China: Zahl der Toten steigt auf 83 – Erste Festnahmen
Peking. Shanghai. Nach dem verheerenden Hochhausbrand in Hongkong hat die Polizei drei führende Mitarbeiter einer Baufirma wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung festgenommen. „Wir haben Grund zu der Annahme, dass die verantwortlichen Personen der Firma grob fahrlässig gehandelt haben, was zu diesem Unfall führte und eine unkontrollierte Ausbreitung des Feuers verursachte“, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag.
Bei einer Razzia in den Büroräumen der Firma Prestige Construction beschlagnahmten die Behörden demnach Ausschreibungsunterlagen, Computer und Mobiltelefone. Die Behörden rechneten nach eigenen Angaben damit, den Brand in Kürze vollständig gelöscht zu haben.
Indes stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer auf 83. Dies sei der tödlichste Brand in der chinesischen Sonderverwaltungszone seit 1948, schrieb die Zeitung „South China Morning Post“ unter Berufung auf die Feuerwehr. 279 Menschen gelten noch als vermisst.
In den Kliniken um den betroffenen Stadtteil Tai Po wurden weitere 45 Menschen behandelt. Unter den Toten war auch ein 37-jähriger Feuerwehrmann, der am Einsatzort bewusstlos gefunden wurde und im Krankenhaus starb.
Das Feuer brach am Mittwochnachmittag (Ortszeit) im Hochhauskomplex Wang Fuk Court aus, der aus acht Blöcken mit je mehr als 30 Stockwerken und über 1900 Wohnungen besteht. Die Flammen griffen rasch auf weitere Türme der Hochhaussiedlung über, die wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten vollständig in Bambusgerüste und Schutznetze gehüllt waren. Am frühen Abend rief die Feuerwehr schließlich die höchste Alarmstufe fünf aus.
Schwierige Bedingungen für Feuerwehr
Medienberichten zufolge retten die Helfer Überlebende aus den betroffenen Gebäuden. Auf Fotos war zudem zu sehen, dass die Feuerwehr am Morgen (Ortszeit) mehrere Katzen und Hunde aus den Gebäuden brachte, die überlebt hatten.
Die Feuerwehr berichtete von extremen Temperaturen in den oberen Stockwerken und schwierigen Bedingungen bei der Brandbekämpfung. Mittlerweile brachten die Einsatzkräfte die Feuer weiter unter Kontrolle, meldeten aber noch Flammen in drei Wohnblöcken.
Hongkong ist weltweit eine der Städte mit den meisten Hochhäusern. Das Gebiet der Sonderverwaltungsregion ist gebirgig und durch Meeresarme geprägt. Hochhäuser ermöglichen viel Wohnplatz auf wenig Raum.
Sicherheitsstandards im Fokus
Aus dem Ausland erreichten Hongkong erste Beileidsbekundungen. Das Generalkonsulat Großbritanniens drückte den Betroffenen und Rettungskräften seine Nähe aus. Hongkong war bis 1997 britische Kronkolonie.
Auch die diplomatischen Vertretungen Deutschlands, der EU und der USA zeigten online ihre Anteilnahme. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte sich bereits am Vortag betroffen über den Brand gezeigt und Pekings Unterstützung zugesichert, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete.
Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua wies er das Büro für Hongkong- und Macau-Angelegenheiten des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei an, die Hongkonger Regionalregierung bei der Suche nach Vermissten und der Aufräumarbeiten zu unterstützen. Die Sonderverwaltungsregion Hongkong hat eine eigene Regierung, die allerdings stark von Chinas Zentralregierung abhängig ist.
Rettungsarbeiten könnten noch lange dauern
Die Behörden prüfen insbesondere die Sicherheitsstandards der traditionellen Bambusgerüste und der daran befestigten Schutznetze, mit denen alle Gebäude wegen Renovierungsarbeiten verkleidet waren. Ermittler fanden Fenster, die mit Polystyrolplatten verbaut und teils blockiert waren – einem leicht entflammbaren Kunststoff, der häufig als Dämmmaterial verwendet wird – sowie mutmaßlich minderwertige Baumaterialien. Beides könnte dazu beigetragen haben, dass sich das Feuer so schnell ausbreitete.
Bambusgerüste sind auf Chinas Baustellen noch häufig anzutreffen, sie gelten als nachhaltig und umweltfreundlich. Allerdings stellen Bauträger zunehmend auf Metallgerüste um, auch wegen der geringeren Brandgefahr dieses Materials.
Durch den Großbrand mussten rund 900 Menschen Unterschlupf in öffentlichen Schutzräumen suchen. Berichten zufolge rechnen die Behörden damit, dass die Rettungsarbeiten mindestens bis zum Abend (Ortszeit) weitergehen werden.