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WagniskapitalFortsetzungsfonds sind die neue Rettung für Start-ups

Mit einem neuen Fonds-Vehikel verschaffen sich Investoren mehr Zeit, um Beteiligungen an die Börse zu bringen. Geldgeber wie Lakestar und Speedinvest setzen darauf. Bald dürften weitere folgen.Nadine Schimroszik 09.09.2025 - 15:00 Uhr Artikel anhören
Speedinvest gehört zu den frühen Investoren der Wiener Kryptoplattform Bitpanda. Foto: IMAGO/Zoonar

Berlin. Der Risikokapitalgeber Speedinvest könnte Trendsetter werden für ein neues Fondsvehikel, das in Deutschland gerade an Beliebtheit gewinnt: die „Continuation-Fonds“ (Fortsetzungsfonds). Bisher sind sie vor allem aus den USA und der Private-Equity-Branche bekannt. Nun erkennen auch Start-up-Investoren, dass sie darüber den Liquiditätsmangel beseitigen können, unter dem sie seit Jahren leiden.

„Die mangelnde Liquidität ist die Achillesferse der Branche“, sagt Oliver Holle dem Handelsblatt. Denn Start-ups schaffen es oft erst deutlich später an die Börse oder in eine Übernahme, als ihre Investoren kalkuliert haben.

Holle gehört zu den erfahrensten Investoren in Europa, hat den Risikokapitalgeber (VC) Speedinvest gegründet und mit ihm in Milliarden-Start-ups investiert. Darunter befinden sich die Nachhilfeplattform Gostudent, der Kryptoanbieter Bitpanda aus Österreich und das nigerianische Fintech Moove.

Mit einem Fortsetzungsfonds können Investoren Beteiligungen länger halten – und verschaffen sich und den Start-ups mehr Zeit bis zum Börsengang oder zum geplanten Exit. Ausgewählte Portfoliounternehmen aus einem älteren VC-Fonds werden dafür in einen neuen Fonds übertragen.

Dafür wird frisches Geld eingesammelt. Altinvestoren haben die Möglichkeit auszusteigen, also Gewinne zu realisieren. Sie können sich aber auch für eine Verlängerung ihres Investments entscheiden.

Speedinvest will jetzt erstmals solch einen Fonds auflegen.

Liquidität trotz fehlender Börsengänge

Erst im August legte der von Klaus Hommels gegründete VC Lakestar einen Continuation-Fonds über 228 Millionen Euro auf. Lakestar ist unter anderem in das britische Fintech Revolut und das Münchener Spacetech Isar Aerospace investiert. Der Investor HV Capital nutzte dieses Vehikel bereits vor Jahren.

Wie der Datendienst Pitchbook vor einigen Monaten exklusiv für das Handelsblatt ermittelte, hat sich die Zahl der neu entstandenen Continuation-Fonds im vergangenen Jahr in Deutschland auf vier verdoppelt. Das ist ein deutlicher Trend, weil die Zahl der Risikokapitalgeber in Deutschland vergleichsweise niedrig ist.

„Die Fortsetzungsfonds erlauben es, die ursprünglich vereinbarte Fondslaufzeit zu verlängern“, erklärt Start-up-Experte Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Die typische Haltedauer für Start-up-Investoren wie Speedinvest, die bereits ganz früh bei Firmen einsteigen, liegt bei gut zehn Jahren. Danach wollen die Geldgeber der Investoren – die sogenannten Limited Partners (LPs) – ihren Einsatz zuzüglich Rendite gern zurückerhalten.

Experten rechnen mit Wachstum

Holle hat mit Speedinvest zwei Fortsetzungsfonds im Umfang von insgesamt 60 Millionen Euro aufgelegt. Einer der beiden Fonds wird federführend von Molten Ventures aus London finanziert. Mit dessen Kapital kann Speedinvest die vorigen LPs auszahlen.

Molten-Ventures-Chef Ben Wilkinson wiederum verspricht sich von dem neuen Investment direkten Zugang zu einer „Gruppe bewährter, wachstumsstarker Technologieunternehmen mit attraktiven Renditeprofilen“. Aufgenommen wurden fünf Portfoliounternehmen aus dem zweiten Speedinvest-Fonds von 2015. Welche genau, will Holle nicht sagen.

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Oliver Holle: Möglicher Trendsetter bei Continuation-Fonds. Foto: Speedinvest

Er verrät aber, dass die meisten Investoren im zweiten Fonds von Speedinvest Privatanleger waren. „Man kann als Investor nicht viel machen, wenn es keine Börsengänge gibt. Aber man kann intelligente Pakete schnüren“, sagt Holle mit Verweis auf die beiden neuen Finanzierungsvehikel.

Holle und Voigtländer gehen davon aus, dass auch andere Investoren in Europa bald Fortsetzungsfonds auflegen werden. „Diese Fonds werden nicht mehr als Notlösung eingeschätzt“, sagt Voigtländer. Stattdessen finde eine Normalisierung statt, die die absolute Zahl der Continuation-Fonds erhöhen werde.

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