Handel: Britischer Markt wird für deutsche Firmen attraktiver
London. Der Neustart der Beziehungen zwischen der Europäischen Union (EU) und Großbritannien wirkt sich positiv auf den deutsch-britischen Handel aus. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Umfrage der British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.
„Die Unternehmen signalisieren ein klares Comeback des britischen Marktes“, sagte BCCG-Präsident Michael Schmidt. Der Ausblick für den deutsch-britischen Handel sei „so positiv wie seit dem Brexit nicht mehr“, heißt es im jährlichen „German-British Business Outlook 2025“.
Demnach erwarten 85 Prozent der befragten deutschen Unternehmen bessere Beziehungen mit Großbritannien. Fast drei Viertel von ihnen rechnen bis 2030 mit höheren Umsätzen auf der Insel, und fast ein Drittel will dort mehr investieren. Dabei kristallisiert sich der Verteidigungssektor als neuer Schwerpunkt heraus: 43 Prozent der deutschen Firmen wollen im Sicherheitsbereich enger mit britischen Partnern kooperieren.
Starmer verbessert die Beziehungen zu EU-Ländern
Die von Premierminister Keir Starmer geführte Labour-Regierung in London bemüht sich seit ihrem Wahlsieg 2024 um einen „Neustart“ in den Beziehungen zu den EU-Ländern, nachdem Großbritannien Ende Januar 2020 offiziell aus der Europäischen Union ausgetreten ist.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zudem bei seinem Besuch in London im Juli mit Starmer einen umfassenden Freundschaftsvertrag zwischen beiden Ländern unterzeichnet, der neben einer Sicherheitspartnerschaft auch den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen vorsieht.
An der Umfrage nahmen 120 Firmen teil, von denen drei Viertel ihren Hauptsitz in Deutschland haben. Die Autoren der Umfrage schreiben: „Der im Mai 2025 geschlossene UK-EU-Sicherheits- und Verteidigungspakt sowie der Freundschaftsvertrag Deutschland-UK vom Juli 2025 haben Signalwirkung für die Wirtschaft – sie schaffen neues Vertrauen in die bilateralen Beziehungen.“ Nach Ansicht von Schmidt hat die veränderte geopolitische Großwetterlage dazu geführt, dass Briten und Deutsche wieder stärker zusammenrücken.
Reparatur der Brexit-Schäden
Seit dem Brexit-Referendum 2016 ist das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern nach Angaben der BCCG um etwa ein Drittel von 38 auf 25 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr gesunken. Die zuletzt gestiegenen Exporte von Deutschland nach Großbritannien – von 65 Milliarden Euro 2021 auf zuletzt 80,3 Milliarden Euro – seien maßgeblich auf höhere Goldverkäufe über die Londoner Goldbörse zurückzuführen, heißt es in der Studie. Ohne den Gold-Effekt stagnierten die Ausfuhren bei rund 73 Milliarden Euro.
Etwa 60 Prozent der befragten Unternehmen wünschen sich denn auch weitere Handelserleichterungen, und eine Mehrheit möchte, dass die Bundesregierung die im kommenden Jahr anstehende Überprüfung des EU-UK-Handelsabkommens (TCA) dafür nutzt.
„Die bevorstehende Überprüfung des Brexit-Abkommens bietet die Chance, die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder für die Zukunft positiver zu gestalten und auf die weltweit zunehmenden geopolitischen Spannungen zu reagieren“, sagte KPMG-Bereichsvorstand Andreas Glunz.
Risiken bei der Entsendung von Fachkräften
Handlungsbedarf sehen die Firmen insbesondere beim Abbau von Handelshürden, die nach dem Brexit eingeführt wurden. Am stärksten wirke sich die Einführung der „Electronic Travel Authorization“ (ETA) in diesem Jahr aus: Ein Drittel der Unternehmen empfindet die neuen Einreiseregeln als Belastung. Etwa jede vierte Firma sieht darüber hinaus erhebliche Auswirkungen durch die bereits beschlossenen sowie die noch erwarteten Änderungen im britischen Einwanderungsrecht. BCCG-Präsident Schmidt sieht hier ein „echtes Risiko“ für Unternehmen, die Fachkräfte ins Königreich entsenden wollen.
„In einer Welt, in der protektionistische Tendenzen zunehmen, müssen wir jetzt Brücken bauen, statt neue Mauern zu errichten. Der deutsch-britische Korridor ist nur dann zukunftsfähig, wenn die politischen Entscheidungsträger jetzt den Weg frei machen“, sagte Schmidt.