Konjunktur-Blockade: Warum die zu hohe Sparquote das Wachstum bedroht
Düsseldorf, Berlin. Erst die Coronapandemie, dann die Energieknappheit, nun der weltweite Handelsstreit: Die Vielzahl an Krisen lastet auf dem Konsumverhalten der Bürgerinnen und Bürger. Europäische Haushalte sparen zu viel und konsumieren zu wenig, trotz wieder gestiegener Reallöhne und sinkender Zinsen – ein Umstand, der Experten und Ökonomen umtreibt.
Die Sparquote im Euro-Raum – also der Anteil des Einkommens, den private Haushalte zurücklegen – beträgt derzeit 15,45 Prozent, zeigen Daten des Statistikamts Eurostat. Sie liegt damit weit über ihrem historischen Durchschnitt seit Einführung der Gemeinschaftswährung. „Der Corona-Nachholkonsum ist der Inflation und verschiedenen Krisen zum Opfer gefallen“, sagt Michael Stappel, Volkswirt der DZ Bank. „Die Menschen bleiben bis heute eher vorsichtig.“
Diese anhaltend hohe Sparneigung ist mitentscheidend für die schwache Konjunkturentwicklung. Die jüngsten Entwicklungen zeigen: Die Hoffnung, dass ein Konsumboom die schwache Wirtschaft anschiebt, kann sich als trügerisch erweisen. Das legen auch exklusive Berechnungen des Ifo-Instituts für das Handelsblatt nahe. Es drohen Folgeeffekte, die das Problem noch verstärken.