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KonjunkturChinas Export schwächelt – US-Markt bleibt größte Herausforderung

Der Zollstreit belastet Chinas Ausfuhren wieder stärker. Das zeigen die Außenhandelszahlen von August. Die zweitgrößte Volkswirtschaft steht unter akutem Handlungsdruck.Martin Benninghoff 08.09.2025 - 06:51 Uhr Artikel anhören
Container, soweit das Auge reicht: Shanghai hat einen der größten Containerhäfen der Welt. Foto: Uncredited/CHINATOPIX/AP/dpa

Shanghai. Chinas Außenhandel sendet neue Warnsignale. Die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft sind im August schwächer gestiegen als erwartet – ein Rückschlag für die exportorientierte Industrie des Landes, die unter dem anhaltenden Zollstreit mit den USA leidet.

Nach Angaben der Zollbehörde von Montag legten die Exporte im Jahresvergleich lediglich um 4,4 Prozent zu. Analysten hatten mit einem Plus von fünf Prozent gerechnet, im Juli hatte das Wachstum sogar noch bei 7,2 Prozent gelegen. Auch die Importe enttäuschten mit einem Zuwachs von nur 1,3 Prozent.

Der Handelsüberschuss belief sich im August zwar immer noch auf 102,3 Milliarden US-Dollar, allerdings hat die Wachstumsdynamik merklich nachgelassen. Hauptgrund sind die rückläufigen Lieferungen chinesischer Unternehmen in die USA. Die Exporte dorthin brachen im Jahresvergleich um rund 33 Prozent ein. Der kurzzeitige Entlastungseffekt, den die zeitweise Aussetzung einzelner Zölle gebracht hat, ist weitgehend verpufft.

Hohe Abhängigkeit vom US-Markt

Die von gegenseitigen Strafmaßnahmen geprägte Handelspolitik bleibt damit für China eine schwere Bürde. Daran änderte auch der jüngste Besuch des chinesischen Chefunterhändlers Li Chenggang in Washington Ende August nichts.

Zwar hatten sich beide Länder Mitte August darauf geeinigt, ihre gegenseitigen Zollerhöhungen um weitere 90 Tage auszusetzen. Doch trotzdem gelten hohe Abgaben, die den Handel belasten: 30 Prozent auf chinesische Exporte in die USA und zehn Prozent auf amerikanische Exporte nach China.

Im Transportsektor zeigen sich die Folgen: Die Zahl der Container, die von chinesischen Häfen in Richtung USA verschifft werden, ist weiter gesunken. Im August fiel der „China Export Containerized Freight Index“ (CCFI) für die US-Westküste um 16,6 Prozent, für die Ostküste sogar um 20,2 Prozent im Monatsvergleich.

Unternehmen versuchen zwar, ihre Waren verstärkt in andere Märkte umzuleiten, nach Südostasien, Südamerika oder auch Europa. Doch auch anderswo erschweren neue Importrestriktionen die Einfuhr chinesischer Waren. Zudem ist der amerikanische Markt nicht leicht zu ersetzen.

Politisch verordnete Diversifizierung läuft

Damit verschärft sich ein Dilemma, das Chinas staatliche Wirtschaftsplaner seit Jahren beschäftigt: Die Abhängigkeit vom US-Markt ist hoch, zugleich wächst die politische Konfrontation. Peking treibt die Diversifizierung seiner Handelsströme deswegen voran, etwa durch regionale Kooperationen seiner Belt-and-Road-Initiative oder mit den Partnern innerhalb der Bündnisse BRICS oder der Shanghai-Organisation für Zusammenarbeit SOZ. Letztere hat in der vergangenen Woche einen großen Gipfel im nordchinesischen Tianjin veranstaltet.

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Ein Thema soll die Zollpolitik der USA sein, Experten erwarten, dass es auch um „Multilateralismus“ der Schwellenländer gehen soll – ein Begriff, der derzeit häufig in der Debatte auftaucht. Nach chinesischer Lesart sind damit eine politische Ordnung und auch ein Handelssystem gemeint, die nicht (mehr) von den USA dominiert werden.

Die schwachen Außenhandelszahlen nähren zudem Spekulationen, dass die chinesische Regierung im vierten Quartal zusätzliche Konjunkturmaßnahmen auflegen könnte. Ziel wäre es, die Binnennachfrage zu stärken, um den schwächelnden Export auszugleichen.

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