Kommentar: Der UBS-Chef sollte mehr Demut gegenüber seinen Kunden zeigen

Es war ein durchschaubares Manöver: Ende Oktober wies die UBS-Führung unter Konzernchef Sergio Ermotti Vorwürfe von Fehlverhalten im Zusammenhang mit dem Debakel der Hedgefonds-Tochter O’Connor und deren Engagements bei der amerikanischen Pleitefirma First Brands zurück.
Zwar müssen sich Anleger laut Recherchen des Handelsblatts auf deutliche Wertverluste der O’Connor-Fonds einstellen. Doch die UBS betont offiziell, dass die Investoren wussten, worauf sie sich einließen.
Sicher, kein CEO kann riskieren, mit seinen Äußerungen möglichen Schadensersatzklagen Vorschub zu leisten. Doch indem Ermotti die Kritik als „Hexenjagd“ abtut, vergreift sich der UBS-Chef im Ton.
Die Schweizer Großbank wäre gut beraten, im Umgang mit ihren Kunden mehr Demut zu zeigen. Denn selbst eine UBS kann es sich nicht leisten, ihre Kunden im Kerngeschäft der Vermögensverwaltung vor den Kopf zu stoßen.
Als einer der erfahrensten Banker der Schweiz weiß Ermotti genau, dass das O’Connor-Hedgefondsteam zahlreiche Warnsignale bei First Brands übersehen hat – selbst wenn er den Autoteileproduzenten bei Bloomberg TV als einen anerkannten Emittenten auf den privaten Kreditmärkten bezeichnet.
Ermotti ist sich auch genau bewusst, dass ein direktes und indirektes Engagement von rund 30 Prozent des Fondsvermögens in riskante Anleihen eines einzelnen Unternehmens nicht dem Bild eines „diversifizierten Portfolios“ entspricht, das er im TV-Interview zeichnet.
Und wenn er behauptet, die Produkte seien nicht als „geringes Risiko gekennzeichnet – eher im Gegenteil“, entspricht das nicht der ganzen Wahrheit. In den Risikohinweisen der O’Connor-Fonds wird das Risiko als „moderat“ angegeben.
Es gibt gute Gründe, warum die UBS hinter den Kulissen deutlich zurückhaltender auftritt. Ein wenig mehr Verständnis für den Ärger der betroffenen Investoren würde auch dem UBS-Chef gut zu Gesicht stehen.