1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Industrie
  4. Volkswagen: Welche Pläne gibt es für die Gläserne Manufaktur in Dresden?

VolkswagenWelche Pläne gibt es für die Gläserne Manufaktur in Dresden?

Die Gläserne Manufaktur in Dresden soll zum Innovationszentrum umgebaut werden. Eine Absichtserklärung dazu steht – doch für einige Beschäftigte des VW-Standorts fehlt weiter eine Perspektive.Lazar Backovic 02.12.2025 - 12:06 Uhr Artikel anhören
Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden: 170.000 Fahrzeuge in zwei Jahrzehnten. Foto: Oliver Killig

Düsseldorf. Wenige Tage noch, dann ist Schluss mit der Autoproduktion in Volkswagens kleinstem deutschen Werk. Etwas mehr als 6000 Fahrzeuge haben in diesem Jahr die Gläserne Manufaktur Dresden (GMD) verlassen, wie VW sein kleinstes Werk nennt.

Mitte Dezember rollt der letzte VW ID.3 in Sachsens Landeshauptstadt vom Band. Auf ein verlässliches Konzept für die Zeit danach wartet die Belegschaft noch. Nun kommt Bewegung in die Sache.

So hat der Autobauer vor Kurzem zusammen mit dem Freistaat Sachsen und der Technischen Universität (TU) Dresden eine Absichtserklärung zur Nutzung der Gläsernen Manufaktur Dresden ab 2026 unterschrieben, wie das Handelsblatt von mehreren mit dem Vorgang vertrauten Personen erfuhr.

Geplant ist demnach ein Innovationszentrum, Laufzeit sieben Jahre, das Spitzenforschung und Wissenstransfer auf zukunftsweisenden Technologiefeldern verbinden soll. VW würde in diesem Modell Forschungspartner der TU werden und der Universität Aufträge erteilen.

Rechtlich bindend ist das Papier nicht. Ein Vertrag muss noch geschlossen werden. Weder VW Sachsen noch die sächsische Staatskanzlei wollten die Unterzeichnung der Vereinbarung bestätigen. In Verhandlungskreisen hieß es lediglich, man sei sich in vielen Punkten einig, aber noch nicht in allen. Zunächst hatten die „Dresdner Neuesten Nachrichten“ (DNN) über die Einigung berichtet.

Für Donnerstag ist in der Gläsernen Manufaktur eine Betriebsversammlung angesetzt. Neben dem örtlichen Management werden auch VW-Markenchef Thomas Schäfer und Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo erwartet. Zwei entscheidende Fragen dürften aber auch danach offenbleiben.

Gläserne Manufaktur: Dutzende Beschäftigte ohne klare Perspektive

Die erste offene Baustelle betrifft eine mittlere zweistellige Zahl an Beschäftigten. Für sie ist bislang immer noch unklar, was genau ab Januar ihre Aufgabe sein soll.

Die Debatte schwelt seit Monaten. Ende September reagierte das VW-Management auf ein Schreiben von Sachsens Staatskanzlei und nannte darin erstmals eine konkrete Zahl für den Standort Dresden. Demnach könne man lediglich „135 Mitarbeitenden eine Beschäftigungsperspektive“ bieten.

Derzeit arbeiten knapp 250 Menschen in der Dresdner Manufaktur, Anfang 2024 waren es noch über 300. Zum Beginn des neuen Jahres soll die Belegschaft noch einmal merklich kleiner werden.

Viele der Dresdner Mitarbeiter sollen Abfindungs- oder Vorruhestandsangebote angenommen haben, heißt es in Konzernkreisen. Doch selbst danach bleiben um die 60 Beschäftigte übrig, für die keine klare Verwendung existiert.

Findet sich keine Aufgabe, müssten die Mitarbeiter im Zweifel bei fortlaufenden Bezügen zu Hause bleiben. Für die Mitarbeiter in Dresden gilt, wie im Rest der VW-Belegschaft auch, bis 2030 eine Beschäftigungsgarantie.

In Wolfsburg soll daher schon offen über Versetzungen der sächsischen Mitarbeiter diskutiert werden – etwa ins Stammwerk oder in andere VW-Fabriken. Doch solche Standortwechsel über sogenannte Änderungskündigungen sind juristisch heikel: Sie gelten als betriebsbedingt, und betriebsbedingte Kündigungen hat VW im Rahmen seines Sparpakets eigentlich ausgeschlossen.

„Die Situation ist total vertrackt“, fasst ein Beteiligter zusammen. Ein Sprecher von VW Sachsen wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Umstand äußern.

Was passiert mit dem Standort Dresden?

Der zweite offene Punkt betrifft das Konzept hinter der Neuausrichtung  und seine Finanzierung. Die TU Dresden soll rund die Hälfte der Fläche am Standort anmieten und ein internationales Innovationsquartier aufbauen – mit Schwerpunkten wie Künstlicher Intelligenz, Robotik, Mikroelektronik, Mobilität und Kreislaufwirtschaft. Auch Start-ups sollen angesiedelt werden. VW würde dafür Forschungsprojekte vergeben und selbst vom Wissenstransfer profitieren.

Doch der Umbau wäre teuer. Schon vorsichtige Schätzungen beziffern die Einmalaufwendungen auf etwa 50 Millionen Euro. Wer die Summe für den Umbau trägt – Land oder VW –, ist offen. Beide Seiten wollten sich zur Finanzierung nicht äußern. Zur Einordnung: Der laufende Betrieb der Manufaktur kostete VW zuletzt rund 60 Millionen Euro jährlich.

Die Neuausrichtung ist direkte Folge des sogenannten Weihnachtskompromisses von 2024, in dem VW und IG Metall einen massiven Sparkurs vereinbarten. Danach sollen bis 2030:

  • 35.000 Stellen bei VW in Deutschland abgebaut werden.
  • Die Kosten um bis zu 15 Milliarden Euro jährlich sinken.
  • Alle deutschen Werke ihre Produktionskapazitäten deutlich zurückfahren, dazu gehört auch das Ende des Fahrzeugbaus in Dresden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte noch im September Garantien für alle drei sächsischen VW-Standorte gefordert – ohne Erfolg. Für Dresden verlangte er 100 Millionen Euro über zehn Jahre, um ein großes Forschungszentrum zu ermöglichen.

VW bot stattdessen nur 1,5 Millionen Euro pro Jahr, laut „Dresdner Neuesten Nachrichten“ soll der Autobauer außerdem auch vier Stiftungsprofessuren finanzieren. Mit den Gesprächen vertraute Kreise sagen, abschließende Details zur Finanzierung sollten „zeitnah“ geklärt werden. Weder VW noch die Staatskanzlei in Dresden wollten die Konditionen des Deals kommentieren.

Mit der Einigung endet für VW ein Kapitel, das unter Konzernpatriarch Ferdinand Piëch begonnen hatte. So hatte Piëch die Gläserne Manufaktur einst als Schaufenster für das Oberklasse-Modell Phaeton konstruiert; später folgten kleinere Modellreihen, zuletzt der VW-Stromer ID.3.

Verwandte Themen
Michael Kretschmer

Wirtschaftlich war das Werk jedoch nie wirklich tragfähig. Nur knapp 170.000 Fahrzeuge wurden hier in zwei Jahrzehnten gefertigt – weniger als große VW-Werke in einem Jahr bauen.

Erstpublikation: 28.11.2025, 17:05 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt