen und um die harte Realität, nicht mehr Teil der Regierung zu sein.

Wenn die Gründer geschasst werden

In der Wirtschaftsgeschichte gibt es einige bekannte Beispiele für Gründer, die später aus ihren eigenen Unternehmen gedrängt wurden. Martin Eberhard bei Tesla ist so ein Beispiel oder Andrew Mason bei Groupon. Ein ähnliches Schicksal könnte jetzt auch den beiden Gründern von N26 drohen. Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal stehen bei der Berliner Smartphonebank offenbar vor dem Aus.

Valentin Stalf (l.) und Maximilian Tayenthal: Manche Investoren sehen die N26-Chefs kritisch. Foto: picture alliance / HANS KLAUS TECHT / APA / picturedesk.com

Die Kritik an den beiden Gründern hat Finanzkreisen zufolge vor allem aufgrund der erneuten Mängelliste der Finanzaufsicht Bafin zugenommen. Handelsblatt-Finanzreporterin Yasmin Osman hält den möglichen Abschied von Stalf und Tayenthal für richtig. Visionen, Risikobereitschaft und Selbstvertrauen hätten die beiden genug. Sie gibt aber zu bedenken:

Wenn Fintechs wachsen, braucht es irgendwann auch langweilige, bürokratische Kompetenzen wie eine stabile Organisation und gute Strukturen.

Das gelte besonders im streng regulierten Bankenwesen. Die beiden Gründer scheinen das, laut Analyse meiner Kollegin, allerdings nicht verinnerlicht zu haben. Manchmal sei das Mutigste, was Gründer tun könnten, zu erkennen, wann es im Sinne ihres Unternehmens sei, loszulassen.

Der Milliardenbluff um den Internetbrowser

34,5 Milliarden Euro für einen Internetbrowser – das klingt ganz und gar verrückt. Doch es liegt tatsächlich ein formales Angebot in dieser Höhe des US-Start-ups Perplexity für die Übernahme von Google Chrome vor. Google könnte genötigt sein, Chrome zu verkaufen, da gegen den Techgiganten ein Kartellverfahren läuft. Doch dass Perplexity tatsächlich zum Käufer werden könnte, hält Handelsblatt Technologie-Reporter Stephan Scheuer für sehr unwahrscheinlich.

„Das Angebot klingt wie Größenwahn – und ist doch vor allem ein geschickter Schachzug“, kommentiert er. Der Vorstoß folge einem bekannten Muster. Auch als die US-Regierung die Videoplattform Tiktok zum Verkauf ihres Geschäfts in den USA drängen wollte, brachte sich der Perplexity-Chef als Käufer ins Spiel. „Es ist ein kalkulierter Bluff – und die Branche fällt verlässlich darauf herein“.

Fleisch kehrt zurück auf die Speisekarte

Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick auf die New Yorker Sterneküche. Dort hat sich der Küchenchef Daniel Humm aus der Schweiz entschieden, in Zukunft wieder Fleisch zu servieren, nachdem er sich über vier Jahre einen Ruf als veganer Sternekoch erarbeitet hatte. Der „New York Times“ berichtete er, es sei zunehmend schwierig geworden, kreative und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige vegane Menüs anzubieten.

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Humm war es trotz viel Skepsis aus der Branche gelungen, seine drei Michelin-Sterne zu halten. Vermutlich denkt er sich jetzt im Stillen: Ein Restaurant zu betreiben könnte so schön sein – wenn nur die nervigen Kunden nicht wären.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag ganz nach Ihrem Geschmack.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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