Autozulieferer: Michael Stoschek zieht sich bei Brose erneut zurück
Stuttgart. Ein Jahr nach der überraschenden Rückkehr an die Spitze des Verwaltungsrats kündigt Firmenpatriarch Michael Stoschek, 77, erneut seinen Rückzug aus der Führung des Coburgers Automobilzulieferers Brose an.
Stoschek hatte den Verwaltungsrat des von ihm über Jahrzehnte maßgeblich geprägten Unternehmens bereits im Mai 2024 verlassen, war dann aber wenige Monate später zurückgekehrt. Eine Umorganisation im Oktober 2024 erlaubte ihm als Chef des neuen Verwaltungsrats wieder den direkteren Zugriff auf die Unternehmensführung. Von der Belegschaft soll die Rückkehr Stoscheks damals mit stehendem Applaus in der Betriebsversammlung begrüßt worden sein, obwohl er einen massiven Stellenabbau ankündigte.
Anfang 2026 soll Stoscheks Sohn Maximilian auch an die Spitze des Verwaltungsrats gelangen. Maximilian Stoschek, 47, steht bereits der Gesellschafterversammlung des Familienunternehmens vor.
Michael Stoschek gilt als eine der schillerndsten Unternehmerpersönlichkeiten in Franken. Der Vater der Berliner Kunstsammlerin Julia Stoschek stand 35 Jahre als geschäftsführender Gesellschafter und 20 Jahre an der Spitze zunächst des Aufsichts- und später des Verwaltungsrats für den Erfolg des Zulieferers.
Die operativen Chefs konnten es dem Patriarchen häufig nicht recht machen. Der amtierende Geschäftsführer Stefan Krug ist der dritte operative Brose-Chef innerhalb von zwei Jahren, inzwischen allerdings immerhin fast ein Jahr im Amt.
Neben seinen unternehmerischen Tätigkeiten machte Stoschek senior als Reit- und Motorsportler sowie als Mäzen im Basketball und im Tennis von sich reden. Sein Name steht aber auch für Eskapaden – so unternahm er etwa umstrittene Spritztouren mit einem Amphibienfahrzeug auf dem Fluss Regnitz bei Bamberg. Arbeiten im Homeoffice bezeichnete er noch vor wenigen Monaten als „asozial“ gegenüber den Beschäftigten in der Produktion.
Die Gesellschafter prüfen weiterhin einen Teilverkauf
Brose war zuletzt in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser geraten. 2024 sank der Umsatz der Brose-Gruppe um 200 Millionen Euro auf 7,7 Milliarden Euro. Alle Geschäftsbereiche und Regionen verzeichneten Umsatzrückgänge. Unter dem Strich stand ein Verlust von 142 Millionen Euro.
In diesem Jahr erwartet das Unternehmen mit 32.000 Beschäftigten kein Wachstum. Zudem hatte Brose Ende des vergangenen Jahres angekündigt, 700 Stellen bis Ende 2026 abzubauen. Brose stellt Mechatronik-Komponenten für Türen, Heckklappen, Verstellsysteme für Sitze sowie Antriebe und Elektromotoren her.
Die Gesellschafter erwägen einer Mitteilung zufolge weiterhin, einen Minderheitsanteil an einen externen Investor zu verkaufen. „Daher planen die Eigentümer des größten deutschen Privatunternehmens in der Zulieferindustrie, in Zusammenarbeit mit einer Investmentbank mögliche Partner zu sondieren und zu entscheiden, ob eine Beteiligung oder die jetzige Struktur im Interesse der Gesellschafter, Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten ist“, heißt es in der Brose-Mitteilung. Zuvor war bereits das Geschäft mit Antrieben für E-Bikes verkauft worden.