Nikkei, Yen, Hang Seng: Japans Regierungskrise und Chinas Exporte bewegen asiatische Märkte
Tokio, Taipeh, New York. Die Aussicht auf sinkende Zinsen in den USA nach schwachen US-Jobdaten hat die Anleger an den asiatischen Aktienmärkten zu Wochenbeginn optimistisch gestimmt. Gleichzeitig setzte der Rücktritt des japanischen Ministerpräsidenten Shigeru Ishiba den Yen unter Druck.
Der Yen gab am Montag in der Spitze um knapp ein Prozent nach und notierte zuletzt 0,5 Prozent niedriger gegenüber dem Dollar bei 148,09. Zum Euro fiel die japanische Währung auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr.
Investoren befürchteten, dass Ishiba durch einen Befürworter einer lockereren Finanz- und Geldpolitik aus der Regierungspartei LDP ersetzt wird. „Da die LDP keine klare Mehrheit hat, werden die Anleger vorsichtig sein, bis ein Nachfolger bestätigt ist, was die Volatilität bei Yen, Anleihen und Aktien hoch hält“, sagte Charu Chanana, Stratege bei Saxo.
Die Renditen für japanische Staatsanleihen mit sehr langer Laufzeit bewegen sich deswegen bereits in der Nähe von Rekordhochs. „Die Märkte werden dies unter dem Gesichtspunkt betrachten, was es für die Fiskalpolitik, die Inflation und die Reaktion der BoJ bedeutet“, sagte Kyle Rodda, leitender Finanzmarktanalyst bei Capital.com.
Schwache Außenhandelszahlen für China zeigen derweil, wie deutlich die Volksrepublik unter dem Zollkonflikt mit den USA leidet.
- Der japanische Leitindex Nikkei stieg um 1,4 Prozent auf 43.619 Punkte.
- Der breiter gefasste Topix erreichte ein Rekordhoch bei 3142 Punkten.
- Die Börse in Shanghai und der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen machten anfängliche Verluste wieder wett und legten leicht zu.
Exportwachstum auf Sechsmonatstief
Das Wachstum der chinesischen Exporte verlangsamte sich im August überraschend und enttäuschte damit die Erwartungen von Analysten. Die Ausfuhren stiegen im Jahresvergleich um 4,4 Prozent, wie die Zollbehörde am Montag mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem Plus von fünf Prozent gerechnet, nachdem im Juli noch ein Zuwachs von 7,2 Prozent verzeichnet worden war. Auch die Einfuhren legten mit 1,3 Prozent schwächer zu als erwartet.
Grund für die Abkühlung waren weniger Lieferungen in die USA, da der positive Effekt einer vorübergehenden Aussetzung der Zölle mit dem wichtigsten Handelspartner nachlässt. Der Handelsüberschuss belief sich im August auf 102,3 Milliarden Dollar. Die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump, die von mehreren Runden gegenseitiger Zollerhöhungen geprägt ist, setzt die exportorientierte Wirtschaft Chinas unter Druck. Ein Besuch des chinesischen Chefunterhändlers Li Chenggang in Washington im vergangenen Monat blieb weitgehend ergebnislos.
Zudem gingen die Containertransporte von China in die USA weiter zurück. Chinesische Hersteller versuchen zwar, ihre Waren verstärkt in andere Märkte in Asien, Afrika und Lateinamerika zu verkaufen. Jedoch kann kein anderes Land die Kaufkraft der USA ersetzen, die einst chinesische Waren im Wert von über 400 Milliarden Dollar pro Jahr abnahmen.
Die schwachen Daten schüren die Erwartung, dass die Regierung in Peking im vierten Quartal weitere Konjunkturhilfen beschließen könnte, um die Binnennachfrage anzukurbeln und die schwächelnden Exporte auszugleichen. Allerdings scheint die politische Führung bei der Vergabe von Subventionen zuletzt zurückhaltender zu sein.
In Südkorea zeigte sich der Aktienmarkt ebenfalls fester. Gefragt waren vor allem Bauunternehmen. Für Rückenwind sorgte ein Maßnahmenpaket der Regierung, das den Bau bezahlbarer Wohnungen unterstützen soll, indem Grundstücke staatlicher Bauträger genutzt werden. Dagegen gerieten Autohersteller wie Hyundai und das Schwesterunternehmen Kia nach Razzien in einer US-Produktionsstätte unter Druck.