Volkswagen: VW-Konzern ordnet die Führung seiner Finanzsparte neu
Düsseldorf. Das Finanzgeschäft von Volkswagen gilt seit jeher als verlässliche Stütze des Konzerns. Während andere Margenbringer wie Porsche oder Audi zuletzt schwächelten, stiegen die Gewinne der Leasing-Tochter in diesem Jahr. Entsprechend bedeutend ist der Chefposten der intern als FSAG abgekürzten Einheit – auch wenn er nach außen eher wenig Sichtbarkeit genießt.
Umso bemerkenswerter ist, dass Christian Dahlheim, seit 2022 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Financial Services (VWFS), Europas größten Autokonzern zum Jahresende verlässt. Eigentlich wäre sein Vertrag noch bis 2028 gelaufen.
Zum Jahreswechsel wird Anthony Bandmann den Chefposten bei VWFS übernehmen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Bislang war Bandmann Vertriebsvorstand der Sparte.
Dahlheim wechselt an die Spitze des niederländischen Familienunternehmens Pon. Der Name ist in Wolfsburg hinreichend bekannt. Pon ist nicht nur langjähriger VW-Importeur und Partner, VWFS arbeitet seit 2023 auch im Bereich Fahrrad-Leasing mit den Holländern zusammen – ein Projekt, das Dahlheim maßgeblich auf den Weg gebracht hat.
Der 57-Jährige gilt als profilierter Denker und kluger Unternehmensstratege. Dahlheim kam 2005 von der Beratung BCG zur VW-Finanzsparte, später wechselte er zu VW Credit in die USA, um dann erst die Spitze des Vertriebsressorts in der VW-Kernmarke und schließlich des Gesamtkonzerns zu übernehmen.
2022 kehrte Dahlheim schließlich als VWFS-Chef nach Braunschweig zurück. Konzern-Finanzchef Arno Antlitz, zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der Einheit, lobt die „grundsolide Refinanzierung“ und die strategische Neuaufstellung unter seiner Führung.
Doch für Nachfolger Bandmann bleiben offene Baustellen. Die wohl wichtigste betrifft den Autovermieter Europcar. Dessen Übernahme in den VW-Kosmos hatte Dahlheim einst in seiner Rolle als VWFS-Chef vorangetrieben. Allerdings liefen die Geschäfte zuletzt mehr als schleppend, 2025 dürfte die Einheit tiefrote Zahlen schreiben, intern gilt Europcar als Sanierungsfall.
Auch wenn der VW-Konzern derzeit dringend Geld braucht, weist man in Braunschweig Berichte über Verkaufsüberlegungen zurück. Es gebe ein „klares Bekenntnis zur gemeinsamen Mobilitätsstrategie“, erklärt ein Sprecher. Darüber hinaus werde die VW-Tochter „spätestens im Juli 2027“ weitere Europcar-Anteile vom Finanzinvestor Attestor übernehmen.
Das Thema bleibt sensibel im Konzern – und Dahlheim als Aufsichtsratsmitglied des Vermieters weiter mit Europcar verbunden, auch wenn er den Chefposten im Kontrollgremium wohl an seinen Nachfolger Bandmann abgeben wird. Auch als Mitglied im Prüfungsausschuss des Porsche-Aufsichtsrats bleibt Dahlheim dem Konzern erhalten.
Sein Nachfolger Bandmann gilt als erfahrener Praktiker, der fast alle Einheiten des Finanzdienstleistungsgeschäfts durchlaufen hat – vom Bank- über das Leasing- bis zum US-Kreditgeschäft. Für den 53-Jährigen wird es darauf ankommen, die Wachstumsstrategie fortzuführen und so die Rolle der VWFS als stiller, aber stabiler Ergebnisbringer im Konzern zu sichern.