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FinanzsystemBundesbank warnt vor steigenden Schulden in Europa

Die internationalen Konflikte belasten das deutsche Finanzsystem ohnehin. Nun adressiert die Bundesbank die hohe Verschuldung im Euro-Raum. Damit befindet sie sich in guter Gesellschaft.Yasmin Osman, Leonidas Exuzidis 06.11.2025 - 14:32 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Skyline von Frankfurt: Die Bundesbank geht im neuen Finanzstabilitätsbericht auf eine Reihe von Risiken ein. Foto: dpa

Frankfurt. Der Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank feiert sein 20-jähriges Bestehen – doch Feierstimmung kommt mit Blick auf den Inhalt und die Ableitungen daraus nicht auf. Denn die Risiken für das deutsche Finanzsystem sind aus Sicht der Bundesbank im vergangenen Jahr wieder gestiegen, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht für 2025 hervorgeht.

Neben den Gefahren aus Handelskonflikten und geopolitischen Spannungen hebt die Notenbank in diesem Jahr die hohen Staatsschulden „in einigen Euro-Ländern“ als zusätzliches Risiko für die Finanzstabilität hervor. „In der Gesamtschau hat sich das makrofinanzielle Umfeld im vergangenen Jahr spürbar verschlechtert“, heißt es im Bericht.

Bundesbank-Vorstand Michael Theurer bezeichnete die Schuldenentwicklung bei der Vorstellung des Berichts als „weiteren Brennpunkt“. Die Kombination aus hoher Staatsverschuldung und niedrigem Wachstum sei „toxisch“, führte Theurer aus – es braue sich eine Gesamtgemengelage zusammen, die erhebliche Risiken für die Finanzstabilität beinhalte. „Das muss klar benannt werden“, sagt er.

Diese Warnung folgt unmittelbar auf die des Internationalen Währungsfonds (IWF), der die Schuldenentwicklung erst vor wenigen Tagen deutlich adressiert hat. Die Schulden würden in den kommenden Jahren exponentiell ansteigen, warnte der IWF. Das könnte auf Dauer zu einem niedrigeren Wirtschaftswachstum führen. Der Währungsfonds hält eine radikale Reform des europäischen Sozialstaats für nötig.

Die Schuldenquote unter den Euro-Staaten – das Verhältnis der Staats­verschuldung zum Bruttoinlandsprodukt – liegt derzeit bei durchschnittlich 88 Prozent. Mit Frankreich, Spanien und Italien liegen jedoch drei der vier größten Volkswirtschaften über der 100-Prozent-Marke. Gemäß den Maastricht-Kriterien, den Vorgaben für den Beitritt eines Landes zur Eurozone, sind eigentlich nur 60 Prozent erlaubt. Vor allem die Entwicklung in Frankreich hat die Kapitalmärkte in den vergangenen Monaten immer wieder beunruhigt.

Es braut sich eine Gesamtgemengelage mit erheblichen Risiken für die Finanzstabilität zusammen.
Michael Theurer
Bundesbank-Vorstand

Es handele sich nicht um hypothetische Risiken, sagte Theurer. „Es gibt eine ganze Reihe von Fakten, die Anlass zur Sorge geben.“ Denn viele Trends sprechen dafür, dass die Verschuldung in den nächsten Jahren teils deutlich steigen wird.

  • Zinskosten steigen: In vielen Ländern müssen alte Schulden refinanziert werden – zu höheren Zinsen als früher. Das erhöht die Belastung des Staatshaushalts.
  • Schwaches Wachstum: Die Konjunkturentwicklung stockt merklich. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft der Eurozone nur um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.
  • Primärdefizite: In vielen Staaten ist die Ausgabenseite größer als die Einnahmenseite. Das treibt die Schuldenquote nach oben. Zusätzliche Ausgaben etwa für Verteidigung oder Infrastruktur verstärken diese Dysbalance.
  • Demografie: Die Bevölkerung wird älter – die Aussicht auf höhere Gesundheits- und Pflegekosten lastet auf der Schuldenperspektive.

In einigen Ländern führen die Schuldenquoten mittlerweile zu „größeren Tragfähigkeitsrisiken“, heißt es im Finanzstabilitätsbericht. Viele höher verschuldete Staaten zahlen mittlerweile im Vergleich zu Deutschland keine sehr viel höheren Zinsen, weil die Renditedifferenz ihrer Staatsanleihen zur Bundesanleihe – im Fachjargon „Spread“ genannt – zuletzt gesunken ist.

Das könne sich jedoch auch „schlagartig“ wieder ändern, warnt die Bundesbank. In diesem Szenario würden Anleihekurse sinken, was die Renditen, die sich entgegengesetzt zum Kurs entwickeln, nach oben drückte – und damit die Zinskosten für die Länder erhöhte.

Bundesbank-Vorstand Theurer bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts am Donnerstag: „Schuldenentwicklung ist ein weiterer Brennpunkt“. Foto: Bundesbank

Deutsche Finanzinstitute wären davon über zwei Kanäle betroffen: Erstens ist der „Anteil von Anleihen mit einer weniger guten Bonität“ in den Portfolios der Banken in den vergangenen Jahren gestiegen. Diese unmittelbaren Risiken aus dem Wertverlust wären in einer Stressphase aus Sicht der Bundesbank aber wohl noch verkraftbar.

Gefährlicher wären zweitens die indirekten Folgen, nämlich die Ansteckungseffekte aus dem europäischen Ausland. Denn die Banken hierzulande sind eng vernetzt mit anderen europäischen Finanzfirmen, etwa aus Spanien und Italien.

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Diese halten einen größeren Anteil an Bonds des eigenen Staates, die im Falle eines Zinsanstiegs an Wert einbüßen. Das deutsche Bankensystem sei daher „anfällig für plötzliche Zinsanstiege bei Staatsanleihen anderer europäischer Länder“, heißt es im Bericht.

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Neue Risiken im Segment Private Credit

Ein weiteres potenzielles Risiko liegt im Bereich Private Credit. Dabei versorgen Fonds Unternehmen unabhängig von Anleihen und Banken mit Krediten. Das Segment ist seit der globalen Finanzkrise stark gewachsen und zuletzt in die Schlagzeilen gekommen, weil Kreditnehmer in Schwierigkeiten geraten sind.

Die Intransparenz des Marktes treibt Aufseher weltweit um. Auch Theurer sagte auf Nachfrage, man müsse sich das Segment Private Credit „sehr genau anschauen“. In erster Linie sei eine bessere Datenlage notwendig, denn aktuell fehle ein belastbarer Überblick.

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