Baywa: Konzern will Schulden um mehr als vier Milliarden Euro drücken
München. Der für Landwirte und Lebensmittelversorgung bedeutende Münchner Mischkonzern Baywa will in den kommenden Jahren seinen Schuldenberg um gut vier Milliarden Euro verkleinern.
Dazu sollen rund zwei Drittel der Baywa-Geschäfte veräußert werden, sagte Vorstandschef Frank Hiller bei einer Pressekonferenz. In den ersten neun Monaten ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um über ein Fünftel auf 9,6 Milliarden Euro zurück, teils wegen der laufenden Sanierung, teils wegen der schwachen Konjunktur.
Wichtigster Geschäftszweig der Baywa ist der Agrarhandel. Der Konzern war im Sommer 2024 in Schieflage geraten, ein maßgeblicher Auslöser waren die hohen Zinszahlungen für 5,4 Milliarden Euro Bankkredite. Bisher sind 700 Millionen Euro getilgt.
Noch vor Jahresende soll der beim ersten Versuch geplatzte Verkauf der niederländischen Tochter Cefetra unter Dach und Fach sein. Mit dem Erlös sollen weitere 600 MiIlionen Euro abgezahlt werden. Bis Ende 2028 sollen es dann nur noch etwa 1,3 Milliarden Euro Bankverbindlichkeiten sein, wie der für die Restrukturierung zuständige Vorstand Michael Baur sagte.
Aufsichtsrat wird überprüft
Die Belegschaft wird im Zuge der Sanierung voraussichtlich ebenfalls um zwei Drittel verkleinert: Ende 2023 beschäftigte der Konzern weltweit über 23.000 Menschen, am Ende könnten es noch etwa 8.000 sein. Dann soll die Baywa wieder ein weitgehend auf Deutschland beschränktes Handelsunternehmen sein.
Für mehrere frühere Vorstände hat die Krise ein Nachspiel: Die Münchner Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, die Finanzaufsicht Bafin im Jahresabschluss 2023 Fehler festgestellt.
Davon unabhängig lässt der heutige Vorstand mögliches Fehlverhalten ehemaliger Spitzenmanager prüfen, und auch die Rolle der Aufsichtsräte wird im Anschluss durchleuchtet. Ergebnisse dieser internen Prüfung sollen auf der Hauptversammlung im nächsten Jahr präsentiert werden.
Prominenteste Namen im Baywa-Aufsichtsrat sind Bauernpräsident Joachim Rukwied und die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier. Die heutige Unternehmensspitze der bayerische Genossenschaftsverband als Hauptaktionär und auch die Aktionärsvereinigungen haben den langjährigen Baywa-Kontrolleuren den Rückzug nahegelegt. Sowohl Rukwied als auch Hohlmeier ließen in den vergangenen Monaten Anfragen unbeantwortet, ob sie sich zurückziehen wollen.