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Start-upBioweg erhält 16 Millionen Euro für Mikroplastik-Alternative

Mikroplastik ist Bestandteil vieler Pflegeprodukte, gilt aber als gesundheitsgefährdend. Bioweg bietet eine biologische Alternative. Dank einer neuen Finanzierung startet nun die Massenproduktion.Bert Fröndhoff, Christof Kerkmann, Nadine Schimroszik 18.09.2025 - 11:13 Uhr Artikel anhören
Bioweg-Gründer Srinivas Karuturi (l.) und Prateek Mahalwar: Sie überzeugten mehrere namhafte Geldgeber. Foto: Bioweg

Düsseldorf, Berlin. Bioweg will die Verbreitung von potenziell gesundheitsschädlichem Mikroplastik stoppen. Die winzigen Kunststoffteilchen gelangen unter anderem durch den Abrieb von Autoreifen in die Umwelt, sie werden aber auch Körperpflegeprodukten zugesetzt, um deren Wirkung zu verbessern.

Das Start-up aus Niedersachsen entwickelt eine Alternative hierzu – basierend auf Zellstoff, der sich nach der Nutzung von selbst auflöst. Damit hat es 2023 den Digitalpreis The Spark gewonnen.

Nun beginnt die Massenproduktion: Die Gründer Prateek Mahalwar und Srinivas Karuturi erhalten in einer Finanzierungsrunde 16 Millionen Euro von mehreren Investoren. Das Geld fließt in den Bau einer Anlage in Deutschland und soll den Markteintritt in Europa beschleunigen, teilte das Start-up am Dienstag mit.

Der Plastikersatz von Bioweg wird mithilfe von Bakterien in Fermentern gewonnen. Diese verwerten Abfälle aus der Lebensmittelindustrie, weshalb das Start-up seine neue Anlage im Rheinischen Revier in direkter Nähe eines Zuckerfabrikanten bauen will.

Aktuell verwendete Kunststoffpartikel in Körperpflege- und Reinigungsmitteln basieren auf Erdöl. Nach Gebrauch sammeln sie sich in Gewässern und gelangen so in die Nahrungskette. Abgebaut werden sie erst nach Jahrzehnten.

Die Gefahr für den Menschen ist noch unklar, für die EU greift aber das Vorsichtsprinzip. „Mikroplastik enthält Zusatzstoffe wie Stabilisatoren, Flammschutzmittel und andere möglicherweise toxische chemische Substanzen, die für Tiere und Menschen schädlich sein können“, warnt das Europäische Parlament.

EU-Regeln als Wachstumsschub

Die EU will daher die Verwendung von Mikroplastik aus fossilen Rohstoffen bis 2030 um ein Drittel senken. Zunächst trifft das Verbot beigemischtes Mikroplastik – jährlich 42.000 Tonnen allein in der EU. Dazu zählen Mini-Kügelchen, sogenannte Microbeads, wie sie in Peelings vorkommen. Sie sind bereits seit zwei Jahren verboten. Ab 2027 dürfen Shampoos und Duschgele keine zugesetzten Partikel mehr enthalten, ab 2028 auch Wasch- und Reinigungsmittel.

Biologisch abbaubares Pulver: Hersteller Bioweg plant Expansion in Europa. Foto: Bioweg

Bioweg will von diesen Regeln und Verboten profitieren und künftig mehrere Konsumgüter- und Chemiekonzerne mit biologisch abbaubaren Alternativen beliefern. Erste Verträge seien unterzeichnet, sagte Mahalwar dem Handelsblatt. Zuvor hat das Unternehmen bereits mit Partnern wie der Bayer AG zusammengearbeitet. Gemeinsam entwickeln Start-up und Konzern biobasierte Beschichtungen und Kapseln für Saatgut und Pflanzenschutz.

Bislang verfügt Bioweg lediglich über eine Pilotanlage am Stammsitz in Quakenbrück. Dort siedelte sich das Start-up 2019 an, um nahe am Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik zu sein, dessen Anlagen es anfangs nutzen konnte. Diese Produktlinie will das Management weiter ausbauen, etwa für kleine Lieferungen.

Nachhaltigkeit allein reicht nicht.
Prateek Mahalwar, Bioweg-CEO

Wichtigster Geldgeber in der aktuellen Finanzierungsrunde ist Axeleo Capital, ein französischer Investor, der sich unter anderem auf grüne Technologien fokussiert. Beteiligt sind außerdem Bon Venture sowie der Berater Frank Jenner, der die Anfangsfinanzierung zur Verfügung stellte. Mit dem europäischen EIC Fund sowie der niedersächsischen Förderbank NBank Capital beteiligen sich außerdem zwei staatliche Akteure. Zur Bewertung äußerten sich die beteiligten Akteure nicht.

Erfolg in schwierigem Finanzierungsmarkt

Die Finanzierung sei „nicht einfach“ gewesen, berichtet Mahalwar. „Nachhaltigkeit allein reicht nicht, um Investoren zu gewinnen – man braucht ein Geschäftsmodell.“ Das könne Bioweg aber vorweisen: Der Mikroplastikersatz ermögliche es, regulatorische Vorgaben einzuhalten. Gleichzeitig sei das Produkt wettbewerbsfähig, betont der Gründer. Das gelte sowohl für die Eigenschaften des Materials als auch für den Preis.

Diese Argumente haben die Investoren überzeugt. Axeleo-Capital-Partner Marc Lechantre erklärt: Bioweg profitiere von regulatorischem Rückenwind, verfüge zugleich über „einen glaubwürdigen Industrialisierungsplan und eine starke Kundennachfrage in Schlüsselmärkten“.

Dabei ist Risikokapital knapp: Nach dem Investitionshoch während der Coronapandemie sind Investoren bei Klimatechnologie zurückhaltender – wegen langer Entwicklungszeiten, unklarer Regulierung, unsicherer Märkte. Laut dem Datenanbieter Net Zero Insights sanken die weltweiten Investitionen im ersten Halbjahr um ein Fünftel.

Auch Konkurrenten werben neues Kapital ein

Auch mehrere andere Start-ups in Deutschland bereiten die industrielle Massenfertigung von biologisch abbaubaren Ersatzprodukten für Plastik vor. So hat die Hamburger Firma Traceless ein festes Material aus Getreideabfällen entwickelt. Es kommt bisher etwa als Pommesgabel zum Einsatz – in diesem Jahr an den Essensständen der beiden großen Rockfestivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“.

Noch dieses Jahr will Traceless eine Demonstrationsanlage in Hamburg eröffnen, die mehrere Tausend Tonnen des natürlichen Granulats liefern soll. 2028 soll die Anlage für den industriellen Einsatz ausgebaut werden.

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Traceless hat 2023 eine große Finanzierungsrunde aus Eigen- und Fremdkapital abgeschlossen. Knapp 37 Millionen Euro kamen dabei zusammen, unter anderem von Venture-Capital-Fonds aus Finnland und Frankreich sowie vom deutschen High-Tech Gründerfonds.

Erstpublikation: 18.09.2025, 03:58 Uhr.

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