Peter Prange: „Fleiß, Wettbewerb, Leistung, das alles geht zu schnell verloren“
Herr Prange, viele kennen Sie als Autor großer historischer Romane. Ihr neues Werk überrascht, weil im Mittelpunkt nicht Adelige oder Politiker stehen, sondern Unternehmerfamilien. Warum?
Weil die Epoche ohne diese Unternehmer gar nicht denkbar ist. Wir sprechen ja nicht zufällig von der „Gründerzeit". In diesen Jahrzehnten entstanden völlig neue Industrien, entstanden Familienfirmen, die unsere Wirtschaft bis heute prägen. Zugleich wollte ich aufräumen mit dieser verklärten Vorstellung, die wir oft vom Kaiserreich haben. Wenn wir an die wilhelminische Zeit denken, haben wir Bälle im Dreivierteltakt vor Augen, mondäne Salons und ein paar Pickelhauben. Aber in Wahrheit war es eine wahnsinnig dynamische, beschleunigte Zeit: Eisenbahnen, Telefone, Aufzüge, Autos – alles wurde schneller. Selbst das Mittagessen. Auguste Escoffier, der erste wirkliche Spitzenkoch der Welt, führte in London das „One-Hour-Lunch“ für Geschäftsleute ein. Tempo, Tempo, Tempo – das war der Sound dieser Jahre.
Klingt ein wenig wie heute…
Ich schreibe nicht um der ollen Kamellen willen. Geschichte hat mich persönlich als Schüler und Student nicht sonderlich interessiert. Was mich aber immer interessiert hat: wie die Menschen Geschichte erlebt haben und wie sie sich innerhalb von Geschichte mit ihrer individuellen Geschichte bewähren mussten. Wenn es uns allen gut geht, dann können wir immer leicht gute Menschen sein. Aber wie Menschen wirklich sind, das zeigt sich im Gegenwind der Geschichte.