Luftfahrt: Musk will Kooperationen für Starlink sichern
New York. Über den Wolken mag die Freiheit grenzenlos sein, das Internet ist dort meist instabil. Mit seinem Satellitennetzwerk Starlink will US-Milliardär Elon Musk das ändern und hat dafür zuletzt namhafte Kunden gewonnen – von Air France über Qatar Airways bis hin zu United Airlines.
Am Mittwoch verkündete Alaska Air, das ab dem kommenden Jahr das Internet von Starlink an Bord der Flieger verfügbar sein soll. Atlantic schloss Anfang Juli einen Vertrag über die Nutzung des Satellitennetzwerks, das zu SpaceX gehört.
Doch Musk hat ein noch größeres Ziel im Auge: den Nahen Osten, die Heimat einiger der größten Fluggesellschaften der Branche und ein globales Drehkreuz für Langstreckenflüge. SpaceX ist im Gespräch mit Emirates, der in Dubai ansässigen Fluggesellschaft, die über die weltweit größte Langstreckenflotte von Boeing und Airbus verfügt, wie Bloomberg berichtet.
Ein stabiler Zugang zum Internet ist für viele Passagiere ein Grund, sich für eine Fluggesellschaft zu entscheiden. Im 100-Milliarden-Dollar-Markt der Satellitenkommunikation spielen die Airlines darum eine wichtige Rolle.
Das kostet Starlink für die Airlines
Mit rund 8.000 Satelliten bietet SpaceX aktuell die schnellste mobile Internetverbindung der Branche. Laut dem Analysten Louie DiPalma von William Blair sind Starlink-Luftfahrtterminals billiger als einige Konkurrenzprodukte und benötigen laut United Airlines weniger Zeit für die Installation.
Ein Terminal von der Größe eines Pizzakartons wird an einem Flugzeug befestigt und stellt eine Verbindung zu den Satelliten her, die sich in einer Höhe von etwa 560 Kilometern über der Erde in der so genannten erdnahen Umlaufbahn (LEO) bewegen.
Das Unternehmen verkauft seine Starlink-Technologie über ein Abonnementmodell, bei dem die Fluggesellschaften für die Installation der Hardware und einen zusätzlichen monatlichen Preis für die Konnektivität pro Sitzplatz zahlen.
So kostet die Installation von Starlink in einer Boeing 737 etwa 300.000 Dollar, während ein größeres 787-Dreamliner-Modell mit 500.000 Dollar pro Flugzeug zu Buche schlägt, wie aus einem von Bloomberg eingesehenen Dokument hervorgeht.
Die monatlichen Preise pro Sitzplatz können von vielen Faktoren abhängen, unter anderem von der Länge des Vertrags, den eine Fluggesellschaft zu unterzeichnen bereit ist. In einigen Fällen wurde jedoch vereinbart, dass Starlink seinen Dienst für etwa 120 Dollar pro Sitzplatz und zusätzlich 120 Dollar für Live-Fernsehen verkauft, so eine der Personen.
Konkurrenz rüstet sich gegen Starlink
Im Vergleich zur etablierten Konkurrenz hat Starlink Vorteile: Betreiber wie Viasat und SES setzen auf weniger, aber leistungsfähigere Satelliten, die sich etwa 65 Mal höher als die Starlink-Satelliten in einer geostationären Umlaufbahn befinden. Da diese Satelliten weiter von der Erde entfernt sind, müssen die Daten eine viel längere Strecke zurücklegen, was manchmal zu einer langsamen Internetverbindung auf Flügen führt.
Angesichts der Nachfrage nach Breitbandgeschwindigkeiten an jedem beliebigen Ort orientieren sich die etablierten Satellitenbetreiber darum nun an dem Konzept von SpaceX.
EchoStar, Viasat und SES haben damit begonnen, Multi-Orbit-Lösungen direkt an Fluggesellschaften zu vermarkten, indem sie Kapazitäten aus verschiedenen Satellitenkonstellationen in geostationären und erdnahen Umlaufbahnen zusammenführen.
Ein Multi-Orbit-System „bietet Ausfallsicherheit, es bietet Konsistenz, es bietet dem Netzbetreiber die Möglichkeit, sich an wechselnde Umgebungen wie das Wetter oder eine Konzentration von Flugzeugen in bestimmten Teilen der Welt anzupassen“, sagte Andrew Ruszkowski, globaler Leiter der Luftfahrt bei SES.
In den vergangenen Monaten hat Viasat Verträge mit American Airlines und Riyadh Air über die Bereitstellung von Konnektivität während des Fluges bekannt gegeben. Intelsat, das im Juli von SES übernommen wurde, gab Partnerschaften mit Thai Airways International und dem Flugzeughersteller Embraer bekannt.
Musk ist auch für Starlink ein Geschäftsrisiko
Große US-Airlines wie Delta Air Lines und JetBlue Airways sind bislang zurückhaltend gegenüber Starlink. Sie fürchten, mit einem Deal auch US-Präsident Donald Trump zu verärgern. Schließlich hatte SpaceX-Chef Musk zuletzt mit dem Präsidenten gebrochen.
Das politische Engagement von Firmenchef Musk bremst auch Starlink, sagen Experten. „Es gibt eine erhöhte Sensibilität gegenüber all diesen politischen Auswirkungen, wie man an den sinkenden Verkaufszahlen von Tesla-Autos sehen kann“, sagte Technologieberater Tim Farrar, Analyst bei TMF Associates.
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Starlink drängt bei Verträgen mit den Airlines darauf, die gesamte Flotte mit dem Satelliten-Internet auszustatten und es auch allen Passagieren kostenlos zugänglich zu machen. Die Airlines wollen Internet dagegen meist als Bonus für ihre Vielfliegerprogramme anbieten.
Und auch technisch ergeben sich neue Probleme: Anfang Juni bestätigte United Airlines, dass es mitunter zu statischen Interferenzen mit ihrem Starlink-System gekommen sei, wodurch das Wlan in zwei Dutzend Regionalflugzeugen vorübergehend abgeschaltet wurde. Mittlerweile hat United das Problem behoben und bietet Starlink auf 60 seiner regionalen Embraer-Flugzeuge an.
Starlink ist in vielen Ländern nicht zugelassen, was bedeutet, dass die Fluggesellschaften das Internet vor der Landung abschalten müssen, so Luftfahrtverantwortliche. Und in den kommenden Jahren sollen weitere Konkurrenten Starlink herausfordern, darunter Lightspeed von Telesat oder das Projekt Kuiper von Amazon, das von Musk-Rivale Jeff Bezos vorangetrieben wird.
Erstpublikation: 21.08.2025, 07:36 Uhr.