USA: Trump will Kraftstoffvorgaben für Autos lockern
New York, Washington. Begleitet von den Chefs mehrerer Autokonzerne, hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, Vorgaben zu lockern, wie viel Kraftstoff Autos und leichte Nutzfahrzeuge in den USA künftig verbrauchen dürfen. Er wolle die „lächerlichen und inakzeptablen“ Auflagen seines demokratischen Vorgängers Joe Biden beenden, sagte er im Weißen Haus.
Trump zeigte sich überzeugt, die US-Bürger durch die Maßnahme finanziell zu entlasten. Unter anderem standen der Chef der Opel-Mutter Stellantis, Antonio Filosa, und Ford-CEO Jim Farley während der Ankündigung neben ihm. Letzterer stellte in Aussicht, mehr „erschwingliche“ Fahrzeuge auf dem US-Markt anzubieten.
Die bisherigen Richtlinien sahen vor, dass im Flottendurchschnitt des Modelljahres 2031 eine Gallone Kraftstoff für rund 50 Meilen ausreichen muss. Das entspricht etwa 4,7 Litern pro 100 Kilometer. Stattdessen solle nun ein Wert von nur 34,5 Meilen pro Gallone angepeilt werden – also etwa 6,8 Liter auf 100 Kilometer.
Bidens strengere Vorschriften sollten Verbraucher durch niedrigeren Kraftstoffverbrauch finanziell entlasten und zugleich die Umwelt besser schützen. Autohersteller mussten indes mehr Geld ausgeben, um den neuen Standards gerecht zu werden.
Branche lobt Trump für Vorstoß
Die US-Regierung will ab dem Modelljahr 2028 zudem den Handel mit Emissionsrechten stoppen. Autobauer konnten diese handeln und so Punkte ansammeln, um strenge Vorschriften zu erfüllen. Vor allem für den E-Auto-Bauer Tesla waren diese Erlöse bislang wichtig, um die eigene Bilanz aufzubessern.
Die Branche lobte Trump für den Vorstoß: „Als größter Autohersteller Amerikas schätzen wir Präsident Trumps Führungsrolle bei der Anpassung von Kraftstoffeffizienzstandards an die Marktrealitäten“, sagte Ford-Chef Farley dem US-Sender Fox News. Dies sei ein „Sieg des gesunden Menschenverstands und der Erschwinglichkeit“, sagte Farley weiter.
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Klimaaktivisten warnen wiederum vor einem Wettbewerbsnachteil für die US-Autobauer. „Während Trump den Automobilherstellern wie GM, Ford und anderen sagt, dass sie keine sparsamen Autos bauen müssen, fordert China seine Automobilhersteller auf, die mangelnde Konkurrenz aus den USA zu nutzen und sich verstärkt um den weltweit boomenden Markt für umweltfreundliche Autos zu bemühen“, sagte Dan Becker, Direktor der Safe Climate Transport Campaign, der „New York Times“.
Schon zuvor hatte die Trump-Regierung die bestehenden Verbrauchsstandards entschärft. Im Rahmen des im Sommer verabschiedeten Haushaltsgesetzes, des sogenannten „One Big Beautiful Bill Act“, wurden die bei Verstößen drohenden Geldstrafen abgeschafft.
Die geplanten Änderungen bei den Kraftstoffvorgaben stehen in einer Reihe mit weiteren Erleichterungen, die Trump für die Autobranche auf den Weg gebracht hat. So hat die US-Regierung auch damit begonnen, die von der US-Umweltbehörde Epa unter Biden festgelegten Abgasnormen zurückzudrehen. Diese zielten darauf ab, die Umweltverschmutzung durch Fahrzeuge zu reduzieren.
Steuergutschriften für E-Autos bereits gestrichen
Die Autobauer kritisierten die Vorgaben in der Vergangenheit als unzumutbar. Dies zwang selbst die Biden-Regierung bereits zu Kurskorrekturen. So hatte der Ex-Präsident ursprünglich beschlossene Regeln wieder aufgeweicht. Um die ursprünglich geplanten Ziele zu erreichen, hätten die Autobauer in den USA bis zum Jahr 2030 schätzungsweise einen Vollelektro-Anteil an neuen Pkw von 60 Prozent und bis 2032 sogar einen Anteil von 67 Prozent vorweisen müssen. Doch die Nachfrage nach E-Autos blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück, den Autobauern drohten Strafen in Milliardenhöhe.
Daneben hat der US-Kongress in diesem Sommer auch die Steuergutschrift für den Kauf von Elektrofahrzeugen von bis zu 7500 Dollar abgeschafft, ebenso sollen Erleichterungen für die Installation einer EV-Ladestation früher als geplant auslaufen. Stattdessen hat die Regierung neue Steuererstattungen von Zinskosten bei Autokrediten eingeführt – unabhängig von der Antriebsart der Fahrzeuge.
Neben der Autoindustrie dürften auch die Autoarbeiter die Schritte befürworten. Die Autogewerkschaft United Auto Workers (UAW) hatte immer wieder Bedenken geäußert, dass die zunehmende Umstellung auf Elektromobilität zu einem drastischen Stellenabbau führen könnte.
Noch sind die Vorschläge zur Lockerung der Kraftstoffvorgaben nicht verabschiedet. Zunächst wird das US-Verkehrsministerium die Stellungnahmen von Unternehmen und Interessenvertretern einholen.
Der US-Bundesstaat Kalifornien hatte bereits im Frühjahr bei seinen Umweltbemühungen einen Rückschlag erlitten. So hatte der US-Senat eine Ausnahmeregelung für den US-Bundesstaat aufgehoben, die ihm erlaubt hatte, eigene, strengere Umweltvorschriften für Autos zu etablieren.
Mit Agenturmaterial.