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FamilienunternehmenGoldbeck wächst bei Aufträgen, verliert beim Umsatz

Das größte familiengeführte Bauunternehmen Deutschlands profitiert trotz Konjunkturflaute von neu entdeckten Märkten – und prüft gerade Engagements außerhalb Europas.Anja Müller 19.09.2025 - 09:26 Uhr Artikel anhören
Goldbeck-Geschäftsführung: Jörg-Uwe (2. v. l.) und Jan-Hendrik Goldbeck (Mitte) führen das Familienunternehmen gemeinsam mit drei weiteren Geschäftsführern. Foto: Goldbeck

Düsseldorf. Im vergangenen Geschäftsjahr, das Ende März 2025 endete, hat Goldbeck 6,3 Milliarden Euro Umsatz erzielt, 1,6 Prozent weniger als im Geschäftsjahr zuvor. Das teilte das Bielefelder Bauunternehmen am Dienstagnachmittag mit. Goldbeck verzeichnet damit den zweiten Umsatzrückgang in Folge.

Aber: Der Auftragseingang für das laufende Geschäftsjahr liegt mit sieben Milliarden Euro auf Rekordhoch. Dieser belege „die Resilienz des Unternehmens“ und die hohe Nachfrage nach seinen Produkten, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Jörg-Uwe Goldbeck. Er rechnet im laufenden Geschäftsjahr wieder mit einem leicht höheren Umsatz.

Goldbeck führt das Familienunternehmen seit 2007 gemeinsam mit seinem Bruder Jan-Hendrik. Sie haben den Umsatz seitdem versechsfacht. Zum Gewinn schwiegen die beiden Unternehmer. Sie verrieten nur, dass er dieses Mal geringer ausgefallen sei als im vergangenen Jahr. Damals hatte Jan-Hendrik Goldbeck lediglich gesagt, man müsse ihn „nicht mit der Lupe suchen“.

Goldbeck habe viel investiert, urteilt ein Branchenexperte, und sei so innovativer und besser aufgestellt als viele kleinere Unternehmen der Branche. Goldbeck ist vom Umsatz her das drittgrößte Bauunternehmen Deutschlands nach Hochtief und Strabag.

Goldbeck wurde mit seriellem Bauen groß

Die Resilienz von Goldbeck hängt aber auch damit zusammen, dass sich die beiden Brüder im Laufe der Zeit zunehmend für neue Produkte und Märkte in der Bauwirtschaft geöffnet haben.

Die Grundidee, die Vater Ortwin ersonnen hatte: Goldbeck fertigt in den eigenen Fabriken Bauteile, die auf den Baustellen nur noch montiert werden. So wird die Bau- und Arbeitszeit verkürzt.

Anfangs fertigte Goldbeck Produktions- und Lagerhallen sowie Parkhäuser, die Goldbeck selbst betreibt. Der Markt für den Hallenbau – immer noch der wichtigste Geschäftsbereich – sei allerdings im vergangenen Jahr deutlich rückläufig gewesen, sagt Jörg-Uwe Goldbeck.

Und: „Aktuell ist die Stimmungslage in der Wirtschaft noch schlecht“, ergänzt er. Die Firmen investierten gerade nicht so viel in neue Produktionsstätten oder Lagerhallen. Daher sei es wichtig, so der Unternehmer, sich auf andere Produkte zu fokussieren.

Marie-Curie-Schule in Leipzig: Goldbeck baut zunehmend auch Schulen. Foto: Goldbeck

Seit einigen Jahren bietet Goldbeck zudem seriellen Bau von Wohnungen, öffentlichen Gebäuden wie Schulen und zunehmend von Rechenzentren an. Zuletzt hat Goldbeck sein erstes Hochhaus mit zwölf Stockwerken gebaut.

Das Unternehmen will auch Wohnquartiere entwickeln

Insgesamt hat Goldbeck im vergangenen Geschäftsjahr 800 Wohnungen gebaut. Das gemeinsam mit dem Projektentwickler Bauwens betriebene Projekt auf dem Gelände des früheren Schwimmbads „Blub“ in Berlin soll allein 860 Wohnungen beherbergen und ebenfalls bald fertig werden. Zudem arbeitet Goldbeck daran, Wohnquartiere zu entwickeln, die gemischte Nutzungen mit Büros und Parkhäusern ermöglichen, aber auch sozialen Wohnungsbau und zugleich Nachhaltigkeitslösungen wie Solaranlagen integrieren.

Der Bedarf an Wohngebäuden ist nach wie vor enorm, hierzulande fehlen laut Experten rund 700.000 Wohnungen. Im vergangenen Jahr wurden gerade einmal 252.000 gebaut, in diesem Jahr werden es nach Schätzungen von Michael Voigtländer, Immobilienexperte vom Institut der deutschen Wirtschaft, nur rund 230.000 neue Wohnungen werden. Im kommenden Jahr aufgrund der geringeren Anzahl von Genehmigungen wahrscheinlich nur knapp 200 000 Wohnungen.

Voigtländer sagt, dass die Zahl der Baugenehmigungen aktuell zwar leicht gestiegen sei, aber: „Es ist ein Aufschwung ohne Schwung, es geht im Schneckentempo.“ Die Voraussetzungen für serielles Bauen würden nicht geschaffen. Oft scheitere es an den unterschiedlichen Bauordnungen von einzelnen Kommunen und Ländern.

In den Niederlanden sei es viel leichter: „Was man in Utrecht baut, kann man in Rotterdam auch bauen, das gilt aber längst nicht für München und Hamburg.“ Unternehmen, die ihre Kostenvorteile durch das serielle Bauen realisierten, bremse das aus.

50 Rechenzentren für die Deutsche Bahn werden gebaut

Goldbeck stellte dennoch im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 480 Projekte fertig. Zu den bekanntesten zählt die neue Produktionsstätte für die F-35A-Tarnkappenjets des Rüstungskonzerns Rheinmetall. In der Region um den Standort Weeze sollen mehr als 400 Arbeitsplätze entstehen.

F-35 Kampfjet: In Weeze baute Goldbeck eine Fabrik für Rheinmetall, die im Juli fertiggestellt wurde. Foto: REUTERS

Die nächsten Großprojekte sind bereits gestartet: darunter 50 baugleiche Rechenzentren für die Deutsche Bahn, 60 Gebäude für das Technische Hilfswerk und zehn Trainingszentren für den Zoll. Diese Projekte hatte das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr angekündigt.

Zudem hat Goldbeck im abgelaufenen Geschäftsjahr 87 Projekte revitalisiert, also renoviert und so neue Nutzungen ermöglicht. Energetische Sanierungen werden für das Unternehmen, das sich zunehmend auch als Dienstleister sieht, wichtiger.

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Goldbeck ist mit 118 Standorten in 21 Ländern präsent, zwei Drittel des Umsatzes macht das 1969 gegründete Familienunternehmen hierzulande, das übrige Drittel im europäischen Ausland. Derzeit prüfen die Goldbecks auch Engagements im Mittleren Osten und in den USA. Erst im kommenden Jahr, sagt Jan-Hendrik Goldbeck, könne man sehen, ob man dort wirklich „Mehrwert“ liefern könne. Scouts hat das Familienunternehmen bereits entsandt.

Erstpublikation: 16.09.2025, 18:27 Uhr.

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