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Sam AltmanWas wirklich hinter der Idee gemeinnütziger Stiftungen steckt

US-Tech-Konzerne starten oft mit gemeinwohlorientierten Missionen und entwickeln sich dann zu Profitmaschinen. Ein Vorbild für deutsche Gründer? Unser Kolumnist ist skeptisch.Felix Oldenburg 28.11.2025 - 11:29 Uhr Artikel anhören
OpenAI-CEO Altman, Kolumnist Oldenburg: OpenAIs Transformation wirft die Frage auf, wem die digitale Zukunft gehören wird, schreibt Oldenburg. Foto: Getty Images, Viktor Strasse

Sam Altman will die Welt verbessern. Und lässt sich nicht aufhalten. Das Unternehmen, mit dem er das erreichen will, ist gerade mit einer Bewertung zwischen 500 Milliarden und einer Billion Dollar eines der wertvollsten der Welt geworden. Und gleichzeitig das verlustreichste. Im letzten Quartal hat OpenAI zwölf Milliarden Dollar verbrannt. Und außerdem hat es sich gerade endgültig von seiner Non-Profit-Vergangenheit gelöst.

Die Transformation von OpenAI, die sich in atemberaubendem Tempo vor unseren Augen abspielt, wirft die grundlegende Frage auf, wem die digitale Zukunft gehören wird. Denn so geht das eigentlich nicht. Die Organisation wurde vor genau zehn Jahren unter anderem von Elon Musk gegründet als gemeinnütziges Forschungsunternehmen mit der Mission „sicherzustellen, dass künstliche allgemeine Intelligenz der gesamten Menschheit zugutekommt“. So steht es noch heute in der Satzung. Doch nur drei Jahre nach Gründung war Musk weg. Und auch sein zugesagtes Geld. OpenAI brauchte Investoren.

Wenn diese aber irgendwann tatsächlich Geld sehen wollen, ist die Gemeinnützigkeit im Weg, die nämlich Ausschüttungen an Eigentümer verbietet. Damit will der Staat vermeiden, jahrelang Steuervorteile zu gewähren, die zum Schluss in den Taschen von Investoren landen. OpenAI gründete also eine Tochtergesellschaft, übertrug die Vermögenswerte dorthin und verteilte Anteile an Mitarbeiter und Investoren wie Microsoft, um Milliarden in Rechenzentren stecken zu können.

Diese Vermischung von Mission und Markt wäre in Deutschland kulturell unvorstellbar und der flexible Umgang mit Rechtsformen praktisch unmöglich. Anders als hierzulande haben amerikanische Tech-Gründer aber überhaupt kein Problem damit, ihren Unternehmen eine große gesellschaftliche Mission voranzustellen und sich gleichzeitig davon nicht in ihren Wachstumsambitionen fesseln zu lassen. Wenn eine Idee Milliarden an Investitionen benötigt, dann wird eine Lösung gefunden.

Das kann man beklagen, wie es der World-Wide-Web-Erfinder Tim Berners-Lee gerade tut: Das ursprünglich dezentral und außerhalb von Einzelinteressen gegründete Internet gehört inzwischen faktisch einigen wenigen Schein-Non-Profits, die von US-Konzernen kontrolliert werden.

Das stimmt mit nur wenigen Ausnahmen. Einige wichtige Tech-Organisationen, von Signal über Linux bis Creative Commons, haben es geschafft, relevant zu bleiben, ohne den Pakt mit den Konzernmilliarden zu machen. Einen besonders unabhängigen Weg hat Wikipedia gefunden, das in wenigen Wochen 25 Jahre alt wird. Die einzige echte Non-Profit-Website unter den größten Websites der Welt wird ausschließlich durch Kleinspenden finanziert.

Trotzdem ist der Weg von OpenAI ein Beispiel, wie es Non-Profits gelingen kann, nicht in der endlosen Profit- und damit oft Harmlosigkeit zu bleiben. Mit mehr Risikobereitschaft und Mut zu großen Geschichten gäbe es auch in Deutschland Ideen, die einen solchen Weg nehmen könnten. Wer eine resiliente und selbstbestimmte Gesellschaft will, muss darauf achten, wem ihre digitalen Infrastrukturen gehören. Und im Moment gehören sie alle Amerikanern.

Felix Oldenburg ist Autor („Der gefesselte Wohlstand“, 2025) und CEO des Stiftungs-Start-ups Bcause. Zuvor leitete er den Bundesverband Deutscher Stiftungen und das Sozialunternehmer-Netzwerk Ashoka. Mit Unternehmen, Podcast und Newsletter ermutigt er alle, die mehr beitragen können, zu einem neuen Geben.

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Erstpublikation: 28.11.2025, 04:00 Uhr.

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