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TechnologieRohde & Schwarz kauft Analyse-Start-up Munich Innovation Labs

Die Software der jungen Münchener Firma hilft Polizei und Bundeswehr, das Netz zu durchforsten. Eine Fähigkeit, die gut ins Portfolio des etablierten Technologiekonzerns passt.Frank Specht 31.10.2025 - 19:19 Uhr Artikel anhören
Screenshots von Anwendungen der Inspectre-Software: Auf der Suche nach Auffälligkeiten im Netz, zum Beispiel zur Bekämpfung von Hasskriminalität. Foto: Munich Innovation Labs

Berlin. Das Technologieunternehmen Rohde & Schwarz übernimmt das Start-up Munich Innovation Labs und stärkt so sein Geschäft mit der inneren Sicherheit. Wie das Handelsblatt von den beiden Unternehmen erfahren hat, wurde die Übernahme am Freitag vollzogen. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. „Die Akquise ist eine strategische Ergänzung unseres Portfolios, von der die Kunden beider Unternehmen profitieren werden“, sagte Sebastian Richter, Vice President Monitoring and Analytics bei Rohde & Schwarz.

Das bayerische Familienunternehmen mit weltweit mehr als 15.000 Beschäftigten und gut drei Milliarden Euro Jahresumsatz fertigt Messtechnik und digitale Lösungen für kritische Infrastruktur, die Luftfahrt- und Verteidigungsbranche und die Netzwerk- und Cybersicherheit. Zu den Kunden gehören Privatunternehmen ebenso wie die öffentliche Hand.

Munich Innovation Labs ist spezialisiert auf die Entwicklung von sogenannten „Open Source Intelligence“-Lösungen, kurz OSINT. Die Inspectre-Software des Münchener Start-ups ist in der Lage, mit Künstlicher Intelligenz (KI) relevante Informationen aus der Flut von Bildern, Texten und Videos beispielsweise in den sozialen Netzwerken zu filtern – unter Einhaltung aller daten- und informationstechnischen Vorschriften. Das macht die Software auch für Sicherheitsbehörden interessant.

Desinformationskampagnen frühzeitig erkennen

So war Munich Innovation Labs beispielsweise gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) an Projekten des Forschungsministeriums zur Früherkennung von Hasskriminalität im Internet beteiligt und unterstützt das Digitalisierungsprojekt Polizei 20/20. Mit dem Cyber Innovation Hub (CIH) der Bundeswehr hat die Münchener Firma gemeinsam das Innovationsvorhaben Image Aware entwickelt.

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Dabei geht es darum, mit KI Desinformation im Netz zu erkennen und für Lagebilder der Streitkräfte auszuwerten. Mit Bildern, Memes und Videos können leicht negative Emotionen erzeugt werden, die sich dann beispielsweise gegen deutsche Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätzen richten können. Image Aware hilft, solche Tendenzen im Netz zu erkennen, um gegebenenfalls frühzeitig darauf reagieren zu können. Eine solche Sichtung von Menschen durchführen zu lassen, wäre sehr zeit- und personalintensiv. Hier erleichtert KI das Aufspüren.

Die Firmengründer Stefan Taing und Jens Elsner haben ihre unternehmerische Laufbahn mit einer Ausgründung aus der Technischen Universität München (TUM) gestartet und dann 2015 Munich Innovation Labs ins Leben gerufen. Die Firma beschäftigt rund 20 Mitarbeiter.

Taing legt Wert darauf, dass Munich Innovation Labs auch unter dem Dach von Rohde & Schwarz als eigenständige und nutzerzentrierte Innovationseinheit erhalten bleibt. Seine Firma bringe die agile Arbeitsweise ein, Rohde & Schwarz seine technologische Expertise als etabliertes Technologieunternehmen. „Gemeinsam bieten wir Nutzern und Kunden das Beste aus beiden Welten“, sagte Taing.

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Den Gründern geht es aber nicht zuletzt auch um Geld. Denn Munich Innovation Labs finanzierte sich bisher ohne Fremdkapital und war stets profitabel. Doch nach den erfolgreichen Vertragsabschlüssen mit der Bundeswehr und Sicherheitsbehörden war das junge Unternehmen auf der Suche nach Kapital, um das Wachstum zu beschleunigen und die vielen neuen Kunden beliefern zu können.

Rohde & Schwarz erklärte, Taing und Elsner blieben dem Softwarespezialisten langfristig in leitenden Positionen erhalten. Es gehe nun darum, die von den Gründern gebauten Analyseplattformen synergetisch weiterzuentwickeln.

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