Streaming: Netflix kauft Warner Bros. Discovery für 72 Milliarden Dollar
New York. Der US-Streaminganbieter Netflix übernimmt einen Großteil des Medienkonzerns Warner Bros. Discovery (WBD). Die Transaktion besteht aus Bargeld und Aktien. Netflix zahlt 27,75 Dollar pro WBD-Aktie, teilten die Unternehmen mit. Das entspricht 72 Milliarden Dollar; inklusive Schulden wird damit ein Wert von fast 83 Milliarden Dollar veranschlagt.
Übernommen werden nicht nur die Film- und TV-Studios, sondern auch der Streamingdienst HBO Max. Zum Katalog von Warner Bros. gehören unter anderem die Serie White Lotus, die Harry-Potter-Filme und die Serie Friends. Damit erhält Netflix einen Zugang zu bedeutenden Kultfilmen und Serien der vergangenen Jahrzehnte.
Seine Fernsehsender wird Warner Bros. Discovery hingegen wie geplant ausgliedern – darunter CNN, TBS und TNT. Im Juni hatte der Konzern entsprechende Aufspaltungspläne bekannt gegeben.
Der Abschluss der Übernahme wird voraussichtlich nach der Trennung erfolgen, die nun im dritten Quartal 2026 erwartet wird. Die Aktien von Netflix gaben am Freitag im vorbörslichen Handel um etwa drei Prozent nach, die von Warner Bros. Discovery etwa ein Prozent.
Warnung vor Monopolstellung
Durch den Deal entsteht ein neuer Riese des Filmgeschäfts. Gemeinsam kommen die beiden Unternehmen auf rund 450 Millionen Abonnenten weltweit. Netflix ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen.
Begonnen hatte Netflix mit Lizenzdeals für Studios, mittlerweile produziert das Unternehmen aber viele Inhalte selbst. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Netflix rund 39 Milliarden Umsatz – die Marktkapitalisierung liegt bei 437 Milliarden Dollar. Eine Übernahme in dieser Größenordnung ist für Netflix allerdings unbekanntes Terrain.
Das traditionelle Fernsehgeschäft hat in den vergangenen Jahren hingegen an Bedeutung verloren, weil Zuschauer zu Streamingdiensten gewechselt sind. Im abgelaufenen Quartal meldete die Kabelfernsehsparte von Warner Bros. Discovery einen Umsatzrückgang von 23 Prozent durch Abo-Kündigungen und die Abwanderung von Werbekunden.
Der Deal dürfte allerdings noch auf großen Widerstand stoßen. Kartellämter und Politiker befürchten eine Vormachtstellung von Netflix. Am Montag schickte der republikanische Senator Roger Marshall einen Brief an das US-Justizministerium und die Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC), in dem er große Kartellbedenken zum Deal geäußert hat.
„Auf dem aktuellen Markt hat Netflix schon eine dominante Position im globalen Streaming-Markt inne“, schrieb Marshall. Der Erwerb von HBO Max und der umfangreichen Bibliothek von Warner Bros. weite diese Dominanz nun noch aus.
Auch Filmproduzenten skeptisch
Eine Transaktion dieser Größenordnung stellt aus Sicht des Republikaners die Gefahr dar, dass der Wettbewerbsdruck nachlässt. Dies könne dazu führen, dass die Preise steigen und die Vielfalt der Inhalte reduziert werden, betonte Marshall. „Die wahrscheinliche Folge wären weniger produzierte Filme, eingeschränkte Kinostarts und geringere Investitionen in Großproduktionen.“
Anfang Dezember soll bereits eine anonyme Gruppe „besorgter Spielfilmproduzenten“ laut dem US-Magazin „Variety“ einen Brief an den Kongress geschickt haben. Darin forderten sie die Politik auf, sich öffentlich gegen das Angebot von Netflix auszusprechen und den potenziellen Deal „der strengsten kartellrechtlichen Prüfung“ zu unterziehen.
Auch kalifornische Behörden haben bereits Skepsis geäußert. Gegenüber dem US-Sender „NBC“ sagte ein Sprecher der kalifornischen Generalstaatsanwaltschaft: „Das Justizministerium ist der Ansicht, dass eine weitere Konsolidierung in Märkten, die für das Wirtschaftsleben der USA von zentraler Bedeutung sind, weder der amerikanischen Wirtschaft noch den Verbrauchern oder dem Wettbewerb dient.“
Netflix hielt in der Vergangenheit dagegen und wies darauf hin, dass einer seiner größten Konkurrenten die Video-Plattform Youtube von Alphabet sei. Der Streaminganbieter argumentiert, dass mit einer Konsolidierung des Marktes auch die Preise sinken dürften.
„Unsere Mission war es schon immer, die Welt zu unterhalten“, sagte Ted Sarandos, Co-CEO von Netflix, in einer Mitteilung. Durch die Kombination der Bibliothek an Serien und Filmen von Warner Bros. mit den Titeln von Netflix werde man dies noch besser umsetzen können. Im Vorfeld der Ankündigung versuchte Netflix auch, Künstler und Produzenten zu beruhigen: US-Medienberichten zufolge versprach das Unternehmen, die Filme von Warner Bros. weiterhin in stationären Kinos zu zeigen.
Übernahmekampf seit Oktober
Doch auch die unterlegene Konkurrenz könnte für den Deal noch zur Gefahr werden. Denn der Übernahme durch Netflix war ein monatelanger Bieterwettstreit vorangegangen. Warner Bros. Discovery hatte sich im Oktober selbst zum Verkauf gestellt, nachdem es Angebote von verschiedenen Konkurrenten erhalten hatte.
Neben Netflix soll auch der Medienkonzern Paramount Skydance ein Angebot abgegeben haben. Das Unternehmen wollte Warner Bros. Discovery offenbar inklusive seiner Kabelfernsehsender komplett übernehmen. Analysten spekulieren, dass auch Paramount Skydance versuchen könnte, die Regierung von US-Präsident Donald Trump von einer Blockade des Deals zu überzeugen.
David Ellison, Chef von Paramount Skydance, soll sich laut einem Bericht der „Washington Post“ am Mittwoch bereits mit Trump-Vertretern und hochrangigen Gesetzgebern in Washington getroffen haben. Der 42-Jährige ist Sohn von Larry Ellison, Co-Gründer des Softwarekonzerns Oracle und ein enger Vertrauter des US-Präsidenten.
Neben Paramount Skydance war wohl auch Comcast, die Muttergesellschaft von NBC Universal, an den Film- und Fernsehstudios sowie dem Bezahlsender HBO Max interessiert. Das Angebot des Medienkonzerns galt aber als unterlegen.
Mit Material von Bloomberg.