Geldpolitik: Schwedens Zentralbank hält Zins konstant und folgt dem Trend
Düsseldorf. Die schwedische Zentralbank verzichtet vorerst auf eine erneute Zinssenkung, stellt jedoch einen weiteren Schritt bis Jahresende in Aussicht. Die zuletzt hohe Inflation rücken die Währungshüter damit im Anschluss an ihre Sitzung in dieser Woche in den Hintergrund. Der Leitzins in Schweden liegt bei 2,0 Prozent. Auf diesem Niveau wird die Wirtschaft weder gebremst noch angeschoben.
Zwar sei der Preisdruck derzeit stärker als erwartet und erfordere „Wachsamkeit“, räumte die Riksbank in ihrer Erklärung am Mittwoch ein. Das sei jedoch auf temporäre Faktoren zurückzuführen. „Diverse Indikatoren“ würden darauf hindeuten, dass die Inflationsrate auf den Zielwert von zwei Prozent zurückfällt. Experten bewerten das ähnlich. Daher sieht die Riksbank weiter eine „gewisse Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinssenkung in diesem Jahr“.
Die Inflationsrate ist im Juli auf 3,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat angestiegen, der höchste Stand im Jahr 2025. Die um den schwankungsreichen Posten Energie bereinigte Rate lag sogar bei 3,1 Prozent. Letztmals wurde das Zwei-Prozent-Ziel im Dezember des vergangenen Jahres erreicht. Schweden verwendet im Vergleich zur Europäischen Zentralbank (EZB) ein leicht verändertes Inflationsmaß.
Parallel dazu ist die Wachstumsdynamik auch in Schweden sehr verhalten. Die privaten Haushalte halten sich mit Ausgaben zurück, während Unternehmen durch Zölle und geopolitische Unsicherheit belastet werden. Geringere Kreditkosten sollen dem entgegenwirken.
Manche Beobachter erwarten daher bereits eine Zinssenkung bei der Sitzung im September, wenn die Riksbank neue Projektionen zu Inflation und Wachstum vorlegt. Andere gehen erst von einem Schritt im Dezember aus. Die Experten von Capital Economics hingegen erwarten, dass keine weitere Senkung erfolgt.
Riksbank und EZB agieren ähnlich
Das Verhalten der schwedischen Zentralbank weist Parallelen auf zur EZB. Die Riksbank leitete die Zinswende kurz vor der EZB ein und senkte den Leitzins kontinuierlich von vier auf zwei Prozent, ähnlich wie die Währungshüter im Euro-Raum. Zwischendurch wählte sie, anders als die EZB, einen Schritt im Umfang von 50 Basispunkten.
Die EZB entscheidet Mitte September wieder über das Zinsniveau. Auch hier rechnen Beobachter mehrheitlich mit einer weiteren Zinspause. Die Erwartungen haben sich in den vergangenen Wochen in diese Richtung verschoben.
Im Allgemeinen sinkt das Tempo der geldpolitischen Lockerung weltweit, stellen Experten von Goldman Sachs fest. Die stärksten Senkungen gab es zuletzt in Russland, der Türkei und Rumänien.
Entgegen dem globalen Trend hat die Zentralbank von Neuseeland die Zinsen am Mittwoch gesenkt, um 25 Basispunkte auf 3,0 Prozent. Auch dieser Schritt war erwartet worden. Die Währungshüter zogen sogar erneut einen Schritt im Umfang von 50 Basispunkten in Erwägung und passten ihre Erwartungen für die weitere Entwicklung nach unten an. Die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) hat die Zinsen in einem Jahr um 2,5 Prozentpunkte gesenkt.